Kinoplakat (US): Dornröschen – Sleeping Beauty
Eine farbenprächtige Prinzessin in Stereo
Mit einer Dramaturgie in blassem Mono
Titel Dornröschen
(Sleeping Beauty)
Drehbuch Erdman Penner + Charles Perrault + Joe Rinaldi + Winston Hibler + Bill Peet + Ted Sears + Ralph Wright + Milt Banta
nach „Sleeping Beauty“ von Charles Perrault
Regie Clyde Geronimi, USA 1959
Stimmen

Mary Costa, Maria Milde, Eleanor Audley, Gisela Reißmann, Verna Felton, Erna Sellmer, Barbara Jo Allen, Alice Treff, Barbara Luddy, Anneliese Würtz, Bill Shirley, Rainer Brandt, Taylor Holmes, Werner Peters, Bill Thompson, Eduard Wandrey, Marvin Miller, Heinz Petruo, Bill Amsbery, Benno Hoffmann u.a.

(aufgeführt sind die Original- und die deutschen Synchronstimmen)

Genre Zeichentrick
Filmlänge 75 Minuten
Deutschlandstart
30. Oktober 1959
Website WaltDisney.org
Inhalt

Im ganzen Königreich herrscht Aufregung, weil König Stefan seine geliebte Frau endlich eine Tochter bekommen. Von überall her kommen die Leute, um Aurora, die junge Prinzessin, zu sehen. Darunter ist auch der befreundete König Hubert, dessen Sohn Prinz Phillip sogleich dem Neugeborenen versprochen wird. Unter den Gratulanten sind auch die drei Feen Flora, Fauna und Sonnenschein, die Aurora jede eine Gabe mitgeben – Schönheit, eine schöne Singstimme und …

… mitten hinein in die Feier platzt die dunkle Fee Melefiz und belegt die Prinzessin mit einem Fluch. Bevor die Sonne am Ende ihres 16. Geburtstages untergeht, soll sich Aurora an einer Spindel stechen und sterben.

Zum Glück hat die dritte Fee, Sonnenschein, hat ihren Zauber noch nicht ausgesprochen und so schwächt sie den bösen Fluch. Statt zu sterben, soll Aurora nun in einen langen Schlaf fallen, bis sie der Kuss der wahren Liebe erweckt.

Um die Prinzessin vor den Machenschaften der Malefiz zu schützen, ziehen die drei Feen Aurora als Findelkind in einem tiefen Wald auf. Deren einzige Freunde sind die Tiere des Waldes, doch in ihren Träumen begegnet sie immer wieder einem Prinzen. Als plötzlich ein hübscher, junger Mann vor ihr steht, verlieben sich die beiden augenblicklich und vereinbaren ein Treffen noch am selben Abend.

Es ist der Tag ihres 16. Geburtstages. Die Feen sind aus diesem Anlass aufgeregt damit beschäftigt, für Röschen, wie sie Aurora nennen, einige Überraschungen vorzubereiten. Sie geraten dabei in einen Streit über die Farbe des Kleides für Aurora, der in einem Kreuzfeuer von Zaubersprüchen ausartet. Weithin sichtbar als glühende Funken über dem Wald, wird der Späher der bösen Fee auf das Spektakel aufmerksam und erfährt so vom Aufenthaltsort der vermissten Prinzessin.

Währenddessen wird Aurora über ihre wahre Identität aufgeklärt, und dass heute der große Tag der Rückkehr ins Schloss sei. Als sie jedoch erfährt, dass sie bereits einem Prinzen versprochen ist, fällt sie ob ihrer Begegnung im Wald in große Trauer.

Im Schloss angekommen, wird Aurora von den Feen mit ihrem Kummer für einen Augenblick alleingelassen. In diesem Moment wird die Prinzessin von Malefiz in Hypnose zu einer Spindel geführt – bevor die Feen eingreifen können, sticht sich Aurora und fällt in einen tiefen Schlaf …

Was zu sagen wäre

Wir kennen das ja schon: Ein Mädchen (Prinzessin}, schöner als alle anderen, träumt vom Prinz, der einst kommen wird, singt mit den Vögeln und wird von böser, dunkler Frau bedroht. Mal heißt sie Schneewittchen (1937), mal Cinderella (1950, jetzt Dornröschen. Disney verfilmt nach „Cinderella“ zum zweiten Mal ein Märchen von Charles Perrault. Und er lässt sich nicht lumpen.

„Sleeping Beauty“ ist nach „Susi und Strolch“ (1955) erst der zweite Zeichentrickfilm in Cinemascope. Ub Iwerks, Disneys Filmtechniker und Spezial-Effekt-Experte, entwickelte für die Aufnahmen ein eigenes anamorphotisches Weitwinkelobjektiv. Strahlende, kräftige Farben, nahezu dreidimensionale Landschaften und mittelalterlicher Pomp leuchten von der Leinwand. Die „Kamera“ ist dauernd in Bewegung, wir erleben den furchtbaren Kampf Mann gegen Drache und das Orchester interpretiert Tschaikowsky. Optisch und technisch definiert der Film eine eigene Liga in seinem Jahrgang. Das kann man vom Inhalt nicht so sagen – der ist monoton in diesem in Stereoton produzierten Film.

Es ist das Personal, das nicht befriedigt. Die drei Feen Flora, Merryweather und Fauna sind nette, mollige Tantchen, können aber Schneewittchens sieben Zwergen oder Cinderellas Mäusen, die dem kitschigen Melodram um neidische alte Frauen das Glitschige wegwitzeln, nicht das Wasser reichen. Und auch Malefiz‘ Rabe ist gänzlich unknuffig. Es ist tragisch, dass die Disney-Studios in ihren Zeichentrickwerken noch nie Menschen so realistisch auf der Leinwand hatten und ausgerechnet das nun dazu führt, dass alles etwas streng wirkt; es fehlt das Warme, Sentimentale.

Es gibt im Film eine Szene, die uns die herangewachsene Aurora näher bringen soll, sie leistet sich einen Gesangswettbewerb mit einer Amsel. Herzallerliebst schrauben beide die Töne immer höher, aber es kommt kein Lied dabei heraus. So ist das mit diesem Film. Grandios schraubt das Disney-Studio die Trickstandards nach oben, aber es kommt kein Film dabei heraus, der mich berührt.

Wertung: 4 von 7 D-Mark