Kinoplakat: Düstere Legenden
Klassischer Teenage-Horror
Ganz unterhaltsam und nett
Titel Düstere Legenden
(Urban Legends)
Drehbuch Silvio Horta
Regie Jamie Blanks, USA, Frankreich 1998
Darsteller

Jared Leto, Alicia Witt, Rebecca Gayheart, Michael Rosenbaum, Loretta Devine, Joshua Jackson, Tara Reid, John Neville, Julian Richings, Robert Englund, Danielle Harris, Natasha Gregson Wagner, Gord Martineau, Kay Hawtrey, Angela Vint u.a.

Genre Horror
Filmlänge 99 Minuten
Deutschlandstart
4. Februar 1999
Inhalt

Angst und Schrecken haben Besitz ergriffen vom ehrwürdigen Pendleton College: Unberechenbar und ohne erkennbares Motiv wählt ein irrer Mörder seine Opfer und tötet sie auf bestialische Weise. Die Studentin Natalie glaubt, den Schlüssel zu den Bluttaten des Psychopathen gefunden zu haben: Er mordet nach dem Vorbild düsterer Großstadtlegenden – moderner Volksmärchen, die sich wie ein Virus verbreiten und sich im kollektiven Bewusstsein festsetzen.

Als erste verliert Studentin Michelle Mancini ihren Kopf – durch eine gut geschliffene Axt. Dann wird Damon bei einer Verabredung, nun, hängengelassen – an einem Baum. Weil ihr keiner ihrer Freunde Glauben schenkt, setzt Natalie alles auf eine Karte, dem Killer eigenhändig auf die Spur zu kommen.

Dabei macht sie eine grausame Entdeckung, in der sie selbst eine unappetitliche Hauptrolle erhalten soll …

Was zu sagen wäre

Jeder von uns hat diese Erlebnisse in seiner Vita, die er ungerne an die große Glocke hängt. Die sind für sich genommen keine Geschichte wert. Diese Produktion macht daraus ein Programm: Silvio Horta und Jamie Blanks nutzen diesen Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast-Effekt und veranstalten einen sehr wirkungsvollen Horrorspaß. „Großstadtmärchen“… kleine Schreckensgeschichten wie etwa „Die Spinne in der Yucca-Palme“ – jeder hat sie schon mal gehört. Sie tauchen auf, verbreiten sich in Freundeskreisen, keiner kann sagen, wo sie herkommen, aber „letztens, hat mir ein Freund erzählt, hat die Schwester von seinem Arbeitskollegen …"

Irgendeinen wahren Kern haben diese Geschichten immer. Interessant werden sie erst durch ihre sich ständig verändernden Einzelheiten. Bewiesen werden sie nie. Aber, dass sie erfunden wären, das kann auch niemand mit Bestimmtheit sagen. In „Düstere Legenden“ also findet eine Gruppe junger Studenten heraus, dass sich „Großstadtmärchen“ manchmal auch bewahrheiten können. Wichtig dabei: Die Protagonistin – die man lange Zeit nicht eindeutig identifizieren kann, weil dauernd, scheinbar wahllos, Protagonisten sterben – hat eine Beziehung zu den Morden.

Was dann folgt sind bestialische Morde, die von lauten Sound-Effects eingeleitet werden und stets ein wenig unappetitlich sind, und das zwingende Finale Furioso selbst von einer ticking Clock nicht gestoppt werden kann. Diese Filme haben hohes Geisterbahnniveau. Hier zum Beispiel steht auf einer mehr feucht als fröhlichen Teenager-Party im Hintergrund jenes Dämon-Standbild, das im Kinoklassiker Der Exorzist (1973) eine wichtige Rolle spielte. Hier spielt es keine, außer jener, dem erfahrenen Kinogänger ein wenig mehr Ich weiß was-Spaß zu gönnen.

Horrorfilme dieser Art – Teenie-Slasher sagt man wohl – bedienen nicht den Kunst-Sektor der kreativen Filmszene. Diese Filme dienen als Experimentierfeld für junge Filmemacher, ihr Handwerk zu erproben. Und wo kann man das besser, als im klar konturierten Horrorgenre mit seinen Soundeffects, hinterm Ofen hervorspringenden Katzen und engen Bildausschnitten, bei denen der Zuschauer immer weiß … Jetzt passiert‘s!

„Urban Legends“ ist sehr unterhaltsames Unterhaltungskino auf handwerklich hohem Niveau. Es gibt düstereres Kinohandwerk.

Wertung: 8 von 11 D-Mark