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Kinoplakat: Falsches Spiel mit Roger Rabbit
Ein Film Noir für
Mensch und Toon
Titel Falsches Spiel mit Roger Rabbit
(Who Framed Roger Rabbit)
Drehbuch Jeffrey Price + Peter S. Seaman
nach dem Roman „Who Censored Roger Rabbit?” von Gary K. Wolf
Regie Robert Zemeckis, USA 1988
Darsteller Bob Hoskins, Christopher Lloyd, Joanna Cassidy, Charles Fleischer, Stubby Kaye, Alan Tilvern, Richard LeParmentier, Lou Hirsch, Betsy Brantley, Joel Silver, Paul Springer, Richard Ridings, Edwin Craig, Lindsay Holiday, Mike Edmonds u.a.
Genre Crime, Abenteuer
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
27. Oktober 1988
Inhalt

Los Angeles 1947: Die Megapolis am Pazifik steht vor dem Umbruch, Großinvestoren kaufen die Verkehrsbetriebe auf, rationieren und schmeißen Leute raus, Provatdetektiv Eddie Valiant trinkt mehr, als ihm gut tut, seit sein Bruder und Partner von einer Zeichentrickfigur, einem Toon, ermordet wurde – sie hatte ihm ein Klavier auf den Kopf geworfen, aus dem 12 Stock. Seitdem will Eddie mit den Toons nichts mehr zu schaffen haben.

Im Auftrag des Studiobosses R.K.Maroon allerdings soll Eddie Fotos machen, die beweisen, das Jessica Rabbit, die Frau des Toon-Stars Roger Rabbit, fremd geht. Eddie liefert die gewünschten Fotos und Roger, der Toon-Hase bricht in Verzweifelung aus, als er sieht, wie seine geliebte Jessica mit Filmmogul Marvin Acme Back-Backe-Kuchen spielt.

Am nächsten Tag ist Marvin Acme tot, erschlagen von einem Tresor, den – offensichtlich – ein Toon auf ihn geworfen hat. Roger Rabbit ist der Hauptverdächtige. Da Valiant durch die Art des Mordes an seinen toten Bruder erinnert wird und da ausgerechnet Jessica Rabbit persönlich die Unschuld ihres Mannes beteuert, weckt der Fall schließlich doch noch sein Interesse. Zudem ist da der düstere Gesetzehüter von Toontown, Judge Doom, der zusammen mit seinen Handlangern, den Wieseln, überall Angst, Schrecken und – jedenfalls bei Eddie – Misstrauen sät. Irgendwas stimmt nicht. Zumal der Richter sehr freigiebig mit einer „Suppe” genannten Mischung aus Aceton, Terpentin und Benzol hantiert – dem einzigen Mittel, das einen Toon töten kann.

Eddie Valiant stellt das Trinken ein und erfährt, dass Acme ein Testament verfasst hat, wonach er Toontownt den Toons vererbt; dieses Testament konnte jedoch nicht gefunden werden. Wenn dieses Dokument nicht bald auftaucht, wird eine Privatfirma namens Cloverleaf, die schon die städtische Straßenbahn aufgekauft hat, auch Toonstadt übernehmen. Und zu allem Überfluss versteckt sich Roger bei Valiant und erschwert dem dadurch sein Leben und seine Ermittlungen …

Was zu sagen wäre

in Robert-Zemeckis-Film. Nach seinem Erfolg mit Zurück in die Zukunft (USA 1985) setzt Zemeckis, der gerne den schweren Weg des Tüftlers geht, hier Menschen gleichberechtigt neben Zeichentrickfiguren (Cartoon, Kurzform Toon) und lässt sie gemeinsam agieren. Das ist im Jahr 1988 der Knaller an der SFX-Front. Sein Roger-Rabbit-Exzess markiert den Höhepunkt der Filmindustrie vor dem beginnenden Computerzeitalter, denn „Who framed Roger Rabbit” kommt tatsächlich ohne Computeranimationen aus. Richard Williams inszenierte die Szenen im Zeichentrickbereich und für Tricks und Effekte verließ man sich auf „Industrial Light and Magic”, George Lucas' Special-Effects-Firma.

DVD-Cover: Falsches Spiel mit Roger RabbitZynische Lebensbilanz und Große Verschwörung

Und weil Zemeckis zwar Spaß an der Tüftelei hat, aber auch gerne stringente Geschichten erzählt, und weil Steven Spielberg (Die Farbe Lila – 1985; „E.T. – Der Außerirdische” – 1982) den Film produziert, geht es im Zentrum eben nicht um Menschen, die neben Toons agieren. Es geht, wie immer in den klassischen Noir-Stories um den Privateye am Wendepunkt, um zynische Lebensbilanz und um die große Verschwörung mit millionenschwerer Landnahme. Wem das bekannt vorkommt aus Klassikern des Genres wie „Chinatown” (Roman Polanski – 1974) oder „Tote schlafen fest” (Howard Hawks – 1946), der wundert sich auch nicht, dass im Vorzimmer des Detektivs von Toontown der Schwarze Falke steht, den ein Vorgänger des Detektivs, Sam Spade, 1941 in die Finger bekam („Der Malteser Falke”, Regie: John Huston, Hauptroille: Humphrey Bogart). Der Aufkauf der Straßenbahn und der versuchte Kauf der Toontown durch das Unternehmen Cloverleaf lehnt sich an den Großen Amerikanischen Straßenbahnskandal der 1930er bis 1960er Jahre an, bei dem verschiedene große Autofirmen Straßenbahngesellschaften aufkauften und stillegten um den Autoabsatz zu fördern.

In die große Mordmaschinerie verwickelt gehört natürlich der genannte runtergekommener Privatdetektiv, der mehr trinkt, als gut für ihn ist, eine verruchte Frau, die von sich sagt, sie sei „kein schlechter Mensch, nur so gezeichnet”, ein bösartiger Richter, ein verschwundenes Testamen und ein Zeichentrickhase, dessen Onkel Klopfer heißt. Aber nicht nur Disney-Figuren treten hier neben den eigens für den Film entwickelten Charakteren auf. Warner Bros. gewährte gegen eine feste Lizenzgebühr uneingeschränkten Zugriff auf ihre Trickcharaktere mit der einzigen Auflage, Bugs Bunny und Mickey Mouse müsse gleich viel Zeit bei ihren Auftritten eingeräumt werden. Andere Lizenzinhaber gewährten die Nutzung einiger ihrer Figuren gegen eine Lizenzgebühr pro Charakter. Und so treten neben Warner Bros.' Duffy Duck Disneys Donald Duck und Max Fleischers Betty Boop auf – es ist die große Toon-Party, die Zemeckis und Spielberg hier spendieren.

„Er bringt mich zum Lachen!”

Robert Zemeckis und sein Produzent Steven Spielberg präsentieren uns eine Welt, in der Schlagzeilen wie „Goofy nicht mehr der Spionage verdächtig” zum Alltag gehören. Sehr schön, mit welcher Perfektion und Ernsthaftigkeit das professionelle Storytelling eines großen Kinofilms niemals für den offensichtlichen Klamauk fallen gelassen wird. Effekte, Toon-Mensch-Interaktion, alles was nötig ist, um beides zu beleben, wird nur belebt, um die Story um den Mord voranzubringen und um einen Zeichentrickhasen zu entlasten. Das ist professionelles Hollywood. Christopher Lloyd gibt als Judge Doom eine Gala als verrückter Schurke mit ebenso verrückten Plänen. „Ich habe sowas geahnt. Nur ein Toon kann so alberne Autobahn-Ideen haben”, entfährt es Valiant an einer Stelle.

Und eine Weisheit darf auch in diesem Film, der auch ein Liebesfilm ist, nicht fehlen und sie kommt als Erwiderung auf die naheliegende Frage an die bombastische Jessica Rabbit, was sie bloß an diesem weinerlich-tölpelhaften Hasen finde. Sie antwortet lakonisch: „Er bringt mich zum Lachen!” Das war immer schon die beste Erklärung.

Wertung: 10 von 10 D-Mark
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