Kinoplakat: Ginger & Rosa
Ein bewegendes Drama.
Eine großartige Elle Fanning.
Titel Ginger & Rosa
(Ginger & Rosa)
Drehbuch Sally Potter
Regie Sally Potter, UK, Dänemark, Kanada, Kroatien 2012
Darsteller

Elle Fanning, Alice Englert, Christina Hendricks, Jodhi May, Alessandro Nivola, Luke Cloud, Timothy Spall, Oliver Platt, Annette Bening, Poppy Bloor, Magdalene Mountford, Ray Lonnen, Brock Everitt-Elwick, Max Scully, Marcus Shakesheff, Charlie Smith, Rupert Rixon u.a.

Genre Drama
Filmlänge 90 Minuten
Deutschlandstart
11. April 2013
Inhalt

London, die frühen 1960er Jahre: Die Mädchen Ginger und Rosa sind unzertrennlich. Es ist die Zeit, als es in London die Tumulte des Kalten Krieges und die Aufregung der sexuellen Revolution aufeinanderprallen.

Die beiden Teenager rebellieren offen gegen ihre Familien und wollen nicht so enden wie ihre Mütter, denen sie nur Verachtung entgegenbringen. Ginger und Rosa rauchen, schwänzen die Schule und träumen von einem aufregenden Leben, doch Gingers Mutter Natalie, die von ihrem eigenen Leben frustriert ist, will die Freundschaft der beiden beenden. Natalie denkt nämlich, dass Rosa einen schlechten Einfluss auf ihre Tochter ausübt.

Doch die beiden Freundinnen halten eng zusammen, auch noch als Ginger sich immer mehr politisch engagiert und sogar über die politische Situation des Kalten Krieges zu schreiben anfängt. Als Rosa aber eine Affäre mit Gingers Vater beginnt, bekommt die Freundschaft Risse …

Was zu sagen wäre

Die Zeit der Befreiung. Die Ära einer Revolution, die ein Gesellschaftssystem wegfegte. Die Zeit nie dagewesener und nie wiederkehrender freit. In Sally Potters „Ginger & Rosa“ ist das eine Ära der Selbstgerechtigkeit und seelischen Zerstörung. Ziemich brutaler Stoff also, wunderbar gespielt von Elle Fanning, Christina Hendricks, Alice Englert und dem Worte verdrehenden Alessandro Nivola (Jurassic Park III – 2001; „Mansfield Park“ – 1999; Im Körper des Feindes – 1997).

Nivola gibt Gingers Vater, der seinen Lolita-Trieb in verlogene Reden kleidet, als müsse er vor einem Tribunal die menschliche Freiheit verteidigen („Wir haben nur ein einziges Leben, darum müssen wir es genießen!“) und offenbart als vorgeblicher Klassenkämpfer statt dessen rein egoistische Motive. Allessandro Nivola gibt ihm gewaltig allglatte Schlüpfrigkeit. 

Elle Fanning ist – mal wieder – berührend (Wir kaufen einen Zoo – 2011; Super 8 – 2011; Somewhere – 2010; Der seltsame Fall des Benjamin Button – 2008). Sie spielt die Ginger mit Gelassenheit und technischer Präzision. Ihre philosophisch-politischen Dialoge mit BFF Rosa und ihre Tagebuchnotizen offenbaren dreidimensionale Charaktere.

Was den Film so bewegend macht – neben Elle Fanning und dem beeindruckenden supporting cast um Annette Bening und Oliver Platt – ist die präzise Lichtsetzung des Films. Die Bilder von Kameramann Robbie Ryan sehen aus, wie aus den 1960er Jahren übriggeblieben, leicht verwaschen, dunkle Brauntöne – klassisches Zeitcolorit, das mich zurückbringt in diese Zeit der verlogenen Offenheit in Wort, Tat und Beziehung, bei der in Wirklichkeit gar nichts offen war, sondern es die größeren Schwätzer nur leichter hatten, sich durchzusetzen, weil die anderen glaubten, diese freiheit müsse man ihnen lassen. Nebe den kindlich-romantischen Szenen einen Mädchenfreundschaft verbreitet der Film Beklemmung, weil er so genau beobachtet.

In diesem Film über zwei Mädchen steckt mehr als Kino für Mädchen und deren Mütter.

Wertung: 7 von 8 €uro