Kinoplakat: Eine neue Freundin
Ein unauffälliger Film
mit Wucht im Nachgang
Titel Eine neue Freundin
(Une nouvelle amie)
Drehbuch François Ozon
nach dem gleichnamigen Roman von Ruth Rendell
Regie François Ozon, Frankreich 2014
Darsteller
Romain Duris, Anaïs Demoustier, Raphaël Personnaz, Le Besco, Aurore Clément, Jean-Claude Bolle-Reddat, Bruno Pérard, Claudine Chatel, Anita Gillier, Alex Fondja, Jonathan Louis, Zita Hanrot, Pierre Fabiani, Mayline Dubois, Anna Monedière u.a.
Genre Drama
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
26. März 2015
Inhalt

Laura stirbt in jungen Jahren an einer tragischen Krankheit und hinterlässt eine kleine Tochter namens Lucie und ihren am Boden zerstörten Ehemann David. Lauras bestürzte beste Freundin Claire macht es sich daraufhin zur Aufgabe, dem Witwer in der Trauerphase beizustehen und ihn auch bei seinen Vaterpflichten tatkräftig zu unterstützen.

David selbst hingegen versucht, die plötzliche Abwesenheit von Lucies Mutter zu kompensieren, indem er seine feminine Seiten entfaltet, die er sein Leben lang vor der Außenwelt versteckt gehalten hatte. Als Claire diesen plötzlichen inneren wie äußeren Wandel Davids mitbekommt, ist sie schockiert.

Doch ihr wachsendes Interesse an seinem Geheimnis lässt die neue Situation bald immer vertrauter werden …

Was zu sagen wäre

Ich kann mir nur in meiner Phantasie ausmalen, wie es in etwa gelaufen sein muss. François Ozon liest die Geschichte von Ruth Rendell und setzt fortan alle Hebel in Bewegung, um an die Filmrechte zu kommen. Er selbst hat es so formuliert: „Ich las diese Kurzgeschichte vor über 20 Jahren und hab zuerst ein sehr originalgetreues Drehbuch für einen Kurzfilm daraus gemacht. Doch leider fand ich damals weder eine Finanzierung noch die passende Besetzung, also habe ich das Projekt fallen gelassen.“

Seit Jahren etabliert als Regisseur, der die Frauen liebt, lässt Ozon jetzt endlich auch die Männer zu Frauen werden. Und es funktioniert. Genauso entspannt, wie es funktioniert hat, als Catherine Deneuve in den 8 Frauen (2002) plötzlich singt und nicht jeden Ton trifft. Ozon hat ein wunderbares Talent, angestrengte Lebensläufe ganz unanstrengend zu erzählen, mit so leichter Hand, dass der Zuschauer nicht irgendwann genervt das Handtuch wirft.

Natürlich hat es was von Wellness-Kino in der Art, wie hier die Toleranz für Transgender-Menschen aus allen Poren spritzt. Wir können in die Hände klatschen vor Freude, dass wir auf der Seite der Guten sind. Ist man bösartig, unterstellt man Ozon eine krankhaft ausgeprägte Neigung zum anderen Geschlecht und zerfetzt dann den humorersken, ja geradezu alltäglich dargstellten Geschlechterwechsel in diesem Film. Punkt.

Aber mir hat der Film gefallen. Anaïs Demoustier, die die Claire spielt, die Freundin, die immer die zweite Geige hinter Laura gespielt hat und auch nach deren Tod in deren Schatten bleibt, spielt wunderbar vielschichtig diese schüchtern-pragmatische Frau. Es freut mich, dass sie Spaß daran hat, mit ihrer neuen Freundin shoppen zu gehen. Der Momemt, in dem ihr klar wird, was im Haus ihrer verstorbenen Freundin abgeht, ist einer der großen Kinomomente 2015 – ganz unspektakulär eine spektakuläre Wende eingeleitet.

Wertung: 6 von 8 €uro