Kinoplakat: Iron Man 3
Trilogie geht mit Terror zu Ende
Tony Stark dreht mächtig auf
Titel Iron Man 3
(Iron Man Three)
Drehbuch Drew Pearce + Shane Black
nach Charakteren von Stan Lee + Don Heck + Larry Lieber + Jack Kirby / basierend auf der Comicstory „Extremes” von Warren Ellis + Adi Granov
Regie Shane Black, USA 2013
Darsteller

Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Don Cheadle, Ben Kingsley, Guy Pearce, Rebecca Hall, Jon Favreau, James Badge Dale, Stephanie Szostak, Paul Bettany, William Sadler, Dale Dickey, Ty Simpkins, Miguel Ferrer, Xueqi Wang, Shaun Toub, Matt Nye, Pat Kiernan u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 130 Minuten
Deutschlandstart
1. Mai 2013
Website marvel.com/iron_man
Inhalt

Silvester 1999: Tony Stark langweilt sich auf einem Empfang in der Schweiz; er würde die Zeit bis zur Jahrtausendwende gerne mit der Biologin Maya Hansen verbringen. Ein Betrunkener drängt sich ihm auf, Aldrich Killian. Der will dem prominenten Waffenproduzenten eine Idee unter dem Titel A.I.M. schmackhaft machen. Stark vertröstet ihn auf „in zehn Minuten auf dem Dach”.
Und vergisst den Mann. Für die nächsten 13 Jahre.

Heute. Die Welt wird von Anschlägen erschüttert, organisiert von einem offenbar allmächtigen Terroristen – er nennt sich „Mandarin”. Tony Starks Freund, Colonel James Rhodes, der als Iron Patriot in blau-rot-silberner Rüstung die Arbeit Iron Mans quasi in staatliche Behördenhände gelegt hat, versucht mit Hilfe des Geheimdienstes, den Mandarin auszuschalten. Davon kriegt Tony kaum etwas mit, weil er seit der Alieninvasion in New York unter Panikattacken leidet und seine Rüstung als einzigen Schutz akzeptiert. Pepper, die mittlerweile bei Tony wohnt, ist von dessen Besessenheit für seine Anzüge wenig angetan; dass Tony ihr zu Weihnachten einen gigantischen Plüsch-Hasen mit monströser Oberweite vor die Tür stellt, vertieft ihre Liebe nicht.

Kinoplakat: Iron Man 3Dann taucht ein verflossener Verehrer von Pepper wieder auf: Aldrich Killian – der im Gegensatz zu seinem versoffenen, zotteligen Äußeren damals heute … verändert, besser aussieht. Er will Pepper für seine Idee gewinnen, dass STARK Industries sich an Killians „Extremis”-Projekt beteiligt – das ist ein Virus, der das menschliche Genom in jeder gewünschten Weise verändern kann. Pepper lehnt ab. Sie sieht die Gefahr, dass man „Extremis” als Waffe benutzen könnte. Happy Hogan, Sicherheitschef von STARK Industries und Tony's ehemaliger Bodyguard, wird misstrauisch und verfolgt Eric Savin, den Assistenten von Killian. Er beobachtet, wie er einem kränkelnden Mann einen Koffer übergibt, der augenscheinlich Drogen enthält. Als der Mann die Droge zu sich nimmt, beginnt er von innen heraus zu glühen und explodiert schließlich, wodurch das Theater zerstört wird. Happy wird schwer verletzt, kann aber noch sehen, wie Savin das Inferno verlässt und sich vollständig von seinen dabei erlittenen Verletzungen erholt.

Wütend über die Verletzung seines Freundes droht Tony dem Mandarin, der sich für die Explosion verantwortlich zeigt, und fordert ihn zu einem Zweikampf heraus. Bei seinen anschließenden Nachforschungen findet Tony heraus, dass ähnlich explosive Vorfälle bereits stattfanden, bevor der Mandarin an die Öffentlichkeit getreten ist. Als überraschend Maya, die Biologin von der Silvesterparty 1999 auftaucht und mit Tony sprechen will, wird die Villa von Kampfhubschraubern angegriffen. Das Haus wird komplett zerstört. Pepper aber und Maya können sich retten, Tony wird in seiner Rüstung bis nach Tennessee katapultiert – eine Flugroute, die Computerbutler Jarvis bei Tonys letzten Nachforschungen programmiert hatte, bevor der Angriff begann.

Auf dem platten Land, fernab all seiner Techno-Gadgets setzt Tony seine Suche nach den Geheimnissen rund um den Mandarin fort … und wird von zwei Agenten des Mandarin angegriffen, die über die Fähigkeit verfügen, ihre Körper extrem aufzuheizen und Verletzungen zu regenerieren. Tony gelingt es, die Angreifer vorläufig auszuschalten, und entdeckt, dass sie ihre Fähigkeiten durch das „Extremis” bekommen haben, jenem Virus, den Maya einst entwickelt und Tony in jener Silvesternacht gezeigt hatte. Ursprünglich hatte Maya das Virus entwickelt, um eine vollständige Regeneration von schweren Verletzungen zu bewirken.

Offenbar hat der Mandarin für das Extremis noch ganz andere Möglichkeiten ersonnen …

Was zu sagen wäre

Es liegt ein Hauch von Abschied in der Luft. Tony Stark ist seit den Vorfällen von New York (zu sehen in The Avengers, USA 2012) gehandicapt, müde. Es macht ihm keinen Spaß mehr.

  • Tony Stark, der Großindustrielle, der ehemalige Waffenhändler, der Mann in der Rüstung, findet keinen Schlaf mehr.
  • Er vergräbt sich in seiner Werkstatt und spricht mit seinem Computer Jarvis.
  • Pepper ist, kaum bei Tony eingezogen, drauf und dran, wieder auszuziehen.
  • Terrorist „Mandarin“ nimmt Tony Stark Heim und Werkstatt (in einer furiosen CGI-Szene).

Der Superheld leidet unter Depressionen

„Halbgötter, außerirdische Mächte, ich bin einfach nur ein Typ in einer Blechdose“, sagt er. In „Iron Man 3“ geht Marvels größter Bastel-Fan auf Distanz zu seinem Spielzeug – das ihn gleichzeitig am Leben, den Schrapnell von seinem Herzen fern hält. Er will mehr Mensch, weniger Dose – was nebenher die charakteristische Menschlichkeit im Marvel-Helden-Universum transportiert, in dem die Helden nicht einfach super sind und mal eben eine Invasion von Außerirdischen zurückschlagen, sondern Menschen mit gewissen Fähigkeiten in bunten Anzügen. Nicht-mehr-Wollen ist eine wesentliche Geisteshaltung vieler Marvel-Helden, auch, dass immer in solchen Momenten einer auftaucht, der ihn zwingt, weiter zu wollen, indem er die Geliebte oder die Stadt oder gleich das ganze Land angreift. Der „Mandarin“ wählt Letzteres.

Dass der Mandarin grenzenlose Macht hat, beweist sich an dem Umstand, dass er jederzeit und überall jedes TV-Programm für seine Zwecke unterbrechen kann. Aber was heißt schon TV-Stationen-hacken? „Iron Man 3“ entdeckt im islamistischen Terror aus den Berghöhlen im pakistanisch-afghanischen Grenzland eine platte PR-Nummer. Die „Süddeutsche Zeitung“ merkte an, nicht etwa Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty (USA 2012) erlege den Oberterroristen Osama Bin Laden, erst „Iron Man 3“ erledige das, indem er dessen Mythos entzaubere. Das kann man so sehen; und ließe, verfolge man den Gedanken dahinter weiter, noch Feld für allerlei Spekulationen.

Kinoplakat: Iron Man 3Die Rückkehr des Star-Autors Shane Black

Auch Tony Stark und seine einst einzigartige Uniform sind längst nicht mehr einzigartig. Sein Freund, Colonel James Rhodes, tut als schwer armierter „Iron Patriot“ seinen Dienst und Tony baut Rüstung um Rüstung, die alle ohne Tonys Körper auskommen – längst kann er Rüstungen auch fernsteuern, was er im großen Finale dann auch reichlich tut, als er gleich 48 Rüstungen zur Aufführung bringt. Tatsächlich heißt zwar auch dieser dritte Teil „Iron Man“, aber iron ist der Titelheld die wenigste Zeit – der Mann ist zum Helden mutiert auch ohne seine Blechdose; meistens kämpft er sich als ideenreicher Bastler in Jacke und Hose eines Bürgers, der seinen Kopf einsetzt, nicht seinen Stahl, durch die Szenerie – und an einem Wendepunkt seiner Karriere steht ihm ein Junge zur Seite. An dieser Stelle möchte ich fast rufen „Welcome back, Shane Black!“

Shane Black hatte sich Ende der 1980er Jahre einen Namen als Autor intelligenter Actionfilme gemacht wie etwa Richard Donners Lethal Weapon, Tony Scotts Genre-Klassiker The Last Boy Scout (1991) oder John McTiernans Schwarzenegger-Movie Last Action Hero (USA 1993). Aber der und auch Renny Harlins Tödliche Weihnachten (1996) mit Geena Davis und Samuel L. Jackson, zu dem Black für damals ungeheuerliche vier Millionen Dollar das Buch beisteuerte, floppten fürchterlich an den Kinokassen. Black verschwand postwendend in der Versenkung – und trank dort mehr, als ihm gut tat. Jetzt ist er zurück, sitzt auf dem Regiestuhl eines der erfolgreichsten Kinofranchises der vergangenen vierzig Jahre und hat natürlich auch am Iron-Man-Script mitgeschrieben; Robert Downey Jr., der ein ähnliches Tal wie Black durchschritten hat und der mit Black 2005 den kleinen Noir-Hit „Kiss Kiss Bang Bang” drehte, soll ihn empfohlen haben. Der kleine Junge in „Iron Man 3“, Harley, könnte der kleine Bruder von Danny Madigan aus dem Last Action Hero sein und manche Dialogzeilen umweht der Hauch von Mel Gibson und Danny Glover bei ihrem Einsatz auf den Straßen des Brennpunkt L.A. Dazu passen die Schlusstitel, die gebaut sind, als wären wir wieder in den 1980er Jahren.

Ein Superhelden-Universum fürs Sommer-Kino

Die Durchnumerierung der Filmtitel ist hier Konzept und den Comicvorlagen entliehen. Von Anfang an war klar, dass da eine Serie entstehen sollte – und mehr, als nur eine Serie. Der Marvel-Verlag probiert mit seinen Superhelden im Kino, was er erfolgreich seit Jahrzehnten an der Comicfront praktiziert: Er etabliert mehrere Kinofiguren rund um ein alle paar Jahre stattfindendes Main-Event herum – neben Iron Man gibt es Abenteuer-Action-Filme mit ThorHulk oder Captain America – und dann gibt es eben den Sammelruf derAvengers, in denen alle miteinander auftreten. Die Phase I ist nach Angaben des Marvel-Verlages seit dem ersten Avengers-Film im Frühjahr 2012 abgeschlossen, „Iron Man 3“ läutet demnach Phase II der Superhelden-im-Kino-Serie ein. Später soll noch Ant-Man eine eigene Filmreihe bekommen, in der Originalvorlage der 1960er-Comicwelt Gründungsmitglied der Superheldengruppierung The Avengers (zu deutsch: „Die ruhmreichen Rächer”).

Der Disney-Konzern, der den Marvel-Verlag vor einigen Jahren übernommen hat, hat im Herbst 2012 auch Lucasfilm und damit die Rechte an Star Wars gekauft. Dort plant der Disney-Konzern eine ähnliche Verfilmungsstrategie. Einen Hauptstrang, der den Krieg der Sterne weiter erzählt und jede Menge Nebengeschichten rund um Figuren aus dem Franchise.

Ein Hauch von Abschied

Auch wenn „Iron Man 3“ nicht so düster geraten ist, wie seine Plakatserie vermuten lässt, so ist es doch ein Iron Man des Abschieds. Diese Figur, die wir aus diesen drei Filmen kennen, geht, sein Namensvetter wird in der Fortsetzung des Ensemble-Hits The Avengers wieder auftauchen und danach … wer weiß? Macht Robert Downey Jr. noch mal weiter? Eigentlich eine Frage zweiten Ranges. Auch in den Comicreihen gehen Erzählungen zu Ende. Es kommen neue Autoren, neue Zeichner – und mit neuen Zeichnern verändert sich auch das Gesicht Tony Starks. Solange die Superhelden beim Sommerkino-Publikum ankommen, wird es Regisseure und Schauspieler geben, die die Reihe fortführen.

Wertung: 4 von 6 €uro