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Kinoplakat: Funny Games
Ein Monsterfilm,
der verstört
Titel Funny Games
Drehbuch Michael Haneke
Regie Michael Haneke, Österreich 1997
Darsteller

Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering, Stefan Clapczynski, Doris Kunstmann, Christoph Bantzer, Wolfgang Glück, Susanne Meneghel, Monika Zallinger u.a.

Genre Crime, Drama
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
11. September 1997
Inhalt

Sommerferien. Urlaubsbeginn. Anna, Georg und der kleine Schorschi fahren in ihr idyllisch gelegenes Haus am See.
Die Nachbarn sind auch schon da, das Wetter ist herrlich. Alles scheint perfekt. Dann bricht Peter, ein Gast der Nachbarn, in die Idylle ein, und bittet um ein paar Eier.

Während Peter Anna bedrängt, tötet sein Begleiter Paul den Hund der Familie. Der hinzukommende Georg wird bei dem Versuch, die Eindringlinge hinauszukomplimentieren, niedergeschlagen. Paul und Peter quälen und demütigen ihre Gefangenen. Schorschi gelingt die Flucht ins Nachbarhaus, wo er auf die Leiche der Nachbarstochter stößt.

Paul ergreift den Jungen und bringt ihn zurück ins Haus der Eltern, wo ihn Peter erschießt …

Was zu sagen wäre

Dieser Film ist weder funny, noch etwas für Freunde des gehobenen Familienfilms. Selbst allerdings Horrorfans, in deren Gewässern Michael Haneke hier fischt, kommen auf ihre Kosten. Dieser Film ist eher etwas für psychologisch Interessierte und Dokumentaristen – Haneke legt ganz trocken und ohne Scheu offen, woran es der modernen Gesellschaft krankt und weshalb sie ihrer Auflöcung entgegen driftet. Es fehlt an Selbstdisiplin, sozialer Bindung und Achtung … oder Respekt vor anderen.

Die Handlung wird wiederholt gebrochen, indem das Böse direkt mit uns, den Zuschauern, kommuniziert. In besonders boshaften Szenen etwa grinsen die Eindringlinge direkt in die Kamera, zwinkern und fragen „Sie wollen doch auch wissen, wie es weiter geht, oder?“ In der unmittelbaren Darstellung seiner Gewalt kommt der Film nahe – wenn nicht über – Stanley Kubricks „Uhrwerk Orange“ (1971).

Ist das noch Filmkunst? Ja. Und Ja. Natürlich ist es Film. Und Haneke findet durchaus kunstvoll arrangierte Bilder und Töne für sein Stück. Und ist es Kunst? Kunst soll verstören, soll wachrütteln. In Hanekes Stil steht John Carpenter Pate, der schon in Halloween (1978) einen kleinen Jungen per subjektiver Kamera auf seine Schwester und deren Liebhaber einstechen ließ, den Zuschauer damit zum (irgendwie faszinierten) Mittäter machte.

Mal ehrlich: Wer lässt sich mit Filmen wie Stirb Langsam (1988) noch von Gewalt auf offener Straße entsetzen, oder durch Gewalt in Filmen wie L.A. Confidential, der dem Funny-Games-Jahrgang entstammt? Beides gilt als gelungene Unterhaltung mit – mal mehr, mal weniger – Tiefgang. Haneke ist da in seiner unbedingten Direktheit zwingen, konsequent. Bei ihm bekommt die rohe Gewalt wieder ein Gesicht, ein Gefühl. Hier müssen wir uns mit ihr auseinandersetzen. „Ich versuche Wege zu finden, um Gewalt als das darzustellen, was sie immer ist, als nicht konsumierbar“, hat Haneke in einem Interview gesagt. „Ich gebe der Gewalt zurück, was sie ist: Schmerz, eine Verletzung anderer!“

Der österreichische „Standard“ vermerkte – und das finde ich sehr passend: „Haneke hat recht, wenn er manche Verherrlichungen von Gewalt eng mit der gegenwärtigen Praxis der Massenmedien zusammendenkt – aber sein polemischer Ingrimm, mit dem er Grausamkeiten noch zuspitzt, beliefert letztlich nur einen Markt, der tatsächlich immer härteren Stoff sucht. Ein bisschen erinnern die Kontroversen rund um Funny Games an die Natural Born Killers von Oliver Stone. Auch dort gab jemand vor, mediale Gewalt zu dekonstruieren. Auch das wurde letztlich nur modisch begrüßt – für schwere Denke bei kulturpessimistischen Selbstgeißlern bzw. als Schauwert für MTV-Freunde.

„Funny Games“ ist seit Jahren der erste österreichische Wettbewerbsbeitrag für das Festival in Cannes (1997).

Wertung: 9 von 11 D-Mark
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