Kinoplakat: Im Auftrag des Teufels
Al Pacino wurde für
diese Rolle gezeugt
Titel Im Auftrag des Teufels
(The Devil's Advocate)
Drehbuch Jonathan Lemkin + Tony Gilroy
nach dem Roman von Andrew Neiderman
Regie Taylor Hackford, USA 1997
Darsteller Keanu Reeves, Al Pacino, Charlize Theron, Jeffrey Jones, Judith Ivey, Connie Nielsen, Craig T. Nelson, Tamara Tunie, Ruben Santiago-Hudson, Debra Monk, Vyto Ruginis, Laura Harrington, Pamela Gray, George Wyner, Chris Bauer u.a.
Genre Thriller, Mystery
Filmlänge 144 Minuten
Deutschlandstart
22. Januar 1998
Inhalt

Seine Mutter warnt ihn davor, sein beschauliches Heimatstädtchen in Florida gegen New York einzutauschen. „Geh' nicht nach Babylon“, sagt sie. „Du weißt, wie das geendet hat.“ Aber Kevin Lomax, junger Anwalt, der noch keinen Prozess verloren hat, glaubt an sich und an das Ziel seiner ergeizigen Träume. Und so wird er in die New Yorker Kanzlei des renommierten Justiz-Stars John Milton aufgenommen.

Lomax steigt schnell auf. Die Ehe mit Mary Ann bekommt erste Risse. Sie will ein Kind, er bekommt immer neue Fälle, immer amoralischer die Sachlage, immer einflussreicher die Klienten. Mary Ann fängt an, ihm gegenüber Dämonenfratzen zu erwähnen, die sie und ihn umgeben. Er glaubt ihr nicht. Sie braucht Hilfe. Milton, sein Chef, sagt, „sie braucht Dich. Jeder versteht, wenn Du eine Auszeit nimmst“. Aber Kevin nimmt keine Auszeit, weist sie, als sie sich offenbar selbst zu verstümmeln versucht, statt dessen in eine Klinik ein; sie schreit, „es ist Milton!“

Kevin glaubt ihr nicht. Das ist ein Fehler. Und der hat Folgen …

Was zu sagen wäre

In Taylor Hackfords elegant fotografiertem Thriller ist New York strahlend schöner Sündenpfuhl, bevölkert von Dämonen in Maßanzügen und Designfummeln, die sich schon im Fahrstuhl an die Wäsche gehen. Das Babylon des 21. Jahrhunderts. Verführerisch – wenn man's mag …

Alles ist vom Feinsten: Ausstattung, Kamera, Schauspieler. Am Höhepunkt, den Keanu Reeves und Charlize Theron bestreiten, verkrallen sich die Finger im Sessel; man möchte schreien, Lomax solle doch mal hinhören. Aber es wäre kein dämonisch guter Thriller, würde der junge Anwalt tatsächlich hören. Darum geht es ja gerade: Der moderne Anwalt hat nicht die Aufgabe hinzuhören und hinzusehen. Er hat die Aufgabe, seinen Klienten rauszuboxen; um jeden Preis. Das ist einerseits ein langsam etwas piefig wirkendes Bild, nachdem Anwälte im Hollywoodkino immer die ebenso elegante wie skrupellose Schurkenrolle inne haben – vielleicht, weil ohne Anwälte hinter der Kamera in Hollywood schon lange nichts mehr geht – aber andererseits nur folgerichtig auf die Spitze getrieben: Wer anders, als der Teufel selbst, sollte heute noch den Anwalt geben?

Und damit sind wir beim Oberanwalt des Films: Al Pacino (City Hall – 1996; Heat – 1995; „Carlito's Way“ – 1993; Der Duft der Frauen – 1992; „Scarface“ – 1983; Hundstage – 1975; Der Pate – 1972). Der ist für diese Rolle einst gezeugt worden. Wenn er zum großen Schlussplädoyer gegen Gott anhebt, hat er uns längst in seinen Klauen. Wir sitzen einfach da, hören seine Worte. Und nicken. Keanu Reeves (Vernetzt – 1995; Speed – 1994) – Kevin – nickt ja auch. Und wer will schon Gutmensch sein in einer Welt, die der Teufel beherrscht. „Das 21. Jahrhundert ist mein Jahrhundert!“, lockt John Milton seinen jungen Adlatus, als der ihm auf die Schliche kommt.

Ein ebenso zeitloser wie zynischer Kommentar zum Leben hier und heute – in dem Charlize Theron als Lomax’ Frau (That Thing You Do! – 1996; 2 Tage in L.A. – 1996) einen der traurigsten Filmtode stirbt, den ich im Kino bislang gesehen habe.

Wertung: 5 von 6 €uro