Plakatmotiv: Stark – The Dark Half
Eine blutige Angelegenheit.
Eine gute King-Verfilmung.
Titel Stark – The Dark Half
(The Dark Half)
Drehbuch George A. Romero
nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King
Regie George A. Romero, USA 1993
Darsteller Timothy Hutton, Amy Madigan, Michael Rooker, Julie Harris, Robert Joy, Kent Broadhurst, Beth Grant, Rutanya Alda, Tom Mardirosian, Larry John Meyers, Patrick Brannan, Royal Dano, Glenn Colerider, Sarah Parker, Elizabeth Parker u.a.
Genre Horror
Filmlänge 122 Minuten
Deutschlandstart
10. Juni 1993
Inhalt
Thad Beaumont entdeckt schon als Kind sein Talent zu Schreiben. Immer wieder leidet er aber unter heftigen Kopfschmerzen und Anfällen. Während einer Operation im Krankenhaus entdecken die Chirurgen, dass der vermeintliche Tumor ein verkümmerter Zwilling ist, der aus unerfindlichen Gründen anfing, zu wachsen und sich zu entwickeln. Thad wird von dem Tumor befreit.

29 Jahre später: Thad, verheiratet und Vater eines Zwillingspärchens, lehrt Literatur und Schriftstellerei und veröffentlicht mit mäßigem Erfolg Sachbücher. Das große Geld macht er anonym als Horror-Schriftsteller unter dem Pseudonym George Stark und als Schöpfer der Romanfigur Alexis Machine, der auf blutrünstigste Weise grausame Morde begeht. Fred Clawson hat das Pseudonym aufdeckt und erpresst Beaumont, sein Pseudonym auffliegen zu lassen. Beaumont und seine Frau beschließen, sich nicht erpressen zu lassen, sondern die Flucht nach vorne anzutreten, und in einer Pressekonferenz die wahre Identität von George Stark preiszugeben.

Das aber will George Stark nicht wahrhaben: Mittlerweile zu einem physischen Wesen geworden, beginnt Stark die Menschen auf brutale Weise umzubringen, die mit Beaumont zu tun haben, so dass der Verdacht zunächst auf Thad Beaumont fällt und er so ins Visier der Polizei gerät. Die Rache Starks soll sein Ende finden, indem Beaumont Starks letzten Roman beendet …

Was zu sagen wäre
Der Schriftsteller und sein Pseudonym. Dr. Jekyll & Mr. Hyde. Die zwei Persönlichkeiten eines Autors. Bestsellerautor Stephen King kann ein Lied darüber singen, hat dem Motiv des Schriftstellers einige Romane gewidmet. In „The Dark Half“ setzt sich King mit seinen Erlebnissen auseinander, als er früh in seiner Karriere neben seinen erfolgreichen Romanen ein Pseudonym – Richard Bachmann – etablierte, das bald aufflog. Daraufhin stiegen die Verkaufszahlen der Richard-Bachmann-Thriller. In „The Dark Half“ verkaufen sich, nachdem das Pseudonym öffentlich gemacht wurde, die Romane Beaumonts besser.

Stephen King spielt in seinen Büchern gern mit dem Übernatürlichen; aber selten proaktiv. Erst muss der reale menschliche Irrsinn ihm die Bühne bereitet haben. Im vorliegenden Fall ist der brutale Schatten erklärt mit einem abgestorbenen Zwilling – „Die meisten Menschen sind ursprünglich Zwillinge“ – der nicht ganz so abgestorben ist, wie geglaubt, der die dunkle Seite Beaumonts besetzt, mit der der die blutigen George-Stark-Romane schreibt. Thad sei ganz anders, klagt einmal seine Frau, wenn er einen Roman als George Stark schreibe, so kalt, vulgär.

Der Film von George A. Romero hangelt sich ordentlich an der Vorlage entang, verzichtet aber – wahrscheinlich aus SFX-Gründen – auf die schöne Szene, in der die Sperlinge Thad den Weg zum von ihnen abgeriegelten Haus freigeben, ein Gänsehautmoment im Roman. Romero eröffnet mit einem shocking moment, mit dem er den abgestoßenen Zwilling einführt – ein Auge, das sich unvermittelt im Gehirn des jungen Thad während einer Operaton öffnet. Danach lässt er es ruhig angehen.

Es könnte – „29 Jahre später“ – sich auch um das Drama eines Schriftstellers handeln, der preisgekrönte Bücher schreibt, die niemand kauft, und der sich nun im Haifischbecken Verlagsbranche behaupten muss. Timothy Hutton ist ganz der an sich selbst zweifelnde, feinfühlige Wortfinder, dem seine patente Frau den Rücken freihält. Amy Madigan spielt diese Frau wieder so, dass der Zuscher nicht über etwaige Szenen mit Ehekrach nachdenken muss. Madigan spielt die Ehefrau mit Herz, Verstand und Zwillingen, als wär‘s ihre zweite Haut (Feld der Träume – 1989; Straßen in Flammen – 1984). Als dann aber die Welt des ambivalenten Autors zwischen Hochkultur und blutiger Action hübsch eingerichtet ist, nach einer halben Stunde etwa, zieht Romero die Schlinge schnell enger. Die ersten Opfer sind nur als Schatten an der Wand zu sehen und an den kotzenden Polizeibeamten ist zu erahnen was geschehen, zumal uns im langsamen Aufbau des Films eine einschlägige Szene aus einem George-Stark-Buch vorgelesen worden war. Romero muss nichts zeigen, das Kino im Zuschauerkopf funktioniert.

Timothy Hutton („Tödliche Fragen“ – 1990; „Der Falke und der Schneemann“ – 1985; „Die Kadetten von Bunker Hill“ – 1981; „Eine ganz normale Familie“ – 1980) spielt den sanften Familienvatzer und den Rasiermesser schwingenden Stark; Stark unter einer dicken Schicht Make Up, die sein Gesicht härter macht. Hutton oszilliert wunderbar zwischen diesen Jekyll und Hyde mit Lust am Overacting.

„Er will, was jeder in seiner Lage wollte. Er will wieder leben!!“ Dieser Film erreciht als Stephen-King-Verfilmung nicht die Klasse von Stand by me oder „Cujo“, gehört aber auf jeden Fall zu den besseren Verfilmungen.

Wertung: 8 von 10 D-Mark