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Plakatmotiv: Der Etappenheld (1968)
Ein Star-Vehikel
für Paul Newman
Titel Der Etappenheld
(The Secret War of Harry Frigg)
Drehbuch Peter Stone + Frank Tarloff
Regie Jack Smight, USA 1968
Darsteller
Paul Newman, Sylva Koscina, Andrew Duggan, Tom Bosley, John Williams, Charles Gray, Vito Scotti, Jacques Roux, Werner Peters, James Gregory, Fabrizio Mioni, Johnny Haymer, Norman Fell, Buck Henry, Horst Ebersberg u.a.
Genre Komödie, Krieg
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
9. Februar 1968
Inhalt

Plakatmotiv (US): The Secret War of Harry Frigg – Der Etappenheld (1968)Während des Zweiten Weltkriegs werden fünf alliierte Brigadegeneräle, drei Amerikaner, ein Brite und ein Franzose, in einem Badehaus in Tunesien von Italienern gefangen genommen. Sie werden in einer Luxusvilla in Italien interniert.

Schon bald wird den Alliierten klar, dass die fünf Gefangenen gar nicht daran denken, ihrem luxuriöses Gefängnis zu entfliehen. Zudem fällt es denen schwer, wegen ihres gleichen Ranges eine Befehlshierarchie zu erstellen.

US-Soldat Harry Frigg erhält den Auftrag, die Männer zu befreien. Damit Frigg Befehlsgewalt über die gefangenen Generäle hat, wird er prompt zum Generalmajor befördert. Mit einem Fallschirm springt Frigg über Italien ab. Er lässt sich gefangen nehmen und wird ebenso in die Villa gebracht. Bald macht er den Generälen Vorwürfe über ihre Unfähigkeit einen Fluchtplan zu organisieren und in die Tat umzusetzen.

Als Frigg die Eigentümerin der Villa, Contessa Francesca die Montefiore, kennenlernt, sinkt sein Interesse an der Flucht. Anstatt die Flucht über einen frisch entdeckten Geheimgang flugs umzusetzen, zögert Frigg die Aktion hinaus, lässt die Generäle erst mal italienisch lernen, schließlich müssten sie sich während ihrer Flucht verständigen können; er arbeitet ein Fitness-Training für die rundlichh gewordenen Generäle aus.

So vergehen wertvolle Tage, in denen sich Gefangenen mit ihren Aufpassern zunehmend besser verstehen.

Als schließlich die Nacht, in der die Flucht stattfinden soll, anbricht, kommen deutsche Offiziere in die Villa und machen die Kapitulation der Italiener bekannt. Die Gefangenen werden in ein gut bewachtes deutsches Lager gebracht …

Plakatmotiv (US): The Secret War of Harry Frigg – Der Etappenheld (1968)

Was zu sagen wäre

Ein Star-Vehikel, geschrieben und produziert rund um seinen Hauptdarsteller Paul Newman. Er ist Harry Frigg, König der Ausbrecher, Hallodri, Schlawiner, sympathischer Gauner. Und loyaler Kamerad.

Friggs Mitspieler sind, nunja, nicht die Hellsten – zwar allesamt Generäle, aber unter den Sternen auf ihren Schultern und dem lametta auf ihrer Brust eitel geworden, selbstgefällig und ein wenig satt. Klar: Wer sonst würde sich von Italienern fangen und einsperren lassen, wo die Alliierten – Franzosen, Engländer, Amerikaner – im Hollywoodkino zumindest doch stets unsterbliche Helden sind?

Plakatmotiv (US): The Secret War of Harry Frigg – Der Etappenheld (1968)

Jack Smight reitet mit seinem „Secret War of Harry Frigg“ auf der Welle der erfolgreichen Militärfilme, in denen immer kernige Kerle entweder aus schwerbewachten Gefängnissen ausbrechen (Gesprengte Ketten – 1963) oder in schwer bewachte Nazi-Stützpunkte einbrechen (Das dreckige Dutzend – 1967), um sie in die Luft zu sprengen oder Geheimnisträger aus den eigenen Reihen von dort zu befreien.

Wie erfrischend dann, dass hier eine Hollywood-Produktion über eines fünf Generäle aus italienischer Gefangenschaft befreien will, nicht etwa, um potenzielle Geheimnisträger der eigenen Seite am Reden zu hindern, oder – andersherum – Geheimnisträger der Gegenseite zu entführen, um an eben deren Geheimnisse heranzukommen.

Bei Jack Smight (Ein Fall für Harper – 1966; ) sollen die fünf Generale einfach nur deshalb aus italienischer Haft geholt werden, weil die sich in bella Italias Villa-Haft so sauwohl fühlen, während ihre Kameraden in realen Schützengräben vor die Hunde gehen. Das untergräbt die Moral der Truppe. Und als Chef der Mission wird Harry Frigg berufen, den Paul Newman auf dem Zenit seiner Karriere spielt (Der Unbeugsame – 1967; „Man nannte ihn Hombre“ – 1967; Der zerrissene Vorhang – 1966; Ein Fall für Harper – 1966; Immer mit einem anderen – 1964; „Der Wildeste unter Tausend“ – 1963; „Süßer Vogel Jugend“ – 1962; Haie der Großstadt – 1961; „Exodus“ – 1960; „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ – 1958; Der lange heiße Sommer – 1958). Newman kostet seine Hauptrollenmöglichkeiten hier weidlich aus. Sein Spiel schwappt immer mal wieder ins bloße Chargieren. Macht aber nichts, die Rolle des Hallodris ist ganz auf ihn geschrieben: der ziellose Kerl, der sich clever durchschlägt, dabei im Lebenslauf aber wegen seines Hallodri-Seins steckenbleibt und irgendwann dahinter kommt, was ihm fehlt, um nach Oben zu kommen und sich das dann aneignet und reüssiert.

Für den Zuschauer ist es angenehm zu sehen, dass die Generäle, Vertreter einer elitären Kaste, allesamt eitle Fatzken sind – unfähig zum praktischen Kampf im Feld –, während der zum Schein-General beförderte Private Harry sich von der angeheirateten Contessa erst einmal Manieren und Stil beibringen lässt, um vor den verwöhnten Alten zu bestehen. Und um aus Harry ein veritables Mitglied unserer (besseren) Gesellschaft zu machen, braucht es ein paar Wochen, in denen nun mal einfach nicht geflohen werden kann.

Ein fröhlicher Comic-Film, der die – jetzt schon – Klassiker des Genres ehrt und auf unterhaltsame Weise aushebelt, auch, indem deutsche Nazi-Offiziere in Feinripp-Unterwäsche in den Kampf ziehen.

Wertung: 4 von 8 D-Mark
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