Plakatmoriv: Fast & Furious 8
Das schlägt dem Fass den
Boden unter den Füßen weg
Titel Fast & Furious 8
(The fate of the Furious)
Drehbuch Chris Morgan
mit Charakteren von Gary Scott Thompson
Regie F. Gary Grey, 2017
Darsteller

Vin Diesel, Jason Statham, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Charlize Theron, Tyrese Gibson, Ludacris, Kurt Russell, Scott Eastwood, Nathalie Emmanuel, Luke Evans, Helen Mirren, Elsa Pataky, Kristofer Hivju, Patrick St. Esprit, Janmarco Santiago u.a.

Genre Action
Filmlänge 136 Minuten
Deutschlandstart
12. April 2017
Website thefastandthefurious.com
Inhalt
Können Dom und seine Freunde, die er Familie nennt, endlich ein normales Leben führen? Nach dem Rückzug von Brian und Mia hat er sich mit Letty in die Flitterwochen verabschiedet und die restliche Crew ist von allen Vergehen aus der Vergangenheit freigesprochen worden.

Doch dann taucht die mysteriöse Cyber-Terroristin Cipher auf, erpresst Dom und macht ihn zu ihrem Partner bei einer Reihe von Verbrechen. Mr. Nobody bittet die Gang um Letty, Roman, Tej und Co., zu helfen. Gemeinsam mit Hobbs, der wegen Doms Verrat im Knast sitzt, und Todfeind Deckard Shaw müssen sie bei einer Jagd rund um den Globus eine Anarchistin stoppen, die Chaos in die Welt bringen will.

Und wichtiger: Sie müssen den Mann nach Hause holen, der sie zu einer Familie machte …

Was zu sagen wäre

Die Serie der Furious hat den Boden ja nicht erst seit dem hanebüchenen Flugzeug„stunt“ aus dem siebten Teil verlassen – aber seit dem dann so richtig. Regeln der Physik haben im Universum der Furiou Family keine Bedeutung – hier halten durchschnittliche Autotüren dem Kugelhagel großkalibriger Kanonen stand, haut Dwayne „The Rock“ Johnson mit bloßen Fäusten hochgerüstete, schwere Helme tragende Polizisten im Dutzend aus den Kampfstiefeln, gewinnen Muscle Cars ein Rennen gegen eine Wärme gesteuerte Lenkrakete; es ist Comic-Kino.

Umso bedauerlicher, dass nun zunehmend testosteronhaltige Schrumphirn-Akrobaten das, was da auf der Leinwand passiert, für bare Münze nehmen. Da hilft auch die Anmerkung im Abspann nichts, wonach die gezeigten Autostunts gefährlich seien, von erfahrene Stuntpiloten ausgeführt wurden und das auf abgesperrten Strecken unter kontrollierten Bedingungen; mit Fug und Recht könnte man noch anknüpfen, dass über die Hälfte der Stunts ohnehin digital erzeugt worden sei. Aber wozu das alles? Besagte Schrumpfirne beherrschen nicht nur die Kunst des Lesens eher oberflächlich, sie verlassen auch fluchtartig den Kinosaal, sobald nach der Action erste Buchstaben auf der Leinwand den Abspann ankündigen. Manche gehen auch schon, wenn Vin Diesel als Dom die wieder zusammengeführte, jedes Mal um mindestens ein Mitglied erweiterte Familie zum rituellen Dankesgebet um seinen Tisch versammelt.

Diese Schrumpfhirn-Akrobaten aus dem wirklichen Leben, die in Köln, in Berlin und anderen realen Städten mit ihren Autos reale Menschen töten, weil sie glauben, man könne tatsächlich mit einem Lamborghini auf Breitwalzen über eine Eisfläche rasen und dabei kontrollierte Lenkbewegungen ausführen, man könne mit einem getunten Plymouth Road Runner GTX vier gepanzerte Raketenwerfer mit einem Schubs aus dem Verkehr schleudern, mit einem verrosteten Chevrolet Fleetline, dessen Motor schon brennt, auch noch im Rückwärtsgang gegen ein hochgezüchteten V8-Motor in Havannas Innenstadt gewinnen, trüben den Spaß, den diese Filme für alle anderen, denkenden Menschen bedeuten, die wissen, dass das hier Comic ist. Die sich freuen über sophisticated Action, über running Gags und coole Ideen. Eine in diesem Film lautet: Wie kann man einen Dom Toretto festnagel? Nur, indem man dessen Wagen aus fünf Autos fünf Richtungen harpuniert und Toretto samt Wagen dann wie einen wilden Mustang zu bändigen versucht – gelingt auch nicht immer.

Der neue im Team diesmal ist Scott Eastwood (Suicide Squad – 2016; Snowden – 2016; Kein Ort ohne Dich – 2015; Herz aus Stahl – 2014; Back in the Game – 2012), der als alberne Agentennummer, „Little Nobody“, unerfahrener Kollege von Mister „Kurt Russell“ Nobody eingeführt wird, sich im Laufe der 130 Minuten aber seine Sporen verdienen darf – unter anderem auf einer großen Eisfläche, durch die ein Atom-U-Boot bricht. Ein – schon wieder – großer Spaß.

Dwayne „The Rock“ Johnson, der als Schauspieler über die Jahre in unterschiedlichsten Rollen viel dazu gelernt hat („Central Intelligence“ – 2016; San Andreas – 2015; „Hercules“ – 2014; Pain & Gain – 2013; G.I. Joe – Die Abrechnung – 2013; „Zahnfee auf Bewährung“ – 2010; „The Scorpion King“ – 2002), schafft hier sympathisch schlagfertig klingende Testosteron-Dialoge mit Kampfkunstwiesel Jason Statham nach dem Prinzip „Ich hau Dir die Zähne so tief in den Rachen, dass du Deine Zahnbürste zum Arschloch reinschieben kannst!“ „Kann es sein, dass Dir das enge T-Shirt die Blutzufuhr zum Gehirn abschneidet? Du solltest ‘ne Nummer größer tragen!“ „Ich werd‘ auf Dir rumschlagen, wie auf ‘ner Indiandertrommel.“

Plakatmoriv: Fast & Furious 8Das ist, naja, albern natürlich, passt sich damit aber der gehobenen Stimmung dieses Familienausfluges durch die Welt an – um das Hauptpersonal dieser Blechorgie muss man sich keine Sorgen machen, es kommt – wenn nicht nach Paul Walker ein weiterer der Schauspieler in einen tödlichen Unfall verwickelt wird oder über einen Gagen-Rausch stolpert – niemand ernsthaft zu Schaden; Jasom Statham (Spy: Susan Cooper Undercover – 2015; Homefront – 2013; Parker – 2013; The Expendables – 2010;  „Crank“ – 2006; Collateral – 2004; The Italian Job – Jagd auf Millionen – 2003; „The Transporter“ – 2002; Ghosts of Mars – 2001; Snatch – Schweine und Diamanten – 2000; Bube Dame König grAS – 1998) schaltet eine schwerbewaffnete Söldnertruppe an Bord eines gepanzerten Flugzeuges aus, während er ein wenige Monate altes Baby auf dem Arm trägt (dem er zum Schutz gegen etwaige Traumata einen Kopfhörer mit lustigen Kinderliedern aufgesetzt hat, damit es von der Schläger- und Ballerei abgelenkt ist). Die Family Values dieses professionell unterhaltsamen Actioncomics erstrecken sich mittlerweile auf zwei Generationen und diverse Verzweigungen in Nebenfamilien. Mittlerweile ist auch die große Helen Mirren (Verborgene Schönheit – 2016; Trumbo – 2015; „Die Frau in Gold“ – 2015; Madame Mallory und der Duft von Curry – 2014; Hitchcock – 2012; R.E.D.: Älter. Härter. Besser. – 2010; Brighton Rock – 2010; State of Play – Stand der Dinge – 2009; Die Queen – 2006; Gosford Park – 2001; Das Versprechen – 2001; Tötet Mrs. Tingle! – 1999) im Franchise angekommen. Am leichten Ton des Films ist F. Gary Greys Handschrift zu erkennen, der zusammen mit Theron und Statham 2003 das Heist-Movie The Italian Job – Jagd auf Millionen zu einem ähnlichen fröhlich-swingenden Verbrecherausflug machte.

Die Frauen werden wichtiger. Ganz im Sinne wohl von Michelle Rodriguez (Machete Kills – 2013; „World Invasion: Battle Los Angeles“ – 2011; Avatar – Aufbruch nach Pandora – 2009; „S.W.A.T. – Die Spezialeinheit“ – 2003; Resident Evil – 2002; The Fast and the Furious – 2001; Girlfight – Auf eigene Faust – 2000), die die Teilnahme an weiteren Fast-&-Furious-Filmen davon abhängig macht, dass Frauen in der Serie eine ernsthaftere Rolle zugestanden wird – also mehr, als die Wackel-Hintern-Hot-Pants-Startflaggenschwenkerinnen, die im obligatorischen Auftaktstraßenrennen (diesmal in Havanna) schon nicht mal mehr Höschen tragen; die sind wohl nicht gemeint, die gehören, so wie sie sind, zur Serie dazu.

Nein, die Frau, die hier alles dominiert, ist die Superhackerin Cypher, die es irgendwie schafft – sowas kann nur Hollywood schadlos behaupten – sämtliche IT überall auf der Welt jederzeit für sich arbeiten zu lassen und in New York dem russischen Verteidigungsminister in dessen gepanzerter Limousine eine Horde fernsgesteuerter Autos mit Fahrassistenzsystemen auf den Hals zu hetzen, bzw. ihn aus einem Parkhaus heraus damit zu bewerfen. Charlize Theron gibt dieser Cypher eisgekühlten, diabolischen Charme („Atomic Blonde“ – 2017; The Huntsman & the Ice Queen – 2016; Snow White and the Huntsman – 2012; Prometheus – 2012; Young Adult – 2011; „Im Tal von Elah“ – 2007; „Kaltes Land“ – 2005; „Monster“ – 2003; The Italian Job – Jagd auf Millionen – 2003; Im Bann des Jade Skorpions – 2001; 15 Minuten Ruhm – 2001; Die Legende von Bagger Vance – 2000; Men of Honor – 2000; The Yards – Im Hinterhof der Macht – 2000; Wild Christmas – 2000; Gottes Werk & Teufels Beitrag – 1999; „The Astronaut's Wife“ – 1999; Mein großer Freund Joe – 1998; Im Auftrag des Teufels – 1997; That Thing You Do! – 1996; 2 Tage in L.A. – 1996). An solchen Rollen hat sie nicht erst seit Mad Max – Fury Road (2015) offenbar ihre Freude, als sie als Imperator Furiosa die heimliche Hauptrolle hatte. Hart um sich hauen konnte sie schon in Hancock (2008) gut, lustvoll verschlagen und kerliger als alle Cowboys tobte sie sich auch in Seth McFarlanes A Million Ways to Die in the West (2014) aus. Selten, dass ihre Stimme als Cypher Sprechlautstärke erreicht – meistens reicht ein Flüstern, um alle Kerle um sie herum auf Linie zu bringen; als sie das erste Mal schreit, ist ihr clever geplanter Coup an der barocken Fahrkunst des Familienoberhauptes Vin Diesel (xXx: Die Rückkehr des Xander Cage – 2017; „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ – 2016; „Find Me Guilty“ – 2006; The Fast and the Furious – 2001; Pitch Black – Planet der Finsternis – 2000; Der Soldat James Ryan – 1998) bereits gescheitert – „Du hattest schon verloren, als Du in meinen Flitterwochen aufgekreuzt bist.“ Zack! Boum!!

Wertung: 7 von 8 €uro