Kinoplakat: Enemy Mine – Geliebter Feind
Ambitioniertes Drama verirrt
sich in der Science-Fiction
Titel Enemy Mine – Geliebter Feind
(Enemy Mine)
Drehbuch Edward Khmara
nach einer Kurzgeschichte von Barry B. Longyear
Regie Wolfgang Petersen, USA 1985
Darsteller Dennis Quaid, Louis Gossett Jr., Brion James, Richard Marcus, Carolyn McCormick, Bumper Robinson, Barry Stokes, Emily Woods, Herb Andress u.a.
Genre Science Fiction
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
12. Dezember 1985
Inhalt

Es herrscht Krieg im All: Menschen kämpfen gegen Dracs. Der Raumpilot Willis Davidge und der Drac Jeriba Shigan liefern sich ein Gefecht und müssen auf einem ungastlichen Planeten notlanden.

Shigan nimmt Davidge gefangen, aber beide lernen, dass man auf diesem Planeten besser zusammenhält. Naturgewalten töten den, der nicht aufpasst. Drac und Mensch werden schließlich Freunde. Als Shigan Nachwuchs erwartet und spürt, dass es bei der Geburt zu Problemen kommen wird, verpflichtet sich Davidge, für das Kind zu sorgen. Damit der junge Drac später in die Gemeinschaft seines Volkes aufgenommen werden kann, lernt er die Liste seiner Ahnen auswendig.

Shigan stirbt bei der Geburt, und Davidge zieht dessen Nachkommen Zammis allein auf. Endlich landet ein Raumfrachter auf dem abgelegenen Planeten. Aber Davidge und Zammis freuen sich zu früh. Es landen Scavengers, Piraten, die Dracs als Sklaven in die Minen schicken …

Was zu sagen wäre

Science-Fiction-Special-Effects-Kino aus Deutschland. Nachdem Wolfgang Petersen (Das Boot – 1981) mit Die unendliche Geschichte (1984) bewiesen hatte, dass er – und dass deutsche Studios – Kino nach Hollywood-Maßstab können, investierte die 20th Century Fox in Petersen, Bavaria-Studios und in „Enemy Mine”, einen Science-Fiction-Stoff, der lose auf einem Kriegsfilm aus den 1960er Jahren basiert. In „Die Hölle sind wir” (Hell in the Pacific, John Boorman 1968) spielen Lee Marvin (USA) und Toshiro Mifune (Japan) verfeindete Piloten im zweiten Welktkrieg, die auf einer Insel notlanden und sich dort zusammenraufen müssen.

Kinoplakat: Enemy Mine - Geliebter FeindAm Ende gehen alle unbefriedigt nach Hause

Der Film ist unklar: Europäisches Erzähl-Drama trifft auf die kommerziell-professionelle Kunst der US-Filmindustrie; er ist sowohl humanes Drama um den Freund im Feind als auch hartes Science-Fiction-Kriegsgetöse um zwei verfeindete High-Tech-Rassen. Am Ende gehen alle unbefriedigt nach Hause, Freunde der Science-Fiction ebenso wie die Freunde europäischen Dramas. Dabei ist es ein mutiges Experiment und der Film – mit ein wenig Abstand betrachtet – auch gar nicht schlecht. Aber im Kino müssen erst Erwartungen befriedigt und dann mit Überraschungen übertroffen werden. Erwartungen wurden hier nicht übertroffen, überraschend ist der Film nur an der Stelle, an der sich herausstellt, dass Dracs Zwitterwesen sind und Jeriba schwanger. Es passierte einfach zu wenig.

Es war die Zeit der Jedi-Ritter, Weltraum ging gut im Kino, dauernd wurden Anfang der 1980er Galaxien erobert, Aliens bekämpft, Raumschiffe zerstört. All das passiert in „Enemy Mine” nicht – lediglich zu Beginn werden ein paar Jäger zerstört. Danach erleben wir hauptsächlich ein Zwei-Personen-Stück, das mit großem Aufwand inszeniert wird – Aufwand, der dem Stück als solchem nicht hilft, denn was der Film zeigen will, hat die Vorlage von 1968 auch schon gezeigt – der Rest ist am Ende nur SciFi-Tinnef.

Eine preisgekrönte Kurzgeschichte

Die Handlung des Films beruht auf einer Science Fiction-Kurzgeschichte des für dieses Werk auch preisgekrönten (Hugo- und Nebula Award) Autors Barry B. Longyear (*1942), die 1979 erstmals erschien als „Enemy Mine”. Auf deutsch wurde sie unter dem Titel „Du, mein Feind” bzw. „Mein lieber Feind” veröffentlicht. Der Roman zum Film wurde von dem SF-Autor David Gerrold auf der Grundlage dieser Kurzgeschichte erweitert.

Wolfgang Petersen drehte den Film in den Münchner Bavaria Filmstudios und auf Lanzarote.

Wertung: 6 von 9 D-Mark