Plakatmoriv: Flucht nach Athena
Ein bisschen Krieg, ein bisschen Kunst
und ganz viele ganz harte Männer
Titel Flucht nach Athena
(Escape to Athena)
Drehbuch Edward Anhalt + Richard S. Lochte + George P. Cosmatos
Regie George P. Cosmatos, UK 1979
Darsteller Roger Moore, Telly Savalas, David Niven, Stefanie Powers, Claudia Cardinale, Richard Roundtree, Sonny Bono, Elliott Gould, Anthony Valentine, Siegfried Rauch, Michael Sheard, Richard Wren, Philip Locke, Steve Ubels, Paul Picerni u.a.
Genre Action, Abenteuer
Filmlänge 125 Minuten
Deutschlandstart
27. Februar 1981
Inhalt

1943 irgendwo af den griechischen Inseln: Der britische Archäologie Professor Blake, der Amerikaner Nat und der Italiener Rotelli werden nach einem missglückten Ausbruchsversuch während einer Suchaktion von Wehrmacht und SS ins Gefangenenlager gebracht. Lagerkommandant Hecht bestraft sie zwar. SS-Major Volkmann allerdigs sieht die Strafe als viel zu milde an.

Zur gleichen Zeit werden zwei neue Gefangene, Dottie Del Mar und ihr Kabarettkollege Charlie in Hechts Lager gebracht. Dottie erweckt sofort die Leidenschaft Hechts, der sie fürstlich unterbringt. Charlie derweil macht die Bekanntschaft mit Blake und seinen Kameraden, die planen, das Lager zu übernehmen und mit Hilfe des von Zeno geführten Widerstandes den U-Boot Hafen einzunehmen. Charlie steigt in das Unternehmen nur zögernd ein. Während er und Dottie die Offiziere mit einer Show ablenken, überwältigen Blake und seine Helfer die Wachen des Lagers bzw. setzen die Soldaten mit einem Abführmittel außer Gefecht.

Zeno, der Anführer des griechischen Widerstandes, versteckt sich in einen von seiner Freundin Eleana geführtem Bordell. Er erwartet die Invasion der Alliierten, um loszuschlagen. Als die Alliierten ihre Pläne ändern, beginnt Zeno von alleine eine Befreiungsaktion seiner Insel mit Hilfe von Professor Blake. Hecht schließt sich den Widerständlern an. Zenos Ziel ist jedoch ein ganz anderes: Das Kloster der Insel. Dort wurden die Mönche von den Deutschen eingesperrt und ihr Gebäude als Sender umfunktioniert. Mit Rotelli, Charlie und Nat geht Zeno, nachdem sie Volkmann und seine SS-Truppe ausgeschaltet haben, hinauf. Sie müssen feststellen, dass die Deutschen das Kloster mit elektrischen Maschendraht gesichert haben.

Währenddessen übernehmen Hecht und Blake das U-Boot Lager, wobei sich Hecht einen Kampf mit den Kampftauchern der Kriegsmarine liefert. In den Felsenkavernen des Berges nämlich läuft der Countdown für eine mörderische Geheimwaffe …

Was zu sagen wäre

Ein klassisches Jungs-Abenteuer: harte Männer, schöne Frauen, böse Deutsche! Halt, nein, einer der Deutschen ist ein – im Rahmen der Möglichkeiten – guter Deutscher. Roger Moore, der Brite mit dem berühmten Augenbraue-Lupfer (Sprengkommando Atlantik – 1979; Die Wildgänse kommen – 1978), spielt den deutschen Major Otto Hecht, der schöne Frauen in seiner Gefangenschaft noch angenehmer unterbringt, als seine üblichen Gefagenen. „Er ist im Zivilberuf Kunsthändler. Und zwar kein ganz sauberer“, sagt Kunstprofessor Blake über Hecht. „Er sorgt für seine Zukunft. Die geringeren archäologischen Funde gehen nach Berlin. Was jedoch von Wert ist, schickt er seiner Schwester in der neutralen Schweiz.“ Darum geht‘s‚ im weiteren Sinne: Deutsche Besatzungstruppen lassen sich von einer Clownstruppe und ein paar Nutten austricksen – aber es sind immerhin Kunst beflissene Besatzungstruppen. Gestandene Kriegsgegner streiten um Kunst, Frauen und wertvolle Schätze. Dass Moores Anmachversuche – Hand auf nackten Schenkel und so – eher befremden … nun, der Mann ist James Bond und da schreiben Autoren sowas halt ins Drehbuch. Er bleibt damit letztlich ja auch erfolglos.

Plakatmoriv: Flucht nach AthenaDer Film aus dem in den frühen 60er Jahren sehr populären Kommando-Genre (Die Kanonen von Navarone, Agenten sterben einsam) ist – ähnlich wie die einst populären Katastrophenfilme – ein Austragshäuserl für die harten Kerle der 60er wie Telly Savalas („Das Dreckige Dutzend“), Richard Roundtree (Shaft) oder David Niven (Die Kanonen von Navarone), unterstützt von aktuell gängigen Heroen Roger Moore oder Elliott Gould. Vom Geist der alten Klassiker ist freilich kaum etwas übrig – diese Art Filme sind wie „Erdbeben 2“ – ein Zeichen, dass mancher Filmproduzent in Hollywood die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt hat. Die Zeit für diese Art Filme mit Männerbündelei und knapp beschürzten Frauen ist vorbei, im Kino haben visionäre Regisseure wie Coppola (Der Pate), Scorsese („Taxi Driver“), Spielberg (Der weiße Hai), Lucas (Krieg der Sterne) oder Scott (Alien) das Zepter übernommen. Hier führt George Pan Cosmatos Regie, der vor drei Jahren mit einem Film aus dem echten Katastrophen-Genre angenehm überraschte. In Treffpunkt Todesbrücke – The Cassandra Crossing sperrte er Weltstars am Ende ihrer Karriere in einen Virusverseuchten Zug und ließ sie von Burt Lancaster ins Verderben steuern.

Die Handlung ist nicht sonderlich ausgefeilt, wird auf die Spitze getrieben bis zum Beinahe-Einsatz einer V2-Rakete. Sie folgt dem gängigen Muster; auch hier erleben wir lauter Männer (und Frauen), bei denen man sich nie sicher ist, wieviele Spiele gleichzeitig sie spielen. Ein bisschen geht‘s um Kunstschätze. Ein bisschen geht‘s um Befreiung. Vor allem aber geht‘s um Helden, die irgendwas heldenhaftes vollbringen. Und dann … Huhuhuuuuu … geht es um eine massenmörderische Geheimwaffe, die bewacht wird von anonymen Uniformierten mit schmuckem Spiegelvisier, das elegant die Umwelt spiegelt und dessen Träger entmenschlicht.

Immerhin wird der italienische Koch in der griechischen Taverne nicht standrechtlich erschossen, weil er in dieser Umgebung doch ein Exot sei. Statt dessen muss ein andere sterben. Ist das schon Zynismus, oder kann man das noch mit „Egal, wer erschossen wird. Die Deutschen treffen ohnehin den Falschen“ entschuldigen. Technisch bleibt der Film überschaubar bis auf eine erwähnenserte, wirklich gelungene Verfolgung durch die engen Gassen des Ortes, der mit subjektiver Kamera gedreht wurde. Da merkt man George Pan Cosmatos kurz seine Lust an, Filme zu drehen. Vielleicht kann man diesem Monument des cineastischen Niedergangs zugute halten, dass es sich nicht allzu ernst nimmt und nach vielen Seiten austeilt. Während die Puffmutter des Ortes, gespielt von der großen Claudia Cardinale, uns aufklärt, die deutschen Besatzer seien „nicht einmal die schlechtesten. Vom Standpunkt einer Puffmutter aus“, relativiert David Niven sein oben erwähntes Dictum gegen den deutschen Offizier, indem er erklärt „Als wir noch ein intaktes Empire hatten, da haben wir geklaut wie die Raben: Altertümer aus Ägypten, Porzellan aus Peking, goldene Masken aus Persien …“. Und auf der Tür zur Bar steht „Mein Kamp … wir schlafen nie“.

Und am Ende tanzt Telly Savalas den Sirtaki in Zorba‘s Angedenk … und weil es insgesamt eher um Kunst geht, endet der ganze Film auch eher unschuldig fröhlich. Alles easy. Alles geschmeidig. Ist doch nur in bisschen Krieg.

Wertung: 3 von 9 D-Mark