Kinoplakat: Edge of Tomorrow

Absurder Popcorn-Actioner
zündet die Magie des Kinos

Titel Edge of Tomorrow
(Edge of Tomorrow)
Drehbuch Christopher McQuarrie + Jez Butterworth + John-Henry Butterworth
nach dem Roman „All You need is Kill“ von Hiroshi Sakurazaka
Regie Doug Liman, USA, Australien 2014
Darsteller Tom Cruise, Emily Blunt, Brendan Gleeson, Bill Paxton, Jonas Armstrong, Tony Way, Kick Gurry, Franz Drameh, Dragomir Mrsic, Charlotte Riley, Masayoshi Haneda, Terence Maynard, Noah Taylor, Lara Pulver, Madeleine Mantock u.a.
Genre Science Fiction, Action
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
29. Mai 2014
Website edgeoftomorrowmovie.com
Inhalt

Die nahe Zukunft: die Menschheit steht vor dem Aus. Die Mimics stehen kurz davor, den Planeten Erde komplett zu übernehmen. Die Außerirdischen haben den gesamten europäischen Kontinent unter Kontrolle und sind kurz davor, London zu überrennen, Sitz der weltweiten zentral gebündelten Streitkräfte der Menschen. Über Motive der Aliens ist nichts bekannt.

Die Menschheit ist technologisch weit unterlegen und scheint dem Untergang geweiht. Doch noch hat sie nicht alle Hoffnung verloren. Die militärischen Kräfte der ganzen Welt haben sich verbündet, um in einer letzten Offensive gegen das übermächtige Alienheer in die Schlacht zu ziehen.

Der zum Private degradierte Major Bill Cage stirbt während des Kampfes, erwacht aber daraufhin wieder am Morgen desselben Tages. Er steckt in einer Zeitschleife fest, die ihn denselben Tag immer und immer wieder erleben lässt. Je häufiger er ihn durchlebt, desto besser werden seine Fertigkeiten als Kämpfer.

Schon bald kämpft er Seite an Seite mit der Kriegsheldin Rita Vrataski von den Spezialkräften und beginnt neue Hoffnung zu schöpfen.

Rita klärt Cage auf, dass es offenbar drei Hierarchien bei den Aliens gibt, die am Ende alle eins sind – ein einziger lebender Organismus, bestehend aus vielen Arbeits-Mimics, weniger vielen Alpha-Mimics (die so eine Art Kompanieführer darstellen) und dem einen Omega-Mimic. Solange der lebt, hat er die Kontrolle, stirbt er, ist die Invasion schagartig vorbei. Wo dieser Omega-Mimic sich versteckt, weiß niemand. Dass es diesen Omega-Mimic überhaupt gibt und was es mit ihm auf sich hat, weiß auch keiner – nur Rita … und jetzt Cage.

Rita hatte eine Vision des Omega, nachdem sie offenbar einen Alpha-Mimic getötet hatte, dabei mit dessen Blut in Berührung kam und in eine Zeitschleife geriet; sie erlebte am Strand von Verdun dasselbe, was Cage aktuell hier erlebt. Das machte Rita zur Kriegsheldin. Bis sie schwer verletzt wurde und eine Transfusion mit Menschenblut bekam; das beendete die Zeitschleife.

Auch Cage hat so einen Alpha-Mimic getötet und dessen Blut abbekommen. Und bald hat auch Cage eine Vision des Omega. Aber diese Vision erweist sich als Falle der Mimics …

Was zu sagen wäre

Was für ein grandioser Quatsch! Popcorn-Kino pur. Mit allen Ingredenzien eines Summertime-Blockbuster-Movies. Solange man die Story nicht ernst nimmt. Die dient nur dazu, sich einerseits an Tom Cruise abzureagieren und andererseits eine wunderbar fintenreiche Fingerübung zum Thema „Murmeltiertag“ abzuliefern – ummantelt von einer fulminanten Schlachtszenerie am Strand mit lauter unterschiedlichen Facetten.

Die USA retten die Welt vor Deutschland

Schon dieser pseudo-aktuelle Bezug: Die Invasion der Aliens beginnt in Deutschland? Bald ist ganz Europa auf der Landkarte ein roter Fleck und nur die Briten können – mit us-amerikanischer Unterstützung – den maltraitierten Kontinent retten? Die Rettung sowie der Untergang der Menschheit (so genau weiß man das ja am Anfang des Filmes natürlich noch nicht) beginnt an einem französischen Strandabschnitt – wie hübsch, dass sich in den Wochen des Filmstarts der D-Day zum 70. Mal jährt und medienwirksam groß gefeiert wird. Das hilft bestimmt beim Marketing des Films. Aber warum nicht: Verkauft wird in „Edge of Tomorrow“ die hohe Kunst guter Unterhaltung. Und die bekomme ich geboten.

Kinoplakat: Edge of TomorrowIn der ersten halben Stunde erleben wir die Demontage des Tom Cruise (Oblivion– 2013; Jack Reacher – 2012; Mission: Impossible – Phantom Protokoll – 2011; Knight and Day – 2010; Tropic Thunder – 2008; Krieg der Welten – 2005; Collateral – 2004; Last Samurai – 2003; Minority Report – 2002; Vanilla Sky – 2001; Magnolia – 1999; Eyes Wide Shut – 1999). Alles, was dessen Kino-Image sonst ausmacht, fährt ihn hier gegen die Wand. Er wird als Major zum einfachen Rekruten degradiert. Selbst die größten Deppen der Kompanie können ihn ungesraft rumschubsen. Der ehemalige Womanizer muss sich von einer Frau, noch dazu einer Britin, zeigen lassen, wo der Hammer hängt und sich mehrfach von ihr erschießen lassen.

Irgendwann, im Laufe der sich dauernd wiederholenden – und dabei sehr abwechslungsreich mit vielen Überraschungen erzählten – Story, kann er Emily Blunt wenigstens auf Augenhöhe entgegentreten – aber da ist er natürlich auch schon verliebt.

Finale ist aufreizend lahm

Wenn man diesen Film ernsthaft hinterfragt, könnte man auf den Gedanken kommen, dass Hollywood von sich selbst ein bisschen gelangweilt ist, wenn nicht gar die Schnauze ganz voll hat von sich und seinen Konzeptfilmen. Das Finale ist geradezu aufreizend lahm: „Hey!“ hören wir die Studiobosse sagen: „Wir wissen doch eh alle, das Tom Cruise gewinnt und das Mädchen kriegt!“ Der Film wirbt ja wohl nicht zufällig mit der Phrase: „Lebe. Stirb. Noch mal.“.

Warum also lange nach einem sophistcated Ende suchen, wenn es doch nur dazu dient, die Zeit bis zum Abspann zu überbrücken – da können noch ein paar zwischenzeitlich lieb gewonnene Kleindarsteller getötet werden, um den dramatischen Aspekt anzuheben, aber sonst ist doch eh klar, was passiert. Und deswegen könnte man den Film total bescheuert finden.

Und da setzt die Magie des Kinos ein. Der Film macht Spaß! Und im letzten Bild vor dem Abspann lächelt Cruise dann doch wieder dieses weltberühmte Zahnpastalächeln, mit dem er, kaum dass die ersten Titel rollen, wohl die großartig chargierende Emily Blunt ins Bett holen wird.

Die Autoren pfuschen, der Regisseur rettet den Film

An dem Script haben viele Autoren herumgedoktert, das ist heutzutage normal bei den teuren Sommerfilmen und trägt mit dazu bei, dass man die Story mit ihren Elementen aus AliensAvatar, „Und täglich grüßt das Murmeltier“, War of the Worlds, Der Soldat James Ryan, „Der längste Tag“ und weiteren Filmklassikern besser nicht zu genau betrachtet: Aliens, die, wenn bestimmte Mitglieder ihrer Rasse getötet werden, den Tag (was ist ein Tag im Universum? Immer 24 Menschenstunden?) löschen und neu beginnen können? Okay: Mit Aliens, die die Zeit beherrschen, kann ich jeden Kniff – irgendwie – erklären. Es obliegt dem Regisseur, mit dem kruden Script dennoch amüsant und packend zu erzählen.

Und Doug Liman („Fair Game“ – 2010; „Jumper“ – 2008; Mr. & Mrs. Smith – 2005; Die Bourne Identität – 2002) macht seinen Job gut und im Stile eines Video-Gamers, dessen Avatar immer wieder die letzte Lebensenergie verliert und also von vorne beginnen muss, bis er irgendwann weiß, welche Schritte er in welcher Reihenfolge machen muss, um das nächste Level zu erreichen – „Lebe. Stirb. Noch mal.“ Zum Glück erspart Liman uns das, was Gamer in die Verzweifelung treibt: Die enervierende Wiederholung des immer wieder längst Geschafften.

Emily Blunts erotische Autorität

Es ist unklar, wie oft Major Cage seinen Tag wiederholt; aber er tut das oft, das macht Liman mit schönen Bild–, Dialog– und Montage-Ideen deutlich; für Freunde der erzählenden Montage ist der Film ein Fest (für Tom-Cruise-Hasser auch, jedenfalls in der ersten Hälfte).

Eine Erscheinung als toughe Leading Lady ist Emily Blunt (Looper – 2012; Der Plan – 2011; „Der Krieg des Charlie Wilson“ – 2007; „Der Teufel trägt Prada“ – 2006), die so übergroß erscheint, wie das Full-Metal-Bitch-Plakat, das von ihrer Rita im kriegsversehrten London hängt. Als coole Action-Heroine strahlt sie Autorität aus. Da stehen bei ihrem Training dauernd auch so kernige Kerls herum, die wohl zu ihrer Einheit gehören; offenbar sollen die ihre Autorität bebildern. Überflüssig. Das merkt auch die Regie und lässt die Typen sanft aus dem Film verschwinden.

Kurzweilige Bombastunterhaltung ohne Zwischentöne für den Anything-Goes-Hunger zwischendurch.

Wertung: 6 von 8 €uro