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Kinoplakat: Ein amerikanischer Quilt
So bunt wie das Leben
nur drei Kilo süßlicher
Titel Ein amerikanischer Quilt
(How to Make an American Quilt)
Drehbuch Jane Anderson
nach dem gleichnamigen Roman von Whitney Otto
Regie Jocelyn Moorhouse, USA 1995
Darsteller

Winona Ryder, Dermot Mulroney, Ellen Burstyn, Anne Bancroft, Kate Capshaw, Adam Baldwin, Alfre Woodard, Lois Smith, Jean Simmons, Maya Angelou, Kate Nelligan, Kaelynn Craddick, Sara Craddick, Denis Arndt, Rip Torn u.a.

Genre Drama
Filmlänge 109 Minuten
Deutschlandstart
1. Februar 1996
Inhalt

Die junge Finn verbringt den Sommer im idyllischen Haus ihrer Großmutter. Hier will sie zum einen ihr Essay über „Handarbeit in verschiedenen Stammeskulturen“ zu Ende bringen und sich zum anderen auf ihre bevorstehende Hochzeit mit Sam einstimmen.

Ihre Großmutter und deren Freundinnen sticken derweil den traditionellen Hochzeitsquilt und erzählen dabei aus ihren bewegten Lebensläufen: die lebenslustige Sophia, die einen Geologen ehelichte und mit Baby auf dem Arm am heimischen Herd landete; die stille Em, Muse und Ehefrau eines egoistischen Malers, die seit 50 Jahren die unzähligen Affären ihres Gatten erträgt; Glady, deren Ehemann sie einst mit Gladys Schwester betrog … nach und nach erzählen alle Frauen ihre Geschichten.

Finn wird dadurch verunsichert, glaubt sie doch nicht an die Monogamie. Diese Einstellung lebte ihr ihre Mutter Sally vor, die sich bald nach Finns Geburt von ihrem Mann trennte. Finn lernt an einem der heißesten Tage des Sommers einen jungen Mann im Schwimmbad kennen, der ihr den Kopf verdreht. Sie beginnt eine Affäre mit ihm und hofft, dass sie sich dadurch endlich darüber klar wird, ob sie bei ihrem Sam bleiben möchte oder nicht …

Was zu sagen wäre

Jocelyn Moorhouse bietet uns so eine Art Episodenfilm. Viele Geschichten und Schicksale, kunstvoll miteinander verwoben durch den Quilt, den die Ladys knüpfen. Denn nichts anderes als das Leben selbst ist dieser bunte Quilt, der da entsteht. „How to make an american Quilt“ könnte auch heißen „How to live an american Life when You are female“. Die Episoden deklinieren Spielarten der Ehe durch – und keine scheint für eine ambitionierte junge Frau zu passen.

Und sind die Pläne der Verliebten noch so gemeinsam, am Ende sind die Frauen die Zurückgelassenen, die Babys wickeln statt die Welt zu erkunden; oder die sitzen gelassen wurden, weil der Mann eine andere gefunden hat. Für etwaige Männer im Publikum ist das nict ganz einfach. Ihre Sicht auf die Dinge mit ehe und familie und den Sachzwängen der späten 50er kommt nicht zur Sprache. Kein Wunder: Die Romanvorlage stammt von einer Frau (Whitney Otto), das Drehbuch stammt von einer Frau (Jane Anderson), Regie führt eine Frau . (Jocelyn Moorhouse). Die Männer, die auftauchen, sind einsilbige Schwächlinge, Angeber mit Muskeln, bemitleidenswert überfordert oder sanft und gütig wie Dermot Mulroney, der Finn eben erst einen Heiratsantrag gemacht hat. Die wichtigen Rollen, Hauptrollen, Figuren, die mehrschichtigen Charakter bekommen, sind alles Frauen.

Anne Bancroft (Malice – Eine Intrige – 1993; Die Reifeprüfung – 1967), Jean Simmons (Spartacus – 1960; Weites Land – 1958), Ellen Burstyn (Der Exorzist – 1973; Die letzte Vorstellung – 1971), Alfre Woodard, Kate Nelligan („Der Herr der Gezeiten“ – 1991; „Schatten und Nebel“ – 1991; Frankie und Johnny – 1991) – alle Frauen, die in Hollywood ihre Fußabdruck hinterlassen haben, adeln den Film mit ihrer Präsenz.
In ihrer Mitte die wunderbar aufspielende, vom Zweifeln geplagte Winona Ryder („Betty und ihre Schwestern“ – 1994; „Reality Bites“ – 1994; Das Geisterhaus – 1993; „Zeit der Unschuld“ – 1993; Bram Stokers Dracula – 1992; Meerjungfrauen küssen besser – 1990; Edward mit den Scherenhänden – 1990; Great Balls of Fire – 1989), die ihrer jungen Karriere einen weiteren Mosaikstein hinzusetzt.

Als Mann im Kinosessel saugt man Nektar aus dieser sehr weiblichen Sicht der Dinge, wenn man sie als solche nimmt und einnimmt: Ah, so sieht das für Euch alsio aus. Nicht dass das nicht seit den 70er Jahren bei uns Alice Schwarzer predigt und uns Männer eher zum Wegsehen treibt. Jocelyn Moorhouse serviert den weiblichen Blick in warmen pastelltönen in sonniger Landschaft. Die Frage allerdings, wie Männer sich in den erzählten Episoden hätten anders verhalten können, bleibt offen. Soll man also auf Kinder verzichten und die Reise um die Welt anstreben? Beider Selbstverwirklichung geht nicht, wenn man Kinder will. Erziehungszeiten, Vätermonate gab es in jenen 50er Jahren noch nicht. Letztlich wird klar: Für Frauen war das Leben noch viel beschissener als für Männer.

Ärgerlich ist der Schluss, wenn sich Finn eigentlich zu einer gewissen Selbständigkeit erzogen hat. Da taucht dann eine fabulöse Krähe wieder auf, die einst Annas Mutter mit dem richtgen Liebhaber zusasmmengebracht hatte. Finn findet über die Krähe nun ausgerechnet zurück zu Sam … naja. Im Schluss-Offtext darf sie ihre Erkenntnis über das Leben im allgemeinen und die Liebe im Spezielklen formulieren, dass man als Frau nie etwas weiß, Dinge gut laufen, aber auch schlecht laufen können, dass man das kaum steuern könne, man müsse halt tapfer sein und einfach das Beste hoffen.

Müssen Männer übrigens auch. Aber Männer auf Selbstfindungstrip, dann gerne im Militärjet oder im Rennauto, erleben wir ja in zahlreichen anderen Filmen.

Wertung: 7 von 10 D-Mark
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