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Plakatmotiv: Die Spur führt zurück – The two Jakes (1990)
Elegant fotografiert,
langweilig erzählt
Titel Die Spur führt zurück – The two Jakes
(The two Jakes)
Drehbuch Robert Towne
Regie Jack Nicholson, USA 1990
Darsteller Jack Nicholson, Harvey Keitel, Meg Tilly, Madeleine Stowe, Eli Wallach, Rubén Blades, Frederic Forrest, David Keith, Richard Farnsworth, Tracey Walter, Joe Mantell, James Hong, Perry Lopez, Jeff Morris, Rebecca Broussard u.a.
Genre Film Noir
Filmlänge 147 Minuten
Deutschlandstart
12. Dezember 1991
Inhalt

Ende der 1940er Jahre betreibt J. J. Gittes in Los Angeles eine florierende Detektei. Der Immobilienunternehmer Julius Berman beauftragt ihn, Beweise für die Untreue seiner Ehefrau Kitty zu finden. Gittes arrangiert, dass Berman seine Frau mit ihrem Liebhaber in flagranti erwischt, und nimmt das Geschehen auf Band auf. Dabei erschießt Berman jedoch den Liebhaber. Gittes übergibt seinen Klienten der Polizei, versteckt aber das Tonband im Safe in seinem Büro.

Gittes findet heraus, dass es sich bei dem getöteten Liebhaber um Bermans Geschäftspartner Bodine handelt. Er verdächtigt Berman, ihn benutzt zu haben, um für einen kaltblütigen Mord mildernde Umstände zu erwirken. Auch Bodines Witwe Lillian glaubt, dass Berman den Mord lange geplant hatte, um sich Bodines Anteil an ihrem gemeinsamen Bauprojekt anzueignen. Sie konfrontiert Gittes mit ihrer Ansicht.

Gittes ermittelt auf eigene Faust weiter und kommt dabei zwischen die Fronten. Sowohl die Polizei, als auch Bermans krimineller Freund Mickey Nice sind hinter dem Tonband her. Bei seinen Ermittlungen entdeckt Gittes, dass das Land, auf dem Berman baut, ehemals Katherine Mulwray gehörte, der Tochter seiner früheren Geliebten Evelyn Mulwray. Hinter den Schürfrechten für dieses Land ist der skrupellose Ölmagnat Earl Rawley her.

Bei einem Treffen mit Kitty Berman erkennt Gittes, dass sie Katherine Mulwray ist …

Was zu sagen wäre

Jack Nicholson führt Regie. Jack Nicholson spielt die Hauptrolle. Es ist aber der Film des Vilmos Zsigmond, Brian De Palmas – und auch Steven Spielbergs – Hauskameramann (Die Hexen von Eastwick – 1987; Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren – 1981; Heaven's Gate – 1980; „The rose“ – 1990; „Die durch die Hölle gehen“ – 1978; Unheimliche Begegnung der dritten Art – 1977; Schwarzer Engel – 1876; Sugarland Express – 1974; „Beim Sterben ist jeder der Erste“ – 1972); „McCabe & Mrs. Miller“ (1971). Vilmos Zsigmond findet für das brütende Los Angeles, für die schmutzigen Toten, die hässlichen Winkelzüge fantastisches Licht; die Räume, die er ausleuchtet, strahlen, auch wenn es schäbige Räume sind. Er lässt die späten 30er Jahre des 20. Jahrhunderts mit protzigen Cabriolets, breitschultrigen Anzügen und goldenen Feuerzeugen auferstehen.

So schön kann das damals unmöglich gewesen sein. Aber wir sind ja im Kino. Im Kino ist Schönheit eine Währung.

Zsigmonds Fotografie lehnt sich eng an den Stil John A. Alonzos an, der als Director of Photography 1974 den Vorgängerfilm, Chinatown, begleitete. Auch damals waren die Bilder wie gemalt und die Kulissen elegant. Dass Jack Nicholson viel daran gelegen war, an den Stil des großen Vorgängers anzuknüpfen, beweist sich in jedem Frame seiner vierten Arbeit als Regisseur. Das ist auch richtig. Eine Fortsetzung sollte zwar neue Aspekte aus einer Story offenbaren, der Stil aber sollte schon gehalten werden – warum sonst sollte es, abseits merkantiler Interessen, eine Fortsetzung statt eines eigenständigen Films sein? Die Herausforderung, an der Nicholson als Regisseur hier gescheitert ist, sind die Sehgewohnheiten des kinogängers, die sich in den zurückliegenden 16 Jahren sehr verändert haben – nicht zuletzt durch Filme, die Vilmos Zsigmond für De Palma oder Steven Spielberg fotografiert hat.

„The two Jakes“ iust, während ich im Kinosessel sitze, eine zähe Angelegenheit, die erst in der Rückschau mit einigem Abstand, wenn nur die schönen Erinnerungen an einen Film geblieben sind, einen gewissen Charm entwickelt. Er gehört dem Genre des Film Noir an und damit ist die Ausgangslage klar: Eine vermeintlich einfache Fremdgeh-Beschattung entwickelt sich zu einer großen, kommunalen Verschwörung, in der es um Geld, Grundbesitz, Sex und Immobilien/Öl/Wasser geht. Nicholson, vor allem aber Robert Towne, der wie schon bei Chinatown das Drehbuch geschrieben hat, tut aber so, als sei das alles noch nie erzählt worden. In quälend langen Passagen sehen wir zwar die schönen Bilder Zsigmonds, hören dazu aber philosophische Weisheiten eines Privatdetektivs.

Kommentare aus dem Off gehören zum Privat-Eye-Movie seit Humphrey Bogarts seligen Zeiten. Sie sollten dem in solchen Korruptions-Geschichten stets leicht verwirrten Zuschauer (auch das gehört dazu) Orientierung geben. J.J.Gittes aber erzählt uns von der Tonspur, während er minutenlang durchs Land fährt, Treppen steigt, mit großer Sonnenbrille in die Ferne sinniert, dass, „es beinah so (ist), wie in den guten alten Tagen. So wie ich sie noch in Erinnerung habe. Aber wenn man lange genug in diesem Geschäft war, wird jede Straße zu irgendeinem Ort, den man am liebsten vergessen würde. Jeder neue Fall erinnert einen an Dinge, die man hätte tun sollen und was gewesen wäre, wenn ..? Jeder Rock erinnert einen an eine andere Frau. Oder, wenn es einen ganz schlimm erwischt hat, immer an dieselbe Frau.“ Oder: „Die Zeit verändert alles. Wo früher an der Kreuzung ein Obststand war, steht heute eine Tankstelle. Aber die Spuren und Zeichen der Vergangenheit sind überall.

Der lahmen Story, die ihre Verwirrung nur behauptet, helfen diese Erkenntnisse eines alternden Privat Eyes jedenfalls nicht weiter. Entsprechend wenig motiviert agiert vor des Regisseur Jack Nicholsons Kamera der Schausieler Jack Nicholson (Batman – 1989; Die Hexen von Eastwick – 1987; „Zeit der Zärtlichkeit“ – 1983; Wenn der Postmann zweimal klingelt – 1981; Shining – 1980; Duell am Missouri – 1976; Einer flog über das Kuckucksnest – 1975; Chinatown – 1974; Easy Rider – 1969; Psych-Out – 1968; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963).

Und zwischendrin sitzt Gittes in einer quälend sechs Minuten langen Sequenz an seinem Schreibtisch und schaut sich alte Fotos mit Szenen aus Chinatown an, eine Sequenz, die in nichts anderem gipfelt, als James Hong zu einem Auftritt zu verhelfen, der 1974 der Butler Evelyn Mulwrays war – und eine Fortsetzung muss auch die bekannten Figuren wieder vor die Kamera holen (und wenn es nur, wie Faye Dunaway per Zeitungsfoto ist); aber Hongs Auftritt in diesem Film dient lediglich als Scharnier, um Gittes viel später im Film das entscheidende déja vu zu geben. All diese Szenen sind derart mit Bedeutung aufgeladen, weil die Schlusspointe anvisiert werden muss, dass die Erzähler Towne und Nicholson darüber die Dramaturgie aus den Augen verloren haben.

Dabei hat sich Schlusspointe zwischen betont blonden Haaren und roten Haaren lange angedeutet und kullert dann auch mehr so ins Geschehen, als dass sie es mit einem Knall täte. Die Auflösung des Mordfalls steht dem nicht nach. Es ist dann eine nahezu humanistische Tat, ein den Besitz eines unschuldige Mädchens vor dem Raubgriff eines kantigen alten Ölmannes schützen soll. So what? Während im Original von 1974 der damalige kantige alte Mann – der große John Huston spielte ihn – seine Tochter griff und mit ihr seine eigene Enkelin zeugte, geht es in „The two Jakes“ tatsächlich nur um Öl und ein wenig selbstlose Liebe. Von der Polanski'schen Wucht ist nichts geblieben.

Das wäre nicht schlimm – Polanski sitzt ja nicht auf dem Regiestuhl. Aber dass the Jack Nicholson mit so einem Material dann nicht mehr zustandebringt, als philosophische Klosprüche zu wunderschönen Bildern, ist zumindest überraschend. Ein Gedankenspiel: Würde man das Drehbuch verfilmen, wenn die Bezüge zu Chinatown fehlten? Nein, weil die erzählte Story nicht für einen eigenen Film reicht. Die Paramount Studios haben aus rein merkantilen Gründen das Erbe des Films Chinatown beschädigt. Aber sehr schön fotografiert.

Wertung: 3 von 10 D-Mark
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