Kinoplakat: Inglourious Basterds
Tarantino suhlt sich in
seinem blutigen Ruhm
Titel Inglourious Basterds
(Inglourious Basterds)
Drehbuch Quentin Tarantino
Regie Quentin Tarantino, USa 2009
Darsteller Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Eli Roth, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B.J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Denis Menochet, Sylvester Groth u.a.
Genre Krieg, Abenteuer
Filmlänge 153 Minuten
Deutschlandstart
20. August 2009
Inhalt

Kinoplakat: Inglourious BasterdsLt. Aldo Raine befehligt einen Trupp jüdischer Soldaten, „Bastards” genannt, die hinter feindlichen Linien auf französischem Boden Angst und Schrecken unter deutschen Soldaten verbreiten.

„Angst und Schrecken verbeiten” heißt nicht, möglichst viele deutsche Soldaten zu töten. „Angst und Schrecken verbreiten” heißt, deutsche Soldaten brutal hinzumetzeln. Dazu werden Schädel mit Baseballschlägern eingeschlagen, Hakenkreuze in die Stirn geschnitzt und andere Lustbarkeiten veranstaltet, die bis in des entsetzten Führers Ohr dringen.

Unter britischem Kommando lassen sie sich für ein Himmelfahrtskommando einspannen, führende Nazis bei einer Filmpremiere in einem Pariser Kino zu töten. Die Betreiberin des Kinos, die junge Jüdin Shosanna Dreyfuss, hat eigene Pläne für den Abend: Vor Jahren ist sie eher zufällig verschont worden, als der als „Judenjäger” berüchtigte Oberst Hans Landa ihre Familie massakrierte.

Jetzt will sie Rache …

Was zu sagen wäre

Tarantinos Bejubelt-werden-müssen-Zeit ist vorerst vorbei. Das Überraschungs-Ei der Filmbranche ist immer gut für the big thing. Aber dieser Film hier ist es nicht.

Tarantinos berühmte Dialoge sind hier Bremser

Es reicht nicht, irgendeinen B-Schinken aus den 70er Jahren zu kopieren, die Bilder brutaler zu gestalten und dann die berühmten Tarantion-Dialoge einzubauen. Das ging bei Pulp Fiction (1994), das ging auch noch bei Kill Bill (2003). Beide Filme hatten starke Charaktere, eine eigene, in sich geschlossene Storyline. Und zeitlose Dialoge. Der berühmte Cheeseburger-Royal-Dialog von Travolta und Jackson in Pulp Fiction ist auch in 20 Jahren noch gut. Die Dialoge, die sich die Basterds mit den Nazis und untereinander liefern, sind 40er-Jahre-Themen – alles andere als zeitlos. Und damit Bremser.

Kinoplakat: Inglourious BasterdsEs ist richtig, dass Christoph Waltz jede Ehrenbezeugung für seinen Oberst Landa zu Recht erhält. Aber Tarantino hat sich in Waltz‘ Können verliebt: Anstatt ihn zu bremsen, schreibt er und dirigiert er Landas Monolog zu Beginn des Films gefühlte fünf Minuten zu lang. Dasselbe gilt für einen länglichen Austausch geschliffener Wortkaskaden in einer Kellerkneipe. Beide sind schön anzuschauen und -zuhören. Aber beide sagen nichts aus und stehlen die Zeit.

Deutsche Schauspieler abseits deutscher TV-Serien

Apropos schön anzuschauen: Es ist nicht so, dass der Film nicht unterhält. Neben den beklagten Ausfällen sind die Dialoge gewohnt witzig, geschliffen und komisch. Auch ist es die helle Freude, die erste Sahne der deutschen Schauspieler mal außerhalb deutscher Fernsehspiel-Regie unter hochprofessioneller Leitung beim Spiel zuzugucken: Christoph Waltz ist brillant, August Diehl fantastisch und selbst Til Schweiger kann seiner Kunst, mit nur einem Gesichtsausdruck Karriere gemacht zu haben, neue Qualitäten hinzufügen. Aber reicht all das für einen ganzen Film?

Dass „Inglourious Basterds” politisch ebenso unkorrekt ist wie historisch, muss nicht stören. Und dass Adolf Hitler in diesem Kino (!!!) am Ende umkommt, ist auch nicht verkehrt. Aber muss sein Kopf zu Brei geschossen werden? Muss irgend jemandes Kopf heutzutage zu Brei geschossen/geschlagen werden, um noch Aufmerksamkeit auf der Leinwand zu erzielen? Hier passiert das mehrfach. Tarantino setzt auf zu viel Effekt und auf zu wenig Story.

Auf einen Spannungsbogen hat er gleich ganz verzichtet.

Wertung: 4 von 7 €uro