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Plakatmotiv: Blondinen bevorzugt (1953)
Ein ganz feuchter Männertraum.
Eine bittere Gesellschafts-Satire.
Titel Blondinen bevorzugt
(Gentlemen prefer Blondes)
Drehbuch Charles Lederer
nach dem gleichnamigen Musical von Jule Styne nach dem gleichnamigen Roman von Anita Loos
Regie Howard Hawks, USA 1953
Darsteller Jane Russell, Marilyn Monroe, Charles Coburn, Elliott Reid, Tommy Noonan, George Winslow, Marcel Dalio, Taylor Holmes, Norma Varden, Howard Wendell, Steven Geray u.a.
Genre Komödie, Musical
Filmlänge 91 Minuten
Deutschlandstart
7. April 1954
Inhalt

Dorothy und Lorelei sind zwei attraktive Showgirls; die eine brünett, die andere blond. Dorothy, brünett, macht sich nicht viel aus Geld, Lorelei, blond, sieht ihr Leben realistischer, materialistisch. Die beiden reisen mit dem Schiff nach Europa, wo Lorelei den reichen Gus heiraten will. Der Vater von Gus hat sie im Verdacht, es nur auf das Geld seines Sohnes abgesehen zu haben und lässt sie auf dem Ozeandampfer von Ernie Malone observieren. Der wiederum verliebt sich in Dorothy, die auch nicht abgeneigt ist.

Plakatmotiv: Blondinen bevorzugt (1953)Lorelei macht gleichzeitig die Bekanntschaft von Sir Francis Beekman, einem alten, dicken Besitzer einer afrikanischen Diamantenmine. Nachdem Malone sie und Beekman in einer verfänglichen Situation fotografiert hat, setzen Lorelei und Dorothy Malone mit einem starken Drink, vermischt mit Schlafmittel, außer Gefecht und luchsen ihm die Fotos wieder ab. Lorelei stellt die Geschichte mit den Fotos Beekman gegenüber so dar, als habe Malone ihn selbst damit kompromittieren wollen. Zum Dank schenkt Beekman ihr das Diadem seiner Frau. Später nimmt er es jedoch ohne Loreleis Wissen wieder an sich.

In Paris angekommen, stellen Dorothy und Lorelei fest, dass Gus' Vater ihnen sämtliche Geldbriefe gesperrt hat, nachdem Malone ihm Einzelheiten von Loreleis Verhalten auf dem Schiff berichtet hatte. Und so müssen die beiden ihren Lebensunterhalt wieder als Showgirls verdienen. Hinzu kommt, dass Lorelei wegen des Diadems vor Gericht muss. Beekmans Ehefrau glaubt natürlich nicht, dass ihr gatte das Diadem verschenkt habe, vielmehr muss es von Lorelei gestohlen worden sein …

Was zu sagen wäre

Augenscheinlich eine Komödie: Die drallen Pin-Up-Girls Jane Russell und Marilyn Monroe wickeln sich Männer nach Laune um den kleinen Finger. Ohrenscheinlich ein Musical: Beide singen manchen Gassenhauer, darunter das legendäre „Diamonds are a Girls best friend“. Und alles sehr schick, sehr Technicolor.

Aber Howard Hawks' Swimmingpool-feuchter Männertraum, ganz im realitätsfreien Raum angesiedelt, ist bitterböse Satire, plakatiert Sexismus und schlägt Funken aus dem Wir (Männer) hier oben, ihr (Frauen) da unten. Hinter allem Klamauk, der diesen Film so unwiderstehlich macht, thematisiert er eine sehr bittere Realität: Frauen sind angewiesen auf potente Männer – potent eher im Geldbeutel denn in der Hose, was sich dann in Typen wie dem wunderbaren Schauspieler Charles Coburn manifestiert (Liebling, ich werde jünger – 1952), der Sir Francis 'Piggy' Beekman spielt – , was uns in eine Gesellschaft führt, die Hawks mit den Extremweibchen Marilyn Monroe („Wunderbar, dass man auf dem Kopf auch Diamanten tragen kann!“) und Jane Russell und ein paar Durchschnittstypen – naive Softies mit Millionenbudget, einfache Detektivtypen und eine ganze Olympiamannschaft voller Testosteron – befüllt: Männer machen sich zum Affen, um Frauen zu bekommen, die der Intelligenz den Zutritt verweigern.

Plakatmotiv: Blondinen bevorzugt (1953)Deswegen dann auch „Diamonds are a Girl's best friend!“, der Song, in dem es klug beobachtet heißt: „Men grow Cold, as Girls grow old. And we all lose our chances in the end.“ Kurz: Die menschliche Liebesbeziehung ist eine Chimäre, die man sich am klügsten in Diamanten/Geld aufwiegen lässt. Oder, wie die blonde Lorelei lebensweise erklärt: „Wissen Sie denn nicht, dass ein reicher Mann und ein hübsches Mädchen vieles gemeinsam haben? Gewöhnlich heiratet man ein Mädchen nicht nur, weil es hübsch ist. Aber man würde es doch als sehr angenehm empfinden. Und wenn Sie eine Tochter hätten. Wäre es Ihnen dann nicht viel lieber, wenn sie einen reichen Mann heiratet? Sie wünschten Ihr doch bestimmt ein Leben ohne Sorgen, und dass sie viele kostbare Dinge besitzt. Und warum nehmen Sie mir übel, wenn ich das auch will?“ Da entwaffnet die Blondine in Hawks' Comic-Universum mal kurz die herrschende Manneskraft. „Man hat mir doch erzählt, Sie sollen dumm sein. Wie ich sehe, haben sie sogar Verstand!“ „Ja, aber nur, wenn es brenzlig ist, benutze ich ihn. Die meisten Männer mögen es nicht.“ Was muss man da noch sagen – als Mann, als Frau, als Filmbeobachter?

Jane Russell gibt die Antithese zur Monroe, nicht nur ihrer schwarzen Haare wegen; sie wirft sich auch gleich dem schwindeligen Ernie Malone an den Hals – und der halben Olympiamannschaft, was die pragmatische Lorelei zu der Frage veranlasst: „Hast Du schon mal einen reichen 100-Meter-Läufer gesehen?“ Dorothy und Ernie können die harten Film-Noir-Szenen nachspielen, die Hawks ebenso liebt wie seine Komödien (Liebling, ich werde jünger – 1952; „Das Ding aus einer anderen Welt“ – 1951; Ich war eine männliche Kriegsbraut – 1949; Tote schlafen fest – 1946; Haben und Nichthaben – 1944; Sein Mädchen für besondere Fälle – 1940; Leoparden küsst man nicht – 1938). Außerdem beweist Russell, dass sie neben ihrer eigenen Rolle eine adäquate Monroe abgibt. Die Monroe ist dabei so strahlend blond und großäugig, dass ich keinen Zugang zu ihr finde; sie bleibt ein künstlicher Irrealis, als würde sie im Dunkeln leuchten, und ihre Darstellung der Blondine mit dem Unschuldsgesicht, deren Augen sich bei Diamanten weit öffnen und beim Küssen schließen, bringt einen nicht nur zum Lachen, sondern auch ganz schön zum Schwitzen: „Nur Männer wie Du haben mich zu dem gemacht, was ich bin. Und wenn Du mich auch nur eine Spur liebtest, würde es Dir leid tun, dass ich so Schreckliches durchmachen musste. Stattdessen wirfst Du es mir auch noch vor.“ Man kann aus dieser tolldreisten Tingeltangel-Show kommen und sich den rest des Tages mal mit der eigenen Sicht auf das Leben insgesamt und im Besonderen auseinandersetzen.

In Lady Beeckman gibt es ein Wiedersehen mit Norma Varden, unvergessen durch ihren Casablanca-Auftritt: „Oh Darling, what watch?“ „Ten watch.“ „Oh, such much?!?“

Wertung: 5 von 6 D-Mark
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