Kinoplakat: Escape Plan – Entkommen oder Sterben
Kein Humor, keine Lust und
zwei gelangweilte Haudegen
Titel Escape Plan – Entkommen oder Sterben
(Escape Plan)
Drehbuch Miles Chapman + Jason Keller
Regie Mikael Håfström, USA 2013
Darsteller

Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Jim Caviezel, Faran Tahir, Amy Ryan, Sam Neill, Vincent D'Onofrio, Vinnie Jones, Matt Gerald, Curtis '50 Cent' Jackson, Caitriona Balfe, David Joseph Martinez, Alec Rayme, Christian Stokes, Graham Beckel u.a.

Genre Action
Filmlänge 115 Minuten
Deutschlandstart
14. November 2013
Inhalt

Ray Breslin ist einer der besten Sicherheitsexperten der Welt. Mit seinen Kenntnissen ist er in der Lage, aus jedem Gefängnis auszubrechen und damit genau der richtige Mann für den Auftrag, einen neuen High-Tech-Hochsicherheitstrakt einem Praxistest zu unterziehen: Ray lässt sich inkognito als Insasse im Knast einschleusen. Doch schnell bemerkt er, dass ihm eine Falle gestellt wurde: Es scheint so, als ob ihn die Auftraggeber für immer im Gefängnis schmoren lassen wollen.

Kinoplakat: Escape Plan – Entkommen oder SterbenRay versucht zu entkommen, aber ein Ausbruch scheint tatsächlich unmöglich, denn für den Bau des Superknastes wurden alle Ratschläge befolgt, die er im Laufe seiner Arbeit für den perfekten Knast gegeben hat. Erst als er den Mithäftling Emil Rottmayer kennenlernt, eröffnet sich eine Möglichkeit. Gemeinsam schmieden sie einen Plan, um aus dem „Grab“, wie der Codename der Einrichtung lautet, zu fliehen …

Was zu sagen wäre

„It ain't over til it's over!” nuschelte Sylvester Stallone einst als Rocky seinem Gegner im Ring entgegen, bevor er ihn dann doch platt haute – „es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist“. Ein Satz, der in den Filmzitateschatz einging. Offenbar hat ihn Stallone nicht allzu ernst genommen. Nach „Escape Plan“ murmelt man genervt: „Es ist nicht vorbei, obwohl es vorbei ist!“ Was schade ist. Sieht man von den beiden Expendables-Filmen ab, in denen viele Actionstars aufeinander treffen, unter anderem – und auch nur am Rande – Stallone und Schwarzenegger, ist das hier der erste Film, der die beiden als Team zusammen führt. Im Kinouniversum kann man das „historisch“ nennen. Schade, dass die beiden alten Männer das nicht spüren. Gelangweilt nuscheln und prügeln sie sich durch die Drehbuchseiten und am Ende sagt Schwarzenegger zu Stallone „Ich hoffe, ich sehe Dich nie wieder“ und der antwortet „Oh, das tut jetzt aber auch weh.“ Auf diesem Niveau bewegen sich alle Dialoge in dem Film.

Ein Knastfilm, ausgerechnet. Das Genre für die harten Kerle mit lustigen Tätowierungen. Stallone hat sowas mal auf dem Zenit seiner Karriere gemacht („Lock Up – Überleben ist alles“ – 1989), dieses Feld aber ansonsten Kollegen wie Jean-Claude van Damme und Steven Seagal überlassen. Die Dramaturgie dieses Genres ist so limitiert, wie der Gesichtsausdruck seiner Protagonisten – es gibt den gnadenlosen Gefängnisdirektor, der die jeweilige Hauptfigur „brechen“ will, es gibt sadistische Wärter, dunkle, viel zu kleine Einzelzellen im Isolationstrakt und Mithäftlinge, die tätowiert sind, dreckig lachen, eine Glatze und wahlweise ganz viel oder gar keine Muskeln haben. Man kann also sagen: „Kennst du einen, kennst Du alle“ (Ausnahmen wie John Frankenheimers „Birdman of Alcatraz“ von 1962 bestätigen die Regel). Von zwei erfahrenen Profis im Gewerbe der limitierten Schauspielerei, die mehrere Ikonen des Kinos erschaffen haben, hätte man also erwarten dürfen, dass sie für ihr historisches Aufeinandertreffen mehr mitbringen, als … limitierte Schauspielerei und keine Handlung.

Das Drehbuch ist völlig abstrus und am Reißbrett entstanden. Die Ausgangssituation ist noch okay. Der Experte, der die Sicherheit von Gefängnissen testet. Auch die Motivation, sein Leben freiwillig im Knast zu verbringen, hat was rührendes: Der harte Kerl war mal Staatsanwalt und einer seiner Verurteilten brach aus und brachte Frau und Kind um – ein Stereotyp des Genres, aber immer wieder rührend. Und dann sind sie im Super-Dooper-Mega-Gefängnis und da lässt es der penible Gefängnisdirektor zu, dass zwei Männer andauernd die Köpfe zusammenstecken? Es fällt ihm nicht auf, dass die sich immer abwechselnd prügeln und besprechen – offenbar, um in diese Einzelzellen zu kommen? Der Gefängnisarzt, dem Sam Neill („Für immer Liebe“ – 2012; Der Pferdeflüsterer – 1998; Event Horizon – 1997; „Die Mächte des Wahnsinns“ – 1994; Jurassic Park – 1993) sein Gesicht leiht und dann alles tut, um möglichst nicht erkannt zu werden, wird zur helfenden Hand, weil ihn Stallone auf einmal an seinen hippokratischen Eid erinnert? Stallone sagt „Ich brauche eine Metallplatte, soundso groß“ und Schwarzenegger besorgt sie ihm mal eben in diesem Hochsicherheitsgefängnis mit den strengen Wachen, indem er sich ein wenig foltern lässt? Wie gesagt: Drehbuch vom Reißbrett – kein Funken Leben drin.

Stallone (Shootout – 2012) und Schwarzenegger werden erkannt haben, dass ihre Namen auf dem Kinoplakat nicht mehr ziehen wie einst – die 1980er Jahre mit RockyConanRambo und Terminator sind lange her. Deshalb macht Stallone ironisch gebrochene Over-the-Edge-Sachen wie The Expendables und baut Schwarzenegger in seine kargen Dialogzeilen gerne sein Alter ein („Wie fühlen Sie sich, Sheriff?“ „Alt!“). Ihr Ego lässt vielleicht nicht zu, sich entspannt zu Ruhe zu setzen. Statt dessen testen sie ihren Marktwert und weil sie nicht mehr bekommen, was sie wollen, sondern nehmen müssen, was die Filmstudios ihnen übrig lassen, kommt dann „Escape Plan“ bei raus. 112 Millionen Dollar gab es dafür im weltweiten BoxOffice. Sieht nicht nach dem zweiten Frühling einer Karriere aus.

Wertung: 2 von 7 €uro