Kinoplakat: High Fidelity
Verflucht gut – Unter
den Top-Five weit oben
Titel High Fidelity
(High Fidelity)
Drehbuch D. V. De Vincentis + Steve Pink + John Cusack + Scott Rosenberg
nach dem gleichnamigen Roman von Nick Hornby
Regie Stephen Frears, UK, USA 2000
Darsteller John Cusack, Jack Black, Lisa Bonet, Catherine Zeta-Jones, Joelle Carter, Sara Gilbert, Iben Hjejle, Todd Louiso, Lili Taylor, Natasha Gregson Wagner u.a.
Genre Comedy
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
13. Juli 2000
Inhalt

Kinoplakat: High FidelityDarf man mit Leuten befreundet sein, deren Plattensammlung in der Hauptsache aus Stevie-Wonder-Alben besteht? Warum wollen pubertierende Jungs stundenlang grapschen und Mädchen nur Händchen halten? Und warum tragen Frauen nur beim ersten Date schöne Unterwäsche? Das sind einige Fragen, die dem frisch gebackenen Single Rob, Besitzer des Plattenladens Championship Vinyl, neuerdings durch den Kopf gehen.

Zugegeben, nachdem ihn Laura verlassen hat, findet er es zunächst toll, die Wohnung wieder für sich alleine zu haben. Endlich ist Zeit, um die Plattensammlung neu zu sortieren. Aber wo er schon ins sortieren kommt, fängt er an, sein Leben mal durchzusortieren. So resümiert er etwa seine „Top Five in die Brüche gegangener Beziehungen”, (Alison Ashmore, Penny Hardwick, Jacky Alden, Charlie Nicholson, Sarah Kendrew). Laura, die wohlsituierte Rechtsanwältin hat doch in diesem Quintett keinen Platz. Pfff …

Während seines Rückblickes sieht man ihn bei der nahezu beiläufigen Bewältigung seines von ihm anscheinend wenig geliebten Alltags. Er besucht wie üblich seinen Plattenladen und wohnt den ewigen Eskapaden seiner beiden Kumpane und Angestellten Dick und Barry bei. Während es sich bei Dick um einen verschüchterten, stillen Menschen handelt, ist Barry ein selbstgerechter Choleriker. Das Trio verbindet jedoch ihre Fachidiotie hinsichtlich der Musik. Dennoch läuft der Plattenladen schlecht und Rob ist von seinen Lebensumständen und seinem Liebesleben zunehmend genervt.

Einziger Lichtblick ist zunächst die Bekanntschaft mit der Sängerin Marie de Salle. Doch die Freude ist von kurzer Dauer. Rob sieht sich bald gezwungen, sein Leben und seine Liebschaften zu sortieren – kurz gesagt: endlich erwachsen zu werden …

Was zu sagen wäre

Kinoplakat: High FidelityJohn Cusack, der hier eine Galavorstellung gibt, erzählt seine Geschichte bisweilen direkt in die Kamera. Stephen Frears („Grifters” – 1990) inszenierte die charmant-lakonische Komödie „High Fidelity” nach dem Bestseller-Roman von Nick Hornby, verlegt die Handlung allerdings vom swinging London nach Chicago – eine Stadt, die wunderschöne Ecken hat und die Filmemacher erst noch entdecken müssen.

Vier Autoren haben sich an der Umsetzung beteiligt, zuletzt hat auch noch John Cusack (Being John Malkovich – 1999; The Thin Red Line – 1998; Con Air – 1997; „Ein Mann, ein Mord” – 1997) mitgemischt. Da ist es ein (schönes) Wunder, dass das nicht in die Hose gegangen ist. Die Dialoge sitzen, die Handlung fließt von Erzählung zu Erzählung. Das Script steckt voller erlebten Weisheiten. Schön ist, dass Frears über das schönen Script die Bilder nicht vergessen hat; sein Kameramann Seamus McGarvey darf sich in Schönheit austoben. Die einzelnen Episoden wirken, so unterschiedlich sie und die darin vorkommenden Frauen sind, wie aus einem Guss.

Wunderbar eine Szene, in der ein Kunde im Plattenladen eine LP von Elton John kaufen möchte und an die Musik-Nerds Dick und Barry gerät … Nach dem Film habe ich es jedenfalls eine Zeit lang vermieden, in kleine spackige Spezialitätenläden zu gehen.

Ein Film, den man sich nach jeder Trennung ansehen sollte – weil man danach womöglich feststellt, dass die jüngst Verflossene nicht in die Top Ten der interessantesten Menschen Deiner Umgebung gehört. So lindert ein Kinofilm, der saulustig ist, auch noch den Schmerz.

Wertung: 11 von 11 D-Mark