Plakatmotiv: Ist das Leben nicht schön?
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Titel Ist das Leben nicht schön?
(It's a wonderful Life)
Drehbuch Frances Goodrich + Albert Hackett + Jo Swerling
nach der Kurzgeschichte „The Greatest Gift“ von Philip Van Doren Stern
Regie Frank Capra, USA 1946
Darsteller James Stewart, Donna Reed, Lionel Barrymore, Thomas Mitchell, Henry Travers, Beulah Bondi, Frank Faylen, Ward Bond, Gloria Grahame, H.B. Warner, Frank Albertson, Todd Karns, Samuel S. Hinds, Mary Treen, Virginia Patton u.a.
Genre Drama, Fantasy
Filmlänge 130 Minuten
Deutschlandstart
25. Dezember 1962 (TV-Premiere)
Inhalt

Es ist Weihnachtsabend in der Kleinstadt Bedford Falls. Alle Einwohner sind glücklich und zufrieden. Nur George Bailey sieht keinen anderen Ausweg, als sich umzubringen. Sein ganzes Leben lang hat er anderen geholfen und dafür seine eigenen Träume aufgegeben. Doch nun steht er durch einen gemeinen Plan von Finanzhai und Erzfeind Mr. Potter vor dem finanziellen Ruin. Nur durch seine Lebensversicherung könnte er zumindest seine Familie retten. Doch dazu muss er sterben.

Sofort wird ein himmlischer Helfer ausgesandt: Clarence, ein Engel, der sich erst noch seine Flügel verdienen muss. Er will George beweisen, wie schön das Leben doch ist und wie schlecht es Bedford Falls ohne George ginge …

Was zu sagen wäre

Frank Capras Lob-und-Preis-Gesang auf Heimat und Menschlichkeit. Dieser George Bailey, der stets so große Pläne hatte, die Welt bereisen, sich den Staub seiner kleinen Heimatstadt von den Sohlen wischen wollte, dem aber immer die Wünsche und Planungen anderer dazwischen kamen, macht mit seiner positiven Lebenseinstellung eine ganze Stadt glücklich – außer sich selbst. Glaubt er jedenfalls; er ist ja auch nice auf die Idee gekommen, mal andere um Hilfe zu bitten.

Es ist ein Lobgesang auf Main-Street-Town, das alle verlassen wollen, aber von denen am leben erhalten wird, deren Träume als Träume immer am besten funktioniert haben, weil ihre Bestimmung klar auf der heimaterde liegt. Dafür werden diese Menschen reich belohnt – mit wohl geratenen Kindern und Donna Reed als Gattin, die hier einmal mehr famos die bescheidene Good Wife gibt. Dabei war deren Besetzung lange unklar. Als erste Kandidatin für Mary Hatch galt Jean Arthur, die bereits mehrmals unter Frank Capras Regie gestanden hatte, doch Arthur war für ein Engagement am Broadway verpflichtet. Ebenfalls im Gespräch waren Olivia de Havilland, Martha Scott, Ann Dvorak und Ginger Rogers; Letztere hielt die Rolle für zu fade. Am Ende gewann die noch relativ unbekannte Donna Reed den Part.

Für die Rolle des Bösewichts – Henry F. Potter – wurden ebenfalls zahlreiche Kandidaten gehandelt: Edward Arnold, Charles Bickford, Edgar Buchanan, Louis Calhern, Victor Jory, Raymond Massey, Vincent Price und sogar Thomas Mitchell, der später den Onkel Billy spielte. Schließlich holte Oscarpreisträger Lionel Barrymore die Rolle, zumal er damals jedes Weihnachten höchst erfolgreich den Ebenezer Scrooge aus Dickens' Eine Weihnachtsgeschichte im Radio sprach. Aufgrund seiner Arthritis war Barrymore auf einen Rollstuhl angewiesen. Deshalb traf dies im Film auch auf Mr. Potter zu. Barrymore spielt diesen Potter mit aller Fiesheit, die er aufbringen kann – inklusive gegeltem Haupthaar. An dieser Ebenezer-Scrooge-Figur ist wahrlich nichts Schönes, außer eben der feinen Kunst des Lionel Barrymore.

Und über allem glänzt James Stewart („Die Nacht vor der Hochzeit“ – 1940; „Rendezvous nach Ladenschluss“ – 1940; „Mr. Smith geht nach Washington“ – 1939) als freundlicher Nachbar mit der uneigennützig helfenden Hand. Bei James Stewart frage ich mich immer, kommt da die Rolle zu ihm? Oder macht er die zu spielende Figur zu seiner Rolle? Herzenswarm! Er hat eine lange, ungeschnittene Szene mit Donna Reed, als die – Mary – noch nicht seine Frau ist. Sie telefonieren beide mit ihrem Schulfreund Sam, der Mary schon für sich beansprucht. dabei kommen sich george und Mary über den Telefonapparat näher und küssen sich endlich. Wunderbar inszeniert. Wunderbar gespielt. Wunderbar geschrieben.

Die Qualität des Drehbuchs erkennt man an der schönen Idee, dass Schutzengel Clarence, ein Engel nur 2. Klasse, sich seine Flügel erst noch verdienen muss und er als kauzig eingeführt wird, als eriner, der seit 200 Jahren Schutzengeltum nicht wirklich vorangekommen ist; das hebt die Fallhöhe und markiert: Nur mit Anstand und Fleiß kommst Du im Leben – wie im Himmel – weiter.

Aber: Wohlstand ist nicht alles. Jenes Bedford Falls, das Clarence George zeigt, nachdem der als nie geboeren abgeheftet ist, ist ein dunkler klater Ort, in dem selbst der Schnee jene putzigkeit verloren hat, die er eben noch hatte – die Main Street ist gesäumt von Striptease-Lokalen, Casinos und Glückspiel – Huren, Rausschmeißer und CVops bevölkern das Straßenbild. Der Reichtum, den Geldsack Potter der Stadt angedeihen lassen will, ist wurmstichig – und eine kleine Kapitalismus-Kritik: Gib den arbeitenden Menschen Ablenkung, damit sie ihr sauer verdientes Geld gleich wieder ausgeben. Selbst Georges freundlich lächelnde Mutter mutiert zur giftigen Hexe. Zeitweise geriet der Film deshalb sogar ins Visier des FBI, das ihn aufgrund seiner Kapitalismuskritik begutachtete und im Mai 1947 in einem Memorandum schrieb: „In Hinblick auf den Film „It’s a Wonderful Life“, sagte XYredigiertvor allem, dass der Film recht offensichtliche Versuche macht, Bankiers zu diskreditieren, indem man Lionel Barrymore als „Scrooge-Typus“ zum meistgehassten Mann des Filmes macht. Das ist laut diesen Quellen ein üblicher Trick von Kommunisten. Außerdem sagte XYredigiert, dass seiner Meinung nach dieser Film absichtlich die Oberschicht schlecht macht, indem er zu zeigen versuche, dass Leute, welche Geld haben, gemeine und verachtenswerte Charaktere hätten.

Denke immer daran: Ein Mann, der Freunde hat, ist nie ein Versager!

Wertung: 7 von 7 D-Mark