Kinoplakat: D.O.A. – Bei Ankunft Mord
Ein Film wie eine Abschlussarbeit:
Handwerklich saubere Kopie der Klassiker
Titel D.O.A. – Bei Ankunft Mord
(D.O.A.)
Drehbuch Charles Edward Pogue + Russell Rouse + Clarence Greene
basierend auf dem Film „Opfer der Unterwelt“ (1950)
Regie Annabel Jankel & Rocky Morton, USA 1988
Darsteller

Dennis Quaid, Meg Ryan, Charlotte Rampling, Daniel Stern, Jane Kaczmarek, Christopher Neame, Robin Johnson, Robert Knepper, Jay Patterson, Brion James, Jack Kehoe, Elizabeth Arlen, Karen Radcliffe, William Forward, Lee Gideon u.a.

Genre Thriller, Mystery
Filmlänge 96 Minuten
Deutschlandstart
13. April 1989
Inhalt

Der Literaturprofessor Dexter Cornell sucht nach einer durchzechten Nacht mit Schmerzen das Krankenhaus auf. Dort erfährt er, dass ihm ein tödliches Gift verabreicht wurde, das ihm noch etwa 24 Stunden zum Leben lässt.

Kinoplakat: D.O.A. – Bei Ankunft MordDer Todgeweihte verdächtigt zunächst die Familie eines ehemaligen Studenten, der scheinbar aus mangelnder Beachtung seiner schriftstellerischen Fähigkeiten Selbstmord begangen hat. Bei seinen Recherchen entdeckt er, dass seine Frau eine Affäre mit dem Jungen hatte. Auch sie wird ermordet, und die Polizei hält Dexter für den Täter …

Was zu sagen wäre

Lange Schatten, eine mysteriöse Geschichte, ein kaputter Ermittler, ausgebleichte Farben. Kaum ein Genre eignet sich so gut, um das Filmhandwerk zu erlernen, wie die Filme des Noir. Der Film Noir folgt festen Gesetzen. Manche seiner Gattung – „The Big Sleep“, „Maltese Falcon“, „Double Indemnity“ – wurden Klassiker, viele sind vergessen. Aber die Anziehungskraft, bei Machern und Publikum, bleibt groß.

„D.O.A. – Bei Ankunft Mord“ beginnt schwarzweiß in der Gegenwart und wenn Dex seine Geschichte bei der Polizei erzählt, also die Rückblende beginnt, wechselt der Film in sepiagetränkte, ausgebleichte Farben. Ein schöner Film, so lange er dauert: wunderschön fotografiert, elegant montiert, mit vielen Twists, dunklen Geheimnissen und mit einer alten Magnatenfamilie, die sich nicht an Recht und Gesetz zu halten braucht. Dennis Quaid hat die Rolle des Privatdetektivs, der hier Literaturprofessor ist und in Sachen seines eigenen Todes ermittelt – mit dem Gift im Leib wirkt er mindestens so abgehalftert, wie Bogart als Marlowe – nicht so cool, natürlich.

Meg Ryan ist … ein kleines Mädchen („Gelobtes Land“ – 1987; Top Gun – 1986). Und, besieht man sich die Situation – ein Mann, der gerade wieder zu sich findet, der die letzten Stunden seines Lebens lebt und innere Rechnungen begleicht, erwachsen wird – ziemlich nervtötend in ihrer blonden Leere. Aber das Blondchen ist natürlich fester Bestandteil des Noir (wenn auch Martha Vickers etwa 1946 als Carmen Sternwood in „The Big sleep“ weitaus durchtriebener agierte, als Pretty Meggy hier). Zwischen ihr und Dennis Quaid („Suspect“ – 1987; „The Big Easy“ – 1986; Enemy Mine – 1985) funkt es nicht, die Chemie steht still – das ist einigermaßen pikant, schließlich sind die beiden seit der gemeinsamen Arbeit an Joe Dantes Innerspace im vergangenen Jahr ein Paar.

Charlotte Rampling („Stardust Memories“ – 1980; „Orca, der Killerwal“ – 1977; „Fahr zur Hölle, Liebling“ – 1975) spielt mit als selbstreferenzielle Metapher. Rampling ist quasi die Verkörperung des Noir. Erst im vergangenen Jahr hat sie als okkulte Margaret Krusemark in Angel Heart, einem weiteren Vertreter des modernen Noir, gespielt. Hier wird das Dilemma des Films deutlich. Der durchkonstruierte Film ist in allem perfekt, genau beobachtet, nachgemacht; eine Art Malen nach Zahlen mit der Filmkamera. Der Film hat nur nichts eigenes. Er verdorrt in den langen Schatten seiner großen Vorbilder und fristet dort ein tragisches Dasein im Oblivion.

Ein Film Noir, der an seiner Hybris zerbricht; was für ein schönes Noir-Thema.

Wertung: 4 von 10 D-Mark