Kinoplakat: Haywire
Soderbergh macht
mal ‘n Actionfilm
Titel Haywire – Trau keinem
(Haywire)
Drehbuch Lem Dobbs
Regie Steven Soderbergh, USA, Irland 2011
Darsteller Gina Carano, Ewan McGregor, Michael Douglas, Michael Fassbender, Channing Tatum, Antonio Banderas, Mathieu Kassovitz, Bill Paxton, Michael Angarano u.a.
Genre Action
Filmlänge 93 Minuten
Deutschlandstart
8. März 2012
Inhalt

Mallory Kane ist Agentin. Sie ist bei den privaten Diensten unterwegs; die staatlichen, CIA, FBI, NSA, zahlen nicht so gut. Und Mallory ist gut. Gut darin, Leute auszuschalten – entführen, verletzen, ermorden.

Gerade ist sie auf der Flucht. Vor Leuten aus ihrer eigenen Truppe. Irgendwer will ihr ans Leder. Angefangen hat das mit dem Ding in Barcelona. Da sollten sie – und haben sie – einen Japaner aus Geiseelhaft befreit; die Geiselnehmer wurden getötet. Alle. Auch der, der fliehen wollte. „Ich wollte den Job abschließen”, sagt sie.

In Dublin, wenige Tage nach Barcelona, wurde sie von einem Kollegen angegriffen. Mallory ist im Prügeln besser. Im Schießen auch. Wobei es auch schwer ist, aus fünf Millimeter danebenzuschießen.

Mal muss fliehen – vor den Drahtziehern, vor der Polizei, vor den eigenen Leuten. Aber allein zu kämpfen ist Mallory gewöhnt. Sie ist darauf trainiert …

Was zu sagen wäre

Ein Actionfilm aus dem Jahr 2011, in dem nicht wie zugekokst hin- und hergeschnitten wird. Da gibt es Szenen in größter Bedrängnis, die in langen Einstellungen gedreht worden sind. Steven Soderbergh (Contagion– 2011; „Der Informant!“ – 2009; „Che“ – 2008; „The Good German“ – 2006; Solaris – 2002; „Voll frontal“ – 2002; Ocean's Eleven – 2001;Traffic – 2000; „The Limey“ – 1999; Out of Sight – 1998; „König der Murmelspieler“ – 1993; „Kafka“ – 1991; „Sex, Lügen und Video“ – 1989) hat gewusst, was er da in Gina Carano für ein Juwel vor der Kamera hat: Eine Kampfkünstlerin mit Ausstrahlung. Keine Schauspielerin. Soderbergh war klug genug, ihre Rolle entsprechend anzulegen. Schwergewichtige Dialoge hat Carano nicht zu bewältigen.

Gepflegte Kampfkunst vor entspannter Kamera

Aber schwergewichtige Dialoge sind hier auch nicht Sinn der Sache. Carano kann sehr gut kämpfen; offiziell heißt ihre Kampftechnik wohl Mixed-Martial-Arts … also grob gesagt: „Freistil“. Sie sieht in jeder Kampfeinstellung glaubhaft aus; viel glaubhafter, als würde man so eine Rolle etwa mit Emma Stone (The Amazing Spider-Man – 2012; The Help – 2011; Zombieland – 2009) besetzen – die dafür die viel bessere Schauspielerin ist. Steven Soderbergh hatte offenbar Lust, das Genre Actionkino zurück auf die Füße zu stellen. Realismus vor hektischer Unglaubwürdigkeit. Die Kamera steht auf Stativ oder Dolly, ist lotrecht ausgerichtet, geschnitten wird … später. Plötzlich sind mal wieder Settings wichtig und gut anzusehen – die Kulisse spielt eine Rolle und taucht nicht nur als verwischter Farbfleck auf.

Bei Verfolgungsjagden läuft Gina Carano Häuserblock um Häuserblock der Fimkamera hinterher, die Zuschauer spüren physisch ihre Anstrengungen. Dazu gibt es smoothigen Jazz. Die Illustrierte „stern“ jubilierte, Carano verleihe „dem Begriff Physisches Spiel ganz neuen Ausdruck“. Bei den Schlägereien hält sich die Kamera auf Sicherheitsabstand und schaut dem rüden Ballet zu, das die Heldin aufführt. Dazu gibt es auch keine Musik. Die Ermittlungen werden von coolen Posaunen- und Keyboard-Einlagen begleitet.

Die Story ist verworren und bleibt, wenn man sie durchblickt hat, dünn; aber unterhaltsam. An einer Stelle warnt jemand „Sie sollten Sie nicht als Frau betrachten. Das wäre ein großer Fehler.“ Genau.

Wertung: 5 von 7 €uro