Kinoplakat: In a world
Bemüht europäisch – und prompt
vergessen, die Story zu erzählen
Titel In a World – Die Macht der Stimme
(In a World)
Drehbuch Lake Bell
Regie Lake Bell, UA 2013
Darsteller

Lake Bell, Rob Corddry, Alexandra Holden, Eva Longoria, Ken Marino, Demetri Martin, Fred Melamed, Tig Notaro, Nick Offerman, Michaela Watkins, Geena Davis, Stephanie Allynne, Melissa Disney, Olya Milova, Corsica Wilson u.a.

Genre Drama, Komödie
Filmlänge 93 Minuten
Inhalt

Die Stimmentrainerin Carol strebt eine Karriere als Voice-Over-Star an, doch Frauen haben es in diesem von Männern umkämpften Feld nicht gerade leicht. Daran wird sie auch regelmäßig von ihrem Vater Sam, dem König der Voice-Over-Stimmen in Kino-Trailern, erinnert. Doch sie lässt sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Allerdings scheint der Status ihres äußerst angesehenen und erfolgreichen Vaters in weiter Ferne und unerreichbar für sie zu sein. Sie wagt es dennoch und stellt sich der überwiegend männlichen Konkurrenz, um sich Gehör zu verschaffen – hier im Sinne des Wortes. Vor allem der Voice-Over-Star Gustav hat es auf sie abgesehen und schikaniert sie. Umgeben vom starken Geschlecht nimmt sie den Kampf gegen Stolz, Sexismus und familiäre Probleme auf.

Hat sie mit ihrer Stimme das Zeug, eine neue Generation zu prägen ..?

Was zu sagen wäre

Der Film hatte seine Premiere am 20. Januar 2013 auf dem Sundance Film Festival, und würde es nicht so von oben herab klingen, würde ich sagen: „Den Festival-Charakter merkt man ihm an!“ Für Robert Redfords Sundance-Festival, die Big-Party des Independence Films, für diese Party des Kinos mit europäischer Erzähltechnik auf amerikanischem Terrain ist „In a World“ wie gebacken: Emanzipiert, modern unbündig erzählt, eine dem Titel entsprechende fremde „World“ (die der Synchronkünstler) und charmant irgendwie französisch erzählt, was sich über wechselnde Liebhaber, oder wenigstens über eingebildete Liebhaber ausdrückt. Das sorgt dann für fünf Minuten Problem-hab-bewusstsein, dann gibt es einen Witz und das Problem löst sich wieder auf. Dannn geht es weiter mit der Suche Carols nach dem Durchbruch, der sowohl den Durchbruch beim anderen Geschlecht beinhaltet als auch den beruflich aus dem Schatten des Vaters heraus.

Und all dem schauen wir zu – irgendwie sympathisierend mit Lake Bell, die offenbar sehr an dieser Story hängt, wenn sie das Buch, die Regie und die Hauptrolle liefert – und warten darauf, dass was passiert. Aber es passiert nichts. Schaue ich mir den Film mit der orginal englischen Tonspur an, dann freilich läuft mir wenigstens ein ununterbrochener Schauer über den Rücken, weil da die Menschen hinter den bombastischen Stimmen der amerikanischen Profi-Kinoindustrie sichtbar und vor allem hörbar werden (das ist, wie soll ich sagen, ohne Worte). Aber sonst passiert nichts.

Ich habe den Eindruck, dass Lake Bell aus dem Synchron-Sprecher-Alltag, dem Leben der Voice-Over-Legenden, Funken schlagen wollte und dafür Versatzstücke für eine Step-for-Step-Filmdramaturgie hergenommen hat, die man in Drehbuchkursen beigebracht bekommt – als Muster für die Pole, die ein Drehbuch braucht. Hier ist das – eingerahmt von einer Konkurrenzkampf-Story, die jedes TV-Movie heute ähnlich spannend hinbekommt – ein beruflich erschlagend erfolgreicher Daddy mit der blutjungen Geliebten, eine attraktive Hauptdarstellerin, die über ihre eigenen Füße stolpert und von Anfang an (anders als alle Zuschauer) nicht mitbekommt, dass der unscheinbare Tonstudio-Regisseur mit der großen Nase auf sie steht, die Schwester der Hauptdarstellerin mit unglaublich nettem Ehemann, dessen Qualität sie zunächst nicht erkennt und der neidische Nebenbuhler um die beste Stimme des Universums, der aber außer einem öligen Fitnessstudi-Body und einer - wie gesagt auf der Originaltonspur in der Tat - unglaublichen Stimme nur 08/15-Bosheiten zu bieten hat. Das ist alles so(!) charmant(!) und wirkt im Werbetrailer so au-ja-da-freue-ich-mich-tootaaal-drauf – aber es ist dann so furchtbar(!) hausbacken! Es gab vor kurzem einen französischen Film mit Sophie Marceau mit dem Titel „Und nebenbei das große Glück“ (2012), der war von der Struktur her ähnlich, wie dieser hier: einfach, lebensbejahend und mit einem Schuss süßlicher Dramatik. Da waren Sophie Marceau, die charmanten Untiefen romantischer Anfangsgefühle und das savoir vivre die Hingucker.

In „In a World“, der so an diese französische Leichtigkeit anknüpfen möchte, ohne sie je zu erreichen, ist die Welt der Voice-over-Meister (na gut: und Lake Bell) der Hingucker. Aber sonst erzählt der Film einfach keine spannende Geschichte.

Wertung: 3 von 7 €uro