Plakatmotiv: Walk the Line

Ein Liebesfilm mit einer bezaubernden,
glaubwürdigen Reese Witherspoon

Titel Walk the Line
(Walk the Line)
Drehbuch Gill Dennis + James Mangold
basierend auf den Biografien „Man in Black“ sowie „Cash: The Autobiography” des Country-Sängers Johnny Cash mit Patrick Carr
Regie James Mangold, USA, Deutschland 2005
Darsteller
Joaquin Phoenix, Reese Witherspoon, Ginnifer Goodwin, Robert Patrick, Dallas Roberts, Dan John Miller, Larry Bagby, Shelby Lynne, Tyler Hilton, Waylon Payne, Shooter Jennings, Sandra Ellis Lafferty, Dan Beene, Clay Steakley, Johnathan Rice u.a.
Genre Biografie, Drama, Musik
Filmlänge 136 Minuten
Deutschlandstart
2. Februar 2006
Inhalt
1944: J.R. Cash lebt auf der von der Familie gepachteten Baumwollfarm in Dyess, Arkansas zusammen mit seinem älteren Bruder Jack, der Priester werden will. Eines Tages sägt Jack für einen Nachbarn Holz und schickt J.R., der bei ihm ist, zum Angeln. Jack wird kurz darauf bei einem Unfall mit der Kreissäge schwer verletzt und stirbt. Das angespannte Verhältnis des Vaters zu J.R. verschlechtert sich daraufhin nochmals, da er ihn für den Tod seines Lieblingssohns Jack verantwortlich macht.

1952 wird J.R. in Landsberg am Lech stationiert. In Deutschland schreibt er seine ersten eigenen Songs, darunter den Folsom Prison Blues, zu dem ihn der Film Inside the Walls of Folsom Prison („Meuterei im Morgengrauen“) inspiriert hatte, der den Soldaten gezeigt wurde.

1955: Cash hat inzwischen seine Freundin Vivian Liberto geheiratet und ist mit ihr nach Memphis gezogen, seine Tochter Rosanne wurde geboren und seine Frau ist wieder schwanger. In seiner Freizeit spielt er mit den Automechanikern Luther Perkins und Marshall Grant gemeinsam Gospelmusik. Als Vertreter von Haushaltsgeräten geht er von Haus zu Haus, ist damit allerdings wenig erfolgreich. Seine Frau ist sauer, dass er sich mehr um seine Musik kümmert, als um den Unterhalt der Familie.

Dann kommt Cash an einem Aufnahmestudio vorbei und lernt dessen Besitzer Sam Phillips kennen, der auch Gründer des Plattenlabels Sun Records ist. Wenig später gelingt es ihm, mit seinen beiden Mitmusikern bei ihm vorzuspielen. Erst noch winkt Philips schnell ab, als er den ersten Gospel hört. Dann spielt Cash ihm seinen selbstkomponierten Folsom Prison Blues vor. Philips bietet Cash daraufhin einen Plattenvertrag an.

Damit beginnen die Probleme …

Was zu sagen wäre
Die Geschichte von Johnny Cash beginnt mit einem einsamen Raben, der sich im Jahre 1968 auf dem trostlosen Gelände des Folsom State-Gefängnisses auf einem Abfallbehälter niederlässt. Uniformierte Sicherheitsleute patroullieren mit ihren Gewehren auf den Sicherheitstürmen, während aus dem Gefängnistrakt hinter ihnen die dumpfen, pulsierenden Geräusche eines außergewöhnlichen Ereignisses durch die alten Mauern dringen: Johnny Cash gibt irgendwo dort drinnen ein exklusives Konzert vor den Inhaftierten, den Verlierern und Verurteilten der Gesellschaft.

Dieser erste Eindruck verbleibt als Stimmungsbild für den gesamten Film, der sich bald zu einer großen Liebesgeschichte entfaltet. Joaquin Phoenix (The Village – 2004; Signs – Zeichen – 2002; Gladiator – 2000; The Yards – Im Hinterhof der Macht – 2000; „8mm“ – 1999; U-Turn – Kein Weg zurück – 1997; „To Die For“ – 1995) ist der einsame Mann in Schwarz, eine komplexe Persönlichkeit am Rande des Musikbusiness. Seine Kindheit ist überschattet von einem traumatischen Erlebnis, dem Tod des älteren Bruders und der daraus resultierenden Ablehnung durch den Vater, der glaubt, er habe den falschen Sohn verloren. Die Stationen seines Erwachsenenlebens, die Army-Zeit in Deutschland, die überstürzte Ehe mit Vivian, seiner ersten Frau, der musikalische Durchbruch mit seiner kleinen Band aus Straßenmusikern – all das wird betont beiläufig und rasch abgehakt. Was zählt, ist die für sein weiteres Leben schicksalhafte Begegnung mit June Carter während eines Konzerts Mitte der fünfziger Jahre.

Plakatmotiv: Walk the LineDie Liebesgeschichte von Johnny und June steht im Zentrum des Films: lange Jahre der unerfüllten Liebe, da beide bereits verheiratet sind und eine Scheidung die gesellschaftliche Ächtung bedeutet. Hinzu kommt Cashs Alkohol- und Tablettensucht, die ihn zugrunde zu richten droht. James Mangold, erfahren im Umgang mit komplexen Persönlichkeiten (Identity – 2003; Kate & Leopold – 2001; Durchgeknallt – 1999; Cop Land – 1997) stellt seinen Helden in dessen Jugendjahren gerne an eine Weggabelung irgendwo in den Weiten seiner ländlichen Heimat. Cash ist ein Suchender, einer, der nicht weiß, wohion mit seinem Leben – also einer wie Du und ich.

Der Filmtitel „Walk the Line“ lehnt sich an Cashs Musiktitel „I Walk the Line“ an. Die Textzeile „Because you're mine, I walk the line“ (Weil du zu mir gehörst, benehme ich mich/befolge ich die Regeln) bezog Cash auf seine Frau Vivian Liberto. Im Film fällt einmal der Begriff, als Cash mit seinen Musikerkollegen betrunken auf einer Bühne sitzt und June ihn mit Flaschen bewirft. In der Szene sagt sie „Y'all are gonna blow this tour. You can't walk no line“ (Ihr werdet alle die Tour vermasseln. Ihr könnt keine Regeln befolgen.).

Es ist eine Liebesgeschichte. Bei aller dramaturgischen Realitätssuche erzählt „Walk the Line“ eine einfache, eine ewig gültige Liebesgeschichte. Und Reese Witherspoon (Natürlich blond! – 2001; Little Nicky – Satan Junior – 2000; American Psycho – 2000; „Best Laid Plans“ – 1999; Election – 1999; Eiskalte Engel – 1999; Pleasantville – 1998; Im Zwielicht – 1998) liefert tausend treffende Gründe, sich genauso albern zu verhaten, wie der gockelnde Johnny Cash. Witherspoon ist bezaubernd in Junes Straightness, beneidenswert in Junes glasklarer Unentschlossenheit. Reese Witherspoon, die für ihr Spiel mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, ist magnetisch.

Äußerlichkeiten sind Oberfläche, heißt es. aber bei Schauspielern ist ja alles Oberfläche und deshalb darf man diese Oberfläche auch locker erwähnen: Die dunklen Haare stehen Witherspoon, die sonst immer als Blondie auftritt, unwiderstehlich gut.

Wertung: 5 von 8 €uro