Kinoplakat: Frau Müller muss weg!
Kein besonderer Film,
aber große Auftritte
Titel Frau Müller muss weg!
Drehbuch Lutz Hübner + Sarah Nemitz + Oliver Ziegenbalg
Regie Sönke Wortmann, Deutschland 2015
Darsteller

Gabriela Maria Schmeide, Justus von Dohnányi, Anke Engelke, Ken Duken, Mina Tander, Alwara Höfels, Rainer Galke, Juergen Maurer, Dagmar Sachse u.a

Genre Komödie, Drama
Filmlänge 88 Minuten
Deutschlandstart
15. Januar 2015
Inhalt

Bei einem außerplanmäßigen Treffen mit der Klassenlehrerin Frau Müller gibt es einiges zu bereden. Die Kinder sind mit unmöglichen Zensuren nach Hause gekommen. Wie sollen sie es denn mit so einem Übergangszeugnis aufs Gymnasium schaffen? Höchste Zeit, mal ein ernstes Wort mit Frau Müller zu reden.

Die knallharte Karrierefrau Jessica Hövel erklärt sich schnell selbst zur Sprecherin der Elterngruppe. Dem arbeitslosen Wolf Heider passt das nicht in den Kram und er versucht, die Diskussion immer wieder auf sich und sein Kind zu lenken. Dem Ehepaar Patrick und Marina Jeskow geht es vor allem um die Ausgrenzung ihres begabten Sohnes, während die alleinerziehende Mutter Katja Grabowski  nur aus Solidarität mitgekommen ist, denn ihre Tochter ist die Klassenbeste.

Doch Frau Müller hat keinesfalls vor, die Klasse abzugeben. Stattdessen konfrontiert sie die ahnungslosen Eltern mit dem Verhalten ihrer Kinder. Plötzlich muss sich nicht mehr Frau Müller rechtfertigen, sondern es sind die Eltern, die ob ihrer eigenen Versäumnisse in Erklärungsnot geraten …

Was zu sagen wäre

Schauspieler haben es nicht leicht. Sie sind angewiesen darauf, dass das Script eine solide Basis für einen von Bildern lebenden Film bietet. Sie sind abhängig von einem Regisseur, der diese Bilder, die sich im Script offenbaren, erkennt.

Im vorliegenden Fall hatten sie Glück: Zwar hat Sönke Wortmann, ihr Regisseur („Schoßgebete“ – 2014; „Das Hochzeitsvideo“ – 2012; „Die Päpstin“ – 2009; „Deutschland. Ein Sommermärchen (Dokumentation) – 2006; Das Wunder von Bern – 2003; „Der Himmel von Hollywood“ – 2001; St. Pauli Nacht – 1999; Der Campus – 1998; „Das Superweib“ – 1996; „Der bewegte Mann“ – 1994; „Mr. Bluesman“ – 1993; Kleine Haie – 1992; „Allein unter Frauen“ – 1991), die Bilder in diesem Kammerspiel nicht erkannt; das hat damit zu tun, dass es diese Bilder nicht gibt: Irgendwann fällt ein Handy in den Pool und die ätzende Zimtzicke, die das Handy braucht, wie die Luft zum atmen, muss sich ausziehen und ins Wasser gehen, irgendwann hauen sich unbeholfen zwei verwirrte Väter, die mit Worten nicht mehr weiter kommen, während sie von einer genervten Mutter aus dem Wasserhahn des Waschbeckens nass gespritzt werden. Das versprüht sehr den Charme der Unser-Pauker-ist-der-beste aus den 1970er Jahren.

Das Glück der Schauspieler

Deswegen haben die Schauspieler Glück. Sie sind eingeladen, die Leerstellen, die dieses von seinen Dialogen lebende Drama aufmacht, mit Menschen zu füllen – auch wenn das Script nur Stereotypen anbietet. Aber diese Stereotypen spielen die Schauspieler so wunderbar unbeirrt, dass ich mich bereitwillig auf ihre Kunst einlasse.

Anke Engelke als verspannte, dürre Karrierezicke ist so glaubhaft, dass ich zwischenzeitlich Angst habe, ihr über den Weg zu laufen. Justus von Dohnányi, im deutschen Kino häufig besetzt als schmieriger Schurke, als Nazimitläufer oder Killer, gibt hier großartig die Interpretation eines Weicheis – dieser arbeitslose, meinungsscheue Besserwisser geht mir irgendwann sehr auf die Nerven. Mina Tandler und Ken Duken als arrivierte Eltern eines verhaltensauffälligen Jungen, den sie für ein hochbegabtes Kind halten, spielen ihre Rollen gnadenlos gegen alle Script-Klischees durch und – okay – Ken Duken hätte besser einen anderen Beruf ergriffen, er ist vor allem goodlooking. Bezaubernd sind Alwara Höfels als solidarische Mutter und Gabriela Maria Schmeide (Die Friseuse – 2010) als Lehrerin Müller.

Schule bringt nichts! Schule bringt nichts? Was will dann dieser Film?

Sie alle werden nie Bestandteil eines bündigen, durchdeklinierten Dramas, denn das gibt es nicht. Wenn der Vorhang fällt, werden in den Abspann noch die künftigen Lebens- und Berufswege der bis dahin unsichtbaren Kinder gewoben. Das soll den Schlusspunkt, die Pointe nachholen, die dem Drama in seiner Sollzeit nicht gelungen ist. Es stellt sich raus, dass diese Kinder mit ihren Schulfächern offenbar wenig anfangen konnten – das eine wird Computer-Hacker, das zweite, dem ADSL attestiert wird, Ruderweltmeister, die getriebene Tochter wird Organisatorin sehr erfolgreicher Raves. Schon klar: „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“. Und für dieses Leben braucht es eher Frau Müllers als Eltern, die ihre Kinder auf Leistungsdruck und Konkurrenz trimmen. Diese Lehre hätte in den Film gehört, nicht in seinen Abspann. 

„Frau Müller muss weg!“ wird ein Film aus der „Kenn ich nicht“-Kategorie werden; und ein Film, den man über die Einzelleistungen der Schauspielerinnen und Schauspieler im Gedächtnis behalten wird, indem man sagt: „Aber in diesem Lehrerfilm war die echt super!“ Manchmal reichen Schauspieler für einen vergnüglichen Kinonachmittag – egal, was das für ein Film gerade ist.

Wertung: 5 von 8 €uro