Buchcover: William Goldman – Das Hollywood Geschäft
Wunderbar geschriebener Ist-Zustand,
der so manchen naiven Kino-Traum begräbt
Titel Das Hollywood Geschäft
(Adventures in Screen Trade)
Autor William Goldman, USA 1983
aus dem Amerikanischen von Bernd Müller
Verlag Bastei Lübbe
Ausgabe Taschenbuch, 492 Seiten
Genre Dokumentation
Inhalt

William Goldman ist Drehbuchautor für die Hauptstadt des Films, Hollywood. Er lebt in New York.

In diesem Buch von 1983 erzählt er, wie es hinter den Kulissen Tinseltowns zu geht, warum ein Drehbuchautor immer der Verlierer ist, wie man trotzdem ein Drehbuch schreibt und dann, wenn ein „Star“ an Bord ist, alles wieder umschreibt; er beschreibt, wie ein Film-Star funktioniert und warum alle großen Stars unter die Produzenten gegangen sind …

Was zu sagen wäre
Das Hollywood Geschäft

Ich erinnere mich gut an den ersten Tag meines ersten Aufenthalts in Hollywood: Ich traf mich mit einem Beauftragten von Paul Newman. Wir sprachen über die Terminierung von „Harper“(1966), und ich machte mir Sorgen, ob Newman auch zu dem Zeitpunkt verfügbar sein werde, an dem Warner Bros. die Produktion des Films aufnehmen wollte. Nachdem ich meine Besorgnis geäußert hatte, meinte einer der bei der Besprechung Anwesenden: »Eines Tages wird es Paul wie Glenn Ford ergehen, aber derzeit warten sie auf ihn.«
Dies war meine erste Begegnung mit jener in Hollywood üblichen Art grausamer Bemerkungen, bei denen es recht häufig ums Verheizen geht. Glenn Ford war noch vor wenigen Jahren Amerikas Star Nummer Eins gewesen, und mir war nicht bewusst, dass seine Karriere abgesackt war. Hier handelte es sich aber um Newmans Agenten, der eine Voraussage über die zukunft seines Klienten machte. Er war nicht grausam, jedenfalls nicht nach seinen eigenen Maßstäben. Er stellte sich lediglich der Tatsache, dass Stars kommen und gehen.
Nur agenten währen ewiglich … (aus: Das Hollwood Geschäft, Seite 24)

Wer dieses wunderbar geschriebene Buch gelesen hat, träumt nicht mehr ganz so sehr von einer Karriere beim Film – jedenfalls nicht beim amerikanischen Film. Man merkt Goldmans Schreibe an, dass er seine Oscars (für das Script zu Butch Cassidy … – 1969 – und zu All the President's Men – 1976) offenbar zurecht im Schrank steheh hat. Neben allerlei Wissenswertem und Wissens-Notwendigem – schließlich ist es ein Sachbuch und da soll der Leser auch Informationen mitnehmen – reiht er Anekdote an Anekdote, von der aus er dann die Exkursion zu seinem jeweilgen Kapitelthema startet.

Seitenlang kann er erzählen, wie Dustin Hoffman einst die Proben zu dem Thriller Der Marathon-Mann unterbrach, weil er es für mit seiner Rolle unvereinbar findet, dass diese Figur, die er spielt, eine Taschenlampe in der Nachtischschublade haben könnte. Viele Leute haben eine Taschenlampe im Nachttisch, versucht (Regisseur) Schlesinger zu argumentieren.
Hoffman spielt nicht viele Leute, er spielt Babe, und Babe hätte keine Taschenlampe im Nachttisch.
Schlesinger versucht es noch einmal: Du bist gerade überfallen worden, du bist beunruhigt, du triffst Vorsichtsmaßnahmen.
Kein Erfolg.
Nun ein Vorstoß des Regisseurs von der praktischen Seite: Wir brauchen den Effekt des wandernden Lichtstrahls auf den Wänden, um der Szene zusätzlichen Reiz zu verleihen.
Hoffman antwortet, es werde überhaupt keine anständige Szene geben, wenn er sie nicht spielen kann, und er kann die gottverdammte Taschenlampe nun mal nicht rechtfertigen.
Die ganze Zeit steht Scheider (Roy Scheider war Co-Star des Films) schweigend da und wartet.
Und das ist wahrscheinlich der Eindruck, der sich mir in dieser Situation am stärksten eingeprägt hat – das Ganze dauerte übrigens eine Stunde: Scheider, der souverän die ganze Zeit in Ruhe abwartet.

Dieses Buch steckt voller Weisheiten aus einer Zeit, in der die Filme entstanden, für die ich damals gerade noch zu jung war, die also unfassbar spannend für mich waren. William Goldman schrieb unter anderen die Bücher zu Butch Cassidy and the Sundance Kid (1969), All the President's men – Die Unbestechlichen (1976), „A bridge too far – Die Brücke von Arnheim“ (1977), Der Marathon-Mann (1976) und Die Braut des Prinzen (1987).

Wichtige Erkenntnis für diejenigen, die glauben, ein gutes Script zu haben und sich wundern, wieso die Produzenten nicht Schlange stehen: Es beschleunigt die Sache, wenn man Stars an der Hand hat. Sagt man: »Wir drehen einen Goldie-Hawn-Film«, muss man nichts weiter sagen. Der Darsteller bekommt das Produkt. Sagt man, man habe Chariots of Fire (»Die Stunde des Siegers«), muss man reden und reden, bis klargestellt ist, was man sagen will.