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Plakatmotiv: Liebling, ich werde jünger (1952)
Liebenswert und ein
bisschen chaotisch
Titel Liebling, ich werde jünger
(Monkey Business)
Drehbuch Ben Hecht + Charles Lederer + I.A.L. Diamond + Harry Segall
Regie Howard Hawks, USA 1952
Darsteller Cary Grant, Ginger Rogers, Charles Coburn, Marilyn Monroe, Hugh Marlowe, Henri Letondal, Robert Cornthwaite, Larry Keating, Douglas Spencer, Esther Dale, George Winslow u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
17. April 1953
Inhalt

Der verheiratete Chemiker Dr. Barnabas Fulton arbeitet an einem Mittel, welches jünger machen soll. Bis jetzt hat noch keine von ihm gemixte Tinktur den gewünschten Erfolg erzielt, sodass er in jeder Minute an dem letzten, erfolgversprechenden Schritt tüftelt. Zuhause kommt ihm beim Essen einer zu heißen Suppe die Idee, das Mittel zu erhitzen.

Tags drauf wird Dr. Fulton zu seinem Chef Mr. Oliver Oxley gerufen, der sehr erpicht darauf ist, endlich eine Rezeptur für ein Verjüngungsmittel von Dr. Fulton zu erhalten. Er hat, bis auf die Rezeptur, sogar schon einen Namen und ein Werbeplakat. Dr. Fulton eröffnet Mr. Oxley, dass er eine neue Idee hat, dem Präparat die erwünschte Wirkung zu verschaffen. Während Fulton nicht im Labor ist, entwischt Rudolf, einer der Versuchs-Schimpansen, aus seinem Käfig, setzt sich an Dr. Fultons Platz und mischt wahllos Tinkturen aus herumstehenden Flaschen. Anschließend versteckt er die Lösung im Wasserspender, welcher gerade eine neue Flasche erhält. So vermischt sich das Wasser mit der von dem Schimpansen gemischten Lösung.

Plakatmotiv (US): Monkey Business – Liebling, ich werde jünger (1952)Dr. Fulton hatte zuvor eine neue Formel ausprobiert und deren Ergebnis dann erhitzt. Jetzt probiert er die Lösung aus und weil sie so bitter schmeckt, spült er mit einem ordentlichen Schluck aus dem frisch aufgefüllten Wasserspender nach. Einen seiner Angestellten bitte er, bei Veränderungen genau Buch zu führen, was rasch eintritt. Dr. Fulton fühlt sich schwindelig, und nach einer kurzen Weile benötigt er seine starke Brille nicht mehr und sein Rheumatismus ist ebenfalls verschwunden. Er fühlt sich nun „wie ein 20-Jähriger“. Nach einem Friseurbesuch, einem Anzug- und Autokauf entführt er sogleich die junge, attraktive Sekretärin von Mr. Oxley und macht eine ausgedehnte und draufgängerische Spazierfahrt, bis er schließlich wieder beim Labor ankommt und die Wirkung nachlässt. Seine Augen werden wieder schlechter und er wird müde.

Zurück im Labor legt er sich im Büro auf seine Couch und schläft. Währenddessen kommt seine aufgeregte Frau ins Labor, da er den ganzen Tag unterwegs und unauffindbar war. Sie weckt ihn und macht ihn auf sein neues Aussehen aufmerksam, welches er sich in seinem jugendlichen Rausch anlegte. Auch auf den Lippenstift im Gesicht von Miss Laurel, Mr. Oxleys Sekretärin, macht sie ihn aufmerksam. Aus Trotz auf seinen Ausflug und die Schmeichelei der Sekretärin nimmt sie ebenfalls die Lösung und trinkt danach das mit der Lösung vermischte Wasser. So verjüngt sie sich ebenfalls und plant mit Mr. Fulton eine Reise in ein entferntes Hotel, in welchem das Paar die Hochzeitsnacht verbrachte. Sie möchte dort die ganze Nacht tanzen, was Mr. Fulton überanstrengt.

Am nächsten Tag, beide sind wieder nüchtern und haben einen hässlichen Streit überwunden, fahren sie ins Labor und machen sich erst einmal einen Kaffee – mit dem Wasser aus dem Wasserspender. Gleichzeitig initiiert Mr. Oxley eine Aufsichtsratversammlung und möchte die genaue Zusammensetzung von Mr. Fulton wissen, welcher nun, nach einer ordenlitchen Portion Kaffee, auf dem intellektuellen Stand eines kleinen Jungen ist …

Was zu sagen wäre

So kalt und schwarz Howard Hawks seine Krimis erzählt, so chaotisch erzählt er seine Komödien. Der gute alte Traum vom Jungbrunnen gerät ihm zur Komödie, deren folgendes Chaos er dann einigermaßen bändigt. Er hat in Cary Grant und Ginger Rogers dafür aber auch die richtigen Hauptdarsteller. Grant, der ganz großartig ist in seiner Grantness (Ich war eine männliche Kriegsbraut – 1949; Berüchtigt – 1946; „Arsen und Spitzenhäubchen“ – 1944; Verdacht – 1941; Die Nacht vor der Hochzeit – 1940; Sein Mädchen für besondere Fälle – 1940; „Die Schwester der Braut“ – 1938), kann hier seine Akrobatik beim ausgelassenen Rollschuhlauf ausspielen, die er sich zu Beginn seiner Karriere in einer durch England tourenden Komödiantentruppe antrainiert hat. Äußerlich, mit dicker Brille ausstaffiert, wirkt er wie ein naher Verwandter des Dr. David Huxley, den er vor 13 Jahren in Leoparden küsst man nicht gespielt hat – zumindest, bis er das Serum nimmt und die Brille nicht mehr braucht; in den Szenen als Teenager und als Indianer-spielender Junge ist er nur ein unglaublich gut aussehender Teenager oder Indianer-spielender Junge. Wunderbar! Dass er nicht in ähnliches Chaos stürzt, wie in Bringing Up Baby, liegt daran, dass hier Ginger Rogers seine Partnerin ist. Die vor allem an der Seite von Tanz-Ass Fred Astaire bekannt gewordene, ähnlich wie Grant akrobatisch Vorgebildete, spielt hier souverän die Bändigerin eines genialen Wissenschaftlers, der für das normale Leben nicht geeignet erscheint. Rogers spielt die liebende Ehefrau, die die Realitäten nimmt wie sie sind und nur die glücklichen Momente als Ehefrau zählt – sie hat sich für einen abendlichen Empfang ein teures Kleid gekauft und ihr Mann macht das Date zunichte, weil er wieder im Labor hängen geblieben ist? Na und? Dafür gibt es andere Momente in ihrem Leben, etwa, wenn sie sich mit ihm wie einst Laurel & Hardy mit Wandfarbe und Pinsel gegenseitig anmalen dürfen. Ist das Eheleben nicht auch ohne Cocktail-Empfang wunderbar?

Plakatmotiv (US): Monkey Business – Liebling, ich werde jünger (1952)Der eskalierende Witz ist umgekehrt proportional zur Verblödung nicht nur der Testpersonen, der einzige Ausweg die Anarchie. Wahrhaft gnadenlos komisch und meisterlich interpretiert von allen Beteiligten. Ginger Rogers ist bewundernswert in ihrer charmanten Duldung des abwesenden Ehemanns – aber darin auch eine klassische Hawks-Frau. Frauen, die Howard Hawks akzeptiert, sind Frauen, die sich benehmen wie ein Mann – pragmatisch beinah bis zur Gefühllosigkeit; aber zum Heulen geht man(n) dann ggf. besser in den Keller. So ist diese Gattin Edwina angelegt und ist damit für alle Jungs im Kinosessel der Fleisch gewordene Traum einer Ehefrau. Für alles davor, also alles vor einer Ehe mit Kindern, Haus, Schulden und dem ganzen Kram, den in einem Howard-Hawks-Film ohnehin nur die Zuschauer kennen, setzt er Marilyn Monroe als Sekretärin ein (Alles über Eva – 1950; „Asphalt Dschungel“ – 1950), und zwar – ganz ungeniert – als eine Sekretärin, die sich selbst Schwächen in der Ortographie attestiert. „Sie ist noch ein halbes Kind“, sagt Dr. Fulton. „Aber nicht in der Hälfte, die man sehen kann!“, entgegnet dessen Frau. Und der dicke alte Chef der Firma, Mr. Oxley – Charles Coburn in einer wunderbaren Variation der typischen Charles-Coburn-Rolle mit Monokel und Zigarre – erklärt schulterzuckend, es gebe dioch genügend Leute in der Firma, die schreben könnten.

Hawks agiert auf seinem Regiestuhl unauffällig wie immer („Das Ding aus einer anderen Welt“ – 1951; Ich war eine männliche Kriegsbraut – 1949; Tote schlafen fest – 1946; Haben und Nichthaben – 1944; Sein Mädchen für besondere Fälle – 1940; Leoparden küsst man nicht – 1938; „Scarface – Narbengesicht“ – 1932). Er hält seine Kameras auf Augenhöhe, zeigt, wie die von ihm instruierten Schauspieler spielen, was im Drehbuch steht und verweigert sich allen Sperenzchen, die in seinem Fach so modern geworden sind. Suspense wie Hitchcock? Braucht er nicht. Seine drehbücher sind ausgefeilt genug, um Spannung zu erzeugen – und sei es durch das Chaos, das er inszeniert.

Wertung: 4 von 6 D-Mark
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