Kinoplakat: Herz aus Stahl
Die Sehnsucht des US-Kinos
nach dem übersichtlichen Krieg
Titel Herz aus Stahl
(Fury)
Drehbuch David Ayer
Regie David Ayer, USA, China, UK 2014
Darsteller

Brad Pitt, Shia LaBeouf, Logan Lerman, Michael Peña, Jon Bernthal, Jim Parrack, Brad William Henke, Kevin Vance, Xavier Samuel, Jason Isaacs, Anamaria Marinca, Alicia von Rittberg, Scott Eastwood, Laurence Spellman, Daniel Betts u.a.

Genre Krieg
Filmlänge 134 Minuten
Deutschlandstart
1. Januar 2015
Inhalt

Die Alliierten starten im Zweiten Weltkrieg ihre finale Offensive gegen Nazi-Deutschland. Ganz vorne dabei ist ein Sherman-Panzer, der von seiner Crew liebevoll „Fury“ getauft wurde. Angeführt wird die fünfköpfige Truppe vom kampferprobten Don „Wardaddy“ Collier, der schon viele Schlachten geschlagen hat und den Krieg daher bestens kennt.

Immer weiter stoßen er und seine Männer ins feindliche Gebiet vor, wo sie sich bald in einer ausweglosen Lage wiederfinden, zahlenmäßig unterlegen und mit schlechteren Waffen ausgestattet als der Gegner. Zudem ist erst kürzlich ein blutiger Anfänger zum Team gestoßen: der junge Norman Ellison.

Doch gegen jede Wahrscheinlichkeit wollen die tapferen Männer ein weiteres Mal überleben und Nazi-Deutschland mitten ins Herz treffen …

Was zu sagen wäre

Ob Brad Pitt gekränkt war, dass sein Ocean's Eleven-Buddy George Clooney die Monuments Men (2014) ohne ihn gemacht hat und wollte Pitt dem dann seine eigene Version eines naiven, altmodischen Helden-Kriegs entgegensetzen? „Der beste Job, den ich je hatte“, raunt Brad Pitt (The Counselor – 2013; World War Z – 2013; Moneyball – 2011; Inglourious Basterds – 2009; Der seltsame Fall des Benjamin Button – 2008; Troja – 2004; Spy Game – 2001; Snatch – Schweine und Diamanten – 2000; Fight Club – 1999; Rendezvous mit Joe Black – 1998) seiner Mannschaft zu, kurz bevor die Übermacht der SS-Schergen zuschlägt; und dann zitiert er noch ein paar Bibelstellen. Da hat es gerade diese Szene gegeben, die in keinem Kriegsfilm fehlen darf, der Helden zeigen will: Der Feind kommt in Übermacht, der Kommandant – „Das ist mein Zuhause!“ – weigert sich, den fahruntüchtig geschossenen Panzer zu verlassen und nach und nach steigen alle Männer mit dem Ausdruck verzweifelten Mutes, und einem Spruch, zurück auf ihren Panzer.

Das ist alles sehr Sixties, wenn natürlich auch viel besser getrickst. Der Neue, der ins Team kommt, Hollywoods Jung-Hoffnung Logan Lerman (Noah – 2014; Vielleicht lieber morgen – 2012; Die drei Musketiere – 2011; „Percy Jackson: Diebe im Olymp“ – 2010; Gamer – 2009) hat sich eben noch strikt geweigert, einen unbewaffneten Deutschen zu erschießen; wenige Szenen und ein hübsches totes Mädchen später ballert er hasserfüllt alles nieder, was sich bewegt und das Hakenkreuz trägt. Da schwillt dann auch immer so Engelschormusik an. Wenn schon Kitsch, dann aber richtig. Wenigstens inszeniert David Ayer (Sabotage – 2014; „End of Watch“ – 2012) mit ordentlichen Kameradollys und verzichtet auf die in diesem Genre so übliche wacklige Handkamera, die Nähe suggerieren soll. Die ruhigen Aufnahmen des Wahnsinns Schlachtfeld, die langen Sequenzen, die von der bedingungslosen Härte der Männer erzählen, bieten Raum zur Reflexion über eben diesen Wahnsinn.

Das US-Kino muss schwer Sehnsucht haben nach den überschaubaren Kriegen, die seine Soldaten noch eindeutig gewonnen haben – der gegen die Nazis war da der letzte. Aus den späteren Kriegen gab es zu viele Irritationen, nicht gewonnene Schlachten, offene Enden und böse Geschichten, die engagierte Regisseure seit den 1970er Jahren auf die Leinwand brachten – da wirkte dann ein US-Krieg schlimmer als der andere. Aus dem Krieg gegen die Nazis gibt es auch viele grausame Geschichten, aber die hatten immer die anderen zu verantworten und die GIs waren in Europa immer die opferbereiten Helden.

„Krieg endet niemald leise“ steht auf dem Filmplakat und das soll wohl so ein Motto über diesen fragwürdigen 134 Minuten sein. Die US-Männer, die hier die letzten Schlachten dieses Krieges schlagen, sind hart, brutal, grausam, machen keine Gefangenen und vergewaltigen Frauen. So ist Krieg. Damit Brad Pitt nicht ganz so sein muss, hat David Ayer eine Szene ins Script geschrieben, bei der er seine Männer ehrenhaft von einer reizenden Emma zurückhalten kann.

Ein Film ohne Höhepunkt, aber ordentlich Kanonendonner und Budenzauber; ohne schauspielerische Kunst, aber plakativ besetzt – und mit Pitt, Shia LaBoef (The Company You Keep – Die Akte Grant – 2012; Wall Street: Geld schläft nicht – 2010; Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels – 2008; Transformers – 2007; „Disturbia“ – 2007; I, Robot – 2004) und Logan Lerman – in entscheidenden Rollen prominent ausgestattet. Und sonst? Dass Krieg niemals leise endet, war mir auch ohne diesen Film schon klar.

Wertung: 3 von 8 €uro