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Kinoplakat: Freundschaft Plus
Natalie Portman passt nicht
Aber sonst ganz nette Romanze
Titel Freundschaft Plus
(No Strings Attached)
Drehbuch Elizabeth Meriwether + Michael Samonek
Regie Ivan Reitman, USA 2011
Darsteller Natalie Portman, Ashton Kutcher, Kevin Kline, Cary Elwes, Greta Gerwig, Lake Bell, Olivia Thirlby, Chris 'Ludacris' Bridges, Jake M. Johnson, Mindy Kaling, Talia Balsam, Ophelia Lovibond u.a.
Genre Komödie, Romanze
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
17. Februar 2011
Inhalt

Emma und Adam kennen sich, seit sie vor 15 Jahren in einem Feriencamp festgestellt haben, dass Sex nicht so ihre Sache ist und sie mit Gefühlen auch nur schwer umgehen können. Über die Jahre haben sie sich immer wieder aus den Augen verloeren, aber bei einem zufälligen Treffen mal die Telefonnummern ausgetauscht.

Vor kurzem nun hat Adam erfahren, dass sein Vater, der immer noch vom verblassenden Ruhm einer Hauptrolle in einer alten TV-Serie zehrt, nun mit seiner Ex-Freundin Vanessa zusammenwohnt. Adam tut, was (Film-)Männer in so einer Situation machen: Er geht mit seinen Kumpels einen zischen und telefoniert dabei alle Nummern von Frauen durch, die in seinem iPhone gespeichert sind mit dem Ziel „Sex”. Am nächsten Morgen wacht Adam nackt und verkatert auf einer Couch auf, in einer ihm unbekannten Wohnung.

Es ist Emmas Wohnung, wo sie mit drei Mitbewohnern lebt. Noch nicht richtig wach und in Emmas Zimmer, um sich anzuziehen, fallen beide übereinander her und haben lauten, ungezügelten Sex. Das gefällt vor allem Emma: Die Ärztin mag keine Beziehung, mag für so etwas keine Zeit und keine Gefühle investieren, die doch ohnehin nur verletzt werden. Aber eine Beziehung zu einem Mann, den sie jederzeit nach der Schicht, in der Pause, vor der Schicht anrufen kann für die schnelle gute Nummer – das würde gehen. Adam findet das auch nicht schlecht. Der Deal lautet: Kein kuscheln, kein gemeinsames Frühstück und vor allem keine weitergehenden Gefühle.

Das ist einfacher gesagt, als getan …

Was zu sagen wäre

In diesen Filmen lieben sich die Paare nicht mehr, sie „haben Sex” miteinander – wahrscheinlich, um das für den Zuschauer fein getrennt zu halten: Die erlaubte Liebe mit Kuschelrock unter der Bettdecke und der unverheiratete, harte Sex. Mit diesem Thema bleibt Hollywood moralisch in der Spur, kann aber schlüpfrigere Filme servieren. 2011 gab es gleich zwei kurz hintereinander, die diese Idee durchbumsten – Freunde mit gewissen Vorzügen war der andere.

Ivan Reitman, der nur noch gelegentlich als Regisseur arbeitet („Die Super-Ex“ – 2006; Evolution – 2001; Junior – 1994; Dave – 1993; Ghostbusters – 1984) dekliniert Erwartbares durch, denn dass sich die beiden am Ende schmachtend und sich ewige gemeinsame Frühstücke versprechend in den Armen liegen, ist ja klar. Weniger versierte Regisseure würden an diesen Klischees scheitern. Reitman nicht. Er scheitert – auf hohem Niveau – an seinen Schauspielern. Natalie Portman (Black Swan – 2010; „Brothers” – 2009; The other Woman – 2009; „Die Schwester der Königin” – 2008; Star Wars, Episode I: Die dunkle Bedrohung – 1999) passt nicht. Solange sie die Ärztzin spielt, die diesen Beruf ergriffen hat, obwhl sie (ausgerechnet) nicht gut in Gefühl und Kommunikation ist, ist sie glaubwürdig. Aber Natalie Portman und die Lust auf ungezügelten Sex … das passt nicht nur nicht, das strahlt sie in der Emma-Rolle auch nicht aus. Da helfen auch die kunstvoll drapierten, exotisch-erotischen Stellungen nicht.

Ashton Kutcher ist Ashton Kutcher. Der Junge, der gerne seinen Knackarsch in die Kamera hält und die Ausstrahlung eines Bettgestells hat, ist nicht einmal fehl besetzt – er konnte schon in Valentinstag (2010) nicht viel verkehrt machen, weil er stets eine Horde weiblicher Fans an die Kinokasse zieht. Und darum geht es schließlich bei dieser Art Produkten: um kalkulierten Gewinn an der Kinokasse. Als dessen fidelen alten Vater hat reitman Kevin Kline gesetzt, der sich ier als Casanova-Plus austoben darf (Die Lincoln Verschwörung – 2010; „Vielleicht, vielleicht auch nicht“ – 2008; „Robert Altman's Last Radio Show“ – 2006; Wild Wild West – 1999; In & Out – Rosa wie die Liebe – 1997; Der Eissturm – 1997; Wilde Kreaturen – 1997; French Kiss – 1995; Dave – 1993; „Chaplin“ – 1992; „Grand Canyon“ – 1991; „Lieblingsfeinde – Eine Seifenoper“ – 1991; „Im Zeichen der Jungfrau“ – 1989; „Ein Fisch namens Wanda“ – 1988; „Silverado“ – 1985; „Der große Frust“ – 1983; „Sophies Entscheidung“ – 1982).

Insofern muss ich sagen: Ivan Reitman hat ein rundes, in sich stimmiges Produkt geliefert, in dem Natalie Portman einige schauspielerische Glanzmomente setzt (wenn auch an der falschen Stelle, dafür aber gibt es da diese Erkenntnisszene, als sie merkt, Vorbei! – „Oh fuck”, sagt sie … ein bewegender Moment) und ich regelmäßig einen Lacher serviert bekomme.

Aber Mila Kunis und Justin Timberlake haben es in Will Glucks Freunde mit gewissen Vorzügen ein halbes Jahr später besser gemacht.

Wertung: 4 von 7 €uro
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