Kinoplakat: Django (1966)
Klassiker des Italowesterns
Das Original für die Ewigkeit
Titel Django
(Django)
Drehbuch Sergio Corbucci + Bruno Corbucci + Franco Rossetti + José Gutiérrez Maesso + Piero Vivarelli
Regie Sergio Corbucci, Italien. Spanien 1966
Darsteller Franco Nero, José Bódalo, Loredana Nusciak, Ángel Álvarez, Gino Pernice, Simón Arriaga, Giovanni Ivan Scratuglia, Remo De Angelis, Rafael Albaicín, José Canalejas, Eduardo Fajardo u.a.
Genre Western
Filmlänge 92 Minuten
Deutschlandstart
2, November 1966
Inhalt

Texas … unten an der Grenze zu Mexiko. Männer fesseln eine junge Frau zwischen zwei Bäume, reißen ihr Kled herunter, feixen, wollen sie auspeitschen. Sie merken es nicht, aber sie werden beobachtet. Von einem Mann, der einen Sarg hinter sich herzieht. Das kann den Männern auch egal sein, denn gerade werden sie von einem Quartett anderer Männer erschossen, die alle rote Halstücher tragen. Der Mann mit dem Sarg beobachtet das Schauspiel. Beobachtet, wie die Männer die Frau losbinden, um sie zu kreuzigen und zu verbrennen. Der Mann, der den Sarg hinter sich herzieht, stellt sie. Die Männer ziehen. Er zieht schneller. Die Männer mit den roten Halstüchern liegen tot am Boden.

Der Mann mit dem Sarg, der sich Django nennt, befreit die Frau. Sie ist Halbmexikanerin, heißt Maria und war zwischen die Fronten geraten; zwischen die Fronten der Männer von Major Jackson – Erkennungszeichen rotes Halstuch – und der Männer des mexikanischen Generals Rodriguez. Major Jackson und seine Bande pressen hier in der Gegend der ärmlichen Bevölkerung Schutzgeld ab und gehen in Mexiko auf Raubzug. Rodriguez und seine Leute werden auf ihrer Seite der Grenze steckbrieflich gesucht und kommen diesseits der Grenze regelmäßig Jackson und seinen Leuten in die Quere.

Mit Maria zieht Django in die nächstgelegene Stadt Nogales, heruntergekommen, nur der Saloon mit ein paar Freudenmädchen ist noch in Betrieb; hier vergnügen sich sowohl Jacksons als auch Rodriguez' Leute – bislang war Nogales, das schmuddelige, verschlammte Städtchen an der amerikanisch-mexikanischen Grenze so etwas wie ein neutraler Boden für beide Seiten.

Jetzt nicht mehr.

Django, der Mann mit dem Sarg, ist in der Stadt und auf Rache aus. Kaum einen Tag später ist die Hauptstraße der Stadt übersäht mit toten Männern, die rote Halstücher tragen. Django hatte seinen Sarg geöffnet und schweres Kaliber aufgebaut.

Der Krieg beginnt …

Was zu sagen wäre

Der Italowestern: Trocken. Lakonisch. Klassisch. Mit übersichtlicher Handlung und klarem Motiv: Rache. Ein Fremder kommt in die Stadt und mischt die alte Ordnung auf, legt sich mit einem mächtigen Rancher an und gibt auch nicht klein bei, als er schon keine Chance mehr hat. Das Motiv als solches hatten die Studios an der US-Westküste in allen Spielarten immer und immer wieder durchgekaut, wahlweise mit Männern wie John Wayne, Randolph Scott, James Steward oder Glenn Ford. Sergio Corbucci ging in seiner italienischen Spielart des Westerns einen Schritt weiter – den europäischen: Hier haben die Frauen weniger am Leib, sind williger und die Schurken sind grausamer.

Einer gegen alle; aber einer mit Sarg

Major Jackson ist ein Folterknecht mit gestutztem Schnauzer, ein Killer, ein Teufel mit (tatsächlich) 40 Belzebuben – Ali Baba und die 40 Räuber. Mitleid muss man mit so einem nicht haben, aber fürchten muss der Zuschauer ihn: Im Italowestern wird auch der Held übel zugerichtet. Django – „Ich bin nicht allein” – hat nur seinen Sarg.

Die karge Struktur des Einer-gegen-Alle ist alles in diesem Film. Das Drumrum – notwendiges Beiwerk. Die Grenzstadt ist schlammig. Wovon die Menschen dort leben … unwichtig, sie sind die Bauern auf dem Schachbrett der Autoren. Das sieht vor: Ein Blauauge gegen alle anderen und zwischendurch – nicht etwa am Ende im Sonnernuntergang – nimmt er sich das Mädchen, „auch, wenn es nicht für lange ist”. Der Held ist amoralisch, belügt Frauen, klaut Gold und erschießt auch Unbewaffnete. Die Frauen gehen der Prostitution nach, wälzen sich im Schlamm und gerieren sich als Opfer.

Jesus von Nazareth als Westernheld

Django tritt dabei auf wie Jesus mit Stetson. Corbucci arbeitet sich häufig an Schuld-&-Sühne-Motiven aus dem Christentum ab. Django ist der Weltenretter, der für die Sünden der anderen gerade steht. Ihm werden die Hände zerstört, er ist so gut wie tot, erlebt seine Wiederauferstehung, der Showdown findet auf dem Friedhof am Kreuz statt. Noch deutlicher wird er zwei Jahre später in Il Grande Silenzio („Leichen pflastern seinen Weg”)

Corbucci inszeniert seinen Western in einer Art, die zu seiner Entstehung als nicht sonderlich elegant, ja als unsauber, dreckig galt: Er setzte unvermittelte Reiß-Zooms und -Schwenks ein und schnitt die einzelnen Szenen sehr schnell, mitten in der Kamerabewegung. Die Feuilletons von 1966 schrieben abfällig von „Corbuccis Comicstil”. Corbuccis Inszenierungsstil wurde erst um die Wende zum 21. Jahrhundert modern.

2012 setzte Autor und Regisseur Quentin Tarantino (Pulp Fiction – 1994) dem Film ein Denkmal mit Django Unchained. Franco Nero übernahm dort nochmal eine kleine Gastrolle.

Wertung: 8 von 8 D-Mark