Kinoplakat: Inherent Vice – Natürliche Mängel
Große Schauspieler,
groteske Verwicklungen
Titel Inherent Vice – Natürliche Mängel
(Inherent Vice)
Drehbuch Paul Thomas Anderson
nach einem Buch von Thomas Pynchon
Regie Paul Thomas Anderson, USA 2014
Darsteller

Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Reese Witherspoon, Katherine Waterston, Benicio del Toro, Jena Malone, Joanna Newsom, Jeannie Berlin, Maya Rudolph, Michael K. Williams, Michelle Sinclair, Eric Roberts, Martin Short, Jordan Christian Hearn, Taylor Bonin, Serena Scott Thomas, Hong Chau, Shannon Collis, Christopher Allen Nelson u.a.

Genre Komödie, Crime
Filmlänge 148 Minuten
Deutschlandstart
12. Februar 2015
Website inherentvicemovie.com
Inhalt

Der Privatdetektiv und Drogenliebhaber Larry „Doc“ Sportello staunt nicht schlecht, als seine Ex-Freundin Shasta eines Abends bei ihm auf der Matte steht. Sie erzählt ihm von ihrer Affäre mit dem Milliardär Mickey Wolfmann sowie dem Plan von dessen Frau Sloane und deren Liebhaber, den reichen Bauherrn zu entführen und in eine psychiatrische Anstalt zu stecken.

Doc soll der verliebten Shasta nun helfen, dieses Vorhaben zu verhindern. Doch kaum hat der Ermittler mit seinen Nachforschungen begonnen, verschwindet Mickey auch schon. Während Doc seine Bemühungen zur Aufklärung des Falls verstärkt, bekommt er es mit seinem Ex-Polizeikollegen Christian „Bigfoot“ Bjornsen und mehr und mehr anderen zwielichtigen Gestalten zu tun.

Ein unbeschadetes Entkommen wird für Doc zunehmend unwahrscheinlicher …

Was zu sagen wäre

Ein Klassiker. Ein kleiner, runtergekommener Privatdetektiv bekommt von einer schönen Frau einen augenscheinlich simplen Auftrag – der ihn in Teufels Küche führt. „Inherent Vice“ erzählt viele kleine Geschichten und entfaltet dabei ein Kaleidoskop an unterschiedlichen Figuren, dass es eine wahre Freude ist.

So ein Film ist nicht schick. er ist verworren. Er zwingtbeinen, dabeizubleiben bei all diesen komischen Nebenhandlungen und seltsamen Randfiguren. Er bietet keine leichte Verschwörungsgeschichte, die sich am Ende auflöst. Alles in allem bietet er alles mögliche, aber es wäre eben auch kein Paul-Thomas-Anderson-Film („The Master“ – 2012; „There Will Be Blood“ – 2007; „Punch-Drunk Love“ – 2002; Magnolia – 1999; Boogie Nights – 1997), wenn er einfach ausliefe. Anderson erzählt in langen Sequenzen, hypnotischen Einstellungen geradezu und setzt dabei auf seine Schauspieler.

Joaquin Phoenix (Her – 2013; „Walk the Line“ – 2005; The Village – 2004; Signs – Zeichen – 2002; Gladiator – 2000; „8mm – Acht Millimeter“ – 1999; U-Turn – Kein Weg zurück – 1997; „To Die For“ – 1995) ist grandios; nun gut: Seine Figur trägt den ganzen Film, da sollte ein halbwegs talentierter Schauspieler aufblühen. Phoenix ist mehr als das und er trägt den Film – auch dann, wenn wir Zuschauer zwischenzeitlich den Faden verlieren. Wir können sicher sein, Phoenix hält ihn sicher in der Hand. Kamera, Licht, Setting, Schauspiel – extravagant. Dennch: Der Film kann sein bemühtes Wollen nicht verbergen.

Der Film strahlt zweieinhalb Stunden sauberes Handwerk aus. Aber ich werde die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass Anderson sich mehr für die Form seines Films interessiert hat, weniger für den Inhalt. Die Form ist ganz klar die klassische Privat-Eye-Dramaturgie: „The Big Sleep“ meets The Big Lebowski im Tango mit „Chinatown“. Function follows Form. Ein Film für Liebhaber des kunstvollen Erzählens (bei dem das Erzählte selbst gar nicht ganz so wichtig ist).

Wertung: 5 von 8 €uro