Kinoplakat: Great Balls of Fire
Ein Film wie Rock‘n‘Roll
Laut. Bunt. Verrückt!
Titel Great Balls of Fire
(Great Balls of Fire!)
Drehbuch Jack Baran + Jim McBride
nach einem Buch von Myra Lewis und Murray Silver Jr.
Regie Jim McBride, USA 1989
Darsteller
Dennis Quaid, Winona Ryder, John Doe, Stephen Tobolowsky, Trey Wilson, Alec Baldwin, Steve Allen, Lisa Blount, Joshua Sheffield, Mojo Nixon, Jimmie Vaughan, David Ferguson, Robert Lesser, Lisa Jane Persky, Paula Person u.a.
Genre Biografie, Drama, Musik
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
21. September 1989 (Videopremiere)
Inhalt

„Was solls? Wenn ich zur Hölle fahre, spiele ich eben dort Klavier!“ In den braven 50er Jahren galt Rock’n’Roll als Teufelswerk – und Jerry Lee Lewis als des Teufels dämonischster Advokat.

1956 zieht Jerry Lee Lewis nach Memphis, um „King“ Elvis Presley vom Thron zu stoßen. Seine sexgeladenen Songs machen ihn quasi über Nacht zum Star: Wenn er mit überschlagender Stimme „Great Balls of Fire“ anstimmt, tobt das Publikum; wenn er bei einem Auftritt das Piano in Brand steckt, stürmen seine Fans die Bühne.

Doch als er seine 13-jährige Cousine Myra heiratet, erklärt ihn die Presse zu Unperson und seine Fans wenden sich entsetzt ab: Nach nur 18 Monaten einer kometenhaften Karriere liegt der „Killer“ am Boden …

Was zu sagen wäre

Herzlich willkommen im bigotten Amerika der 1950er Jahre. die Haare sind ölig, die Cabrios groß, die Reißverschlüsse sitzen locker, wenn der Rock‘n‘Roll seine Hüften kreisen lässt; aber wenn ein Musiker aus Liebe seine 13-jährige Cousine heiratet, also ist, was seine Rocksongs immer beschwören: frei, dann dreht der Bürger doll – sohabenwirnichtgewettetmeinfreundleckmich. So zugespitzt das hier klingt, so zugespitzt ist der film: keine Biografie im strengen Sine, statt dessen ein bonbonbuntes Drama mit – und aus – heißem Rock‘n‘Roll. McBride nimmt sich die Freiheit, einen veritablen Skandal in buntes R‘n‘R-Papier zu wickeln und eine flotte Nummernrevue zu erzählen. Dabei schießt Dennis Quaid den Vogel ab.

Würde Tim Burton heute nochmal seinen Batman verfilmen, Jack Nicholson müsste sich Gedanken machen, ob er noch des Regisseurs erste Wahl für die Rolle des Jokers wäre. Dennis Quaid jedenfalls (D.O.A. – Bei Ankunft Mord – 1988; „Suspect – Unter Verdacht“ – 1987; Die Reise ins Ich – 1987; „The Big Easy“ – 1986; Enemy Mine – Geliebter Feind – 1985; „Dreamscape“ – 1984; „Der Stoff aus dem die Helden sind“ – 1983) zappelt als hyperventilierende Rock‘n‘Roll-Comicfigur umher, wie der Batmans Joker auf Speed; seine Vorstellung ist hypnotisch, seine Exkursionen über die Tastaturen diverser Flügel elektrisierend, der Sounf … mitreißend.

Und jeder – männliche – Zuschauer kann den Rock‘n‘Roller verstehen: Ziel seiner Liebe ist Winona Ryder („Heathers“ – 1988; „Die Generation von 1969“ – 1988; „Beetlejuice“ – 1988; „Square Dance – Wiedersehen in Texas“ – 1987) – entzückend. Was Ryder mit ihrem Gesicht anstellen kann, was sie mit einem kleinen Nasenwurzelzucken erreicht, das ist unerreicht. Sie ist dieses junge, unschuldig überrumpelte Mädchen, sie spielt es nicht nur. Mag sein, dass der männliche Rezensent hier ob ihres schönen Gesichts eventuell voreingenommen ist, aber ich bleibe dabei: Winona Ryder verkörpert ihre Rolle als unschuldige 13-Jährige glaubwürdig.

Alles andere ist 100 Minuten Rock‘n‘Roll. Jim McBride wird seinem Ruf gerecht („The Big Easy“ – 1986; „Atemlos“ – 1983; „Glen and Randa“ – 1971), aus Musik und Cinemascope unvergleichliche Kunstwerke zu schaffen, deren Sinn eher im Hintergrund bleibt, deren oberflächliche Schönheit uns aber um den kleinen Finger wickelt.

Wertung: 8 von 10 D-Mark