Kinoplakat: Die Unbestechlichen
Einer der besten Filme aller Zeiten
Titel Die Unbestechlichen
(The Untouchables)
Drehbuch David Mamet
nach dem Tatsachenroman von Eliot Ness und Oscar Fraley
Regie Brian De Palma, USA 1987
Darsteller

Kevin Costner, Sean Connery, Charles Martin Smith, Andy Garcia, Robert De Niro, Richard Bradford, Jack Kehoe, Brad Sullivan, Billy Drago, Patricia Clarkson, Vito D'Ambrosio, Steven Goldstein, Peter Aylward, Don Harvey, Robert Swan u.a.

Genre Drama, Biografie
Filmlänge 119 Minuten
Deutschlandstart
15. Oktober 1987
Inhalt

Chicago 1931: Die Stadt wird von einem Mann beherrscht: Al Capone. Und er kennt nur ein Recht – das des Stärkeren: „Sehen Sie sich einen Ringkampf an. Der Mann, der als letzter noch steht, hat den Kampf gewonnen!“ Das organisierte Verbrechen verwandelt die Stadt in ein blutiges Schlachtfeld und Eliot Ness soll aufräumen, ein junger Polizist ohne große Erfahrung.

Er hat nur drei Männer, auf die er sich verlassen kann. Da ist ein Buchhalter, Oscar Wallace, ein Absolvent der Polizeischule, George Stone, und der alte Streifenpolizist James Malone. Sie schließen sich zusammen und geben sich unbestechlich – im Kampf gegen den Herrscher des Universums, gegen Alphonse Capone.

Um Capone den Prozess machen zu können, brauchen sie einen Zeugen. Der König der Unterwelt setzt seine Killer auf sie an. Doch sein Triumph ist von kurzer Dauer. Die Unberührbaren („The Untouchables“) sind ernstzunehmende Gegner. Mut und Gerechtigkeitssinn sind ihr Kapital. Nach mehr als einem Jahrzehnt uneingeschränkter Herrschaft geht es Capone an den Kragen …

Was zu sagen wäre

Einer der besten Filme aller Zeiten.

Okay, es gibt 40, 50, 100 beste Filme aller Zeiten – aber es gibt auch seit 1890 zigtausend Filme insgesamt. Und Brian De Palmas „The Untouchables“ ist einer der besten. Aller Zeiten!

Erstens stimmt der Aufbau, klassische Drama-Struktur: Der Held, ein Underdog, der auf eine lange Reise geht, an deren Ende er ein anderer ist. Sein Mentor, Sean Connery. Seine Nemesis: Robert De Niro. Seine Crew: Unerfahrene, aber loyale Männer. Seine Aufgabe: eine „des Jahrhunderts“.

Brian De Palma war nie so gut, wie für diesen Film

Zweitens Brian De Palma auf dem Regiestuhl (s.u.). Nach meiner Ansicht war er noch nie so gut, war er überhaupt nie so gut, wie für diesen Film – da passt einfach alles. Anfangs sollte Bob Hoskins den Al Capone geben. Mel Gibson sollte Eliot Ness spielen (Kevin Costner – „Shadows Run Black“ (1986); „Die Sieger – American Flyers“ (1985); „Silverado“ (1985) – war damals ein quasi Unbekannter).

De Palma steigt in seine Saga ein mit der Kamera aus der Vogelperspektive: Wir lernen Al Capone kennen, einen Mann von großer Macht, einen Schlagzeilen liefernden Liebling der Medien, der uns seine Philosophie verkündet: „Ich wuchs in einem rauen Stadtviertel auf. Dort galt, Du kommst mit einem freundlichen Wort und einer Schusswaffe weiter als nur mit einem freundlichen Wort.“ Dann redet er noch ein bisschen über seine basically friedliche Haltung, dann schneidet De Palma in eine Kneipe, in der der Wirt das schale Bier eines Syndikats nicht abnehmen will – und es ist auch ohne große Erklärung klar, dass es Capones Syndikat ist. Da verlässt ein Mann im weißen Anzug die Bar und lässt eine Tasche zurück. Ein kleines Mädchen sieht das, greift sich die Tasche, läuft hinter dem Mann im weißen Anhug her, „Mister, Mister … sie haben …“ – weiter kommt sie nicht, weil die Tasche explodiert und die Kneipe in Schut und Asche legt. So heißt uns Brian De Palma willkommen in der Welt des Al Capone (dass er dabei seinen eigenen Regiegott Alfred Hitchcock mit dessen Sabotage – 1936 – zitiert, sei hier nur der Vollständigkeit halber für die Nerds erwähnt).

Kinoplakat (US): The Untouchables

Sean Connery in einer angemessen würdevollen Rolle

Drittens: Kameramann (Director of Photography) Stephen H. Burum wollte in Schwarz-Weiß drehen und bekam dann den Auftrag, sein Schwarz-Weiß in Farbe zu machen – er schuf Schönheit. Patricia von Brandenstein baute Sets, die die als Schwarz-Weiß-Grobkörnig bekannten 1930er Jahre respektvoll mit Farbe versehen. Giorgio Armani kleidete die vier Unbestechlichen ein. Das heißt: Sean Connery weigerte sich, als Modegockel ausstaffiert zu werden und brachte seine eigenen Klamotten mit. Und Marilyn Vance-Straker sorgte dafür, dass die Kostüme drumrum sowohl zu Armani als auch in die Zeit passten

An diesem Film passt einfach alles. Andy Garcia („8 Millionen Wege zu sterben“ – 1986; „Das mörderische Paradies“ – 1985; „Ein himmlischer Lümmel“ – 1983), der den Polizeischüler George Stone spielt, „aus der South Side“, und eigentlich Giuseppe Petri heißt, ist von der ersten Minuten an ein vertrauenswürdiger Charakter. Eliot Ness‘ geduldige Ehefrau ist wunderbar warmherzig besetzt mit Patricia Clarkson. Sean Connery als Mentor, als Merlin, als Gandalf, spielt auf den Punkt – und das tut er, anders als sein Ruf vermuten ließe, eher selten („Der Name der Rose“ – 1986; Highlander – Es kann nur einen geben – 1986; James Bond 007 – Sag niemals nie – 1983; „Flammen am Horizont“ – 1982; „Time Bandits“ – 1981; „Outland – Planet der Verdammten“ – 1981; „Meteor“ – 1979; „Der erste große Eisenbahnraub“ – 1978; „Die Brücke von Arnheim“ – 1977; „Robin und Marian“ – 1976; „Der Mann, der König sein wollte“ – 1975; „Der Wind und der Löwe“ – 1975; Die Uhr läuft ab – 1975; Mord im Orient-Express – 1974; „Zardoz“ – 1974; „Sein Leben in meiner Gewalt“ – 1973; James Bond 007 – Diamantenfieber – 1971; „Der Anderson Clan“ – 1971; „Das rote Zelt“ – 1969; „Ein Haufen toller Hunde“ – 1965; Marnie – 1964; Die Strohpuppe – 1964; James Bond 007 jagt Dr. No – 1962).

Im Staub vor Brian De Palma

Und Brian De Palma? Ich liege im Staub vor seinen Füßen! In diesem Film ist jede Kameraeinstellung Kunst. Eliot Ness steht in seinem grauen Anzug nicht einfach vor irgendeiner Wand … Eliot Ness steht in seinem grauen Anzug vor einer graubraunen Wand, deren Tönung sich sogar in seiner Frisur wiederfindet. Jedes Bild ist komponiert wie ein Gemälde, wunderschön. De Palmas Timing: Die Story spitzt sich zu in der Halle des Bahnhofs von Chicago mit einer großen Freitreppe, Matrosen, einer Mutter, die zwei Koffer und einen Kinderwagen diese Treppen hinaufwuchten muss und ein paar Capone-Gefolgsmännern, auf die gewartet wird. Ja: De Palma zitiert hier die Treppenszene aus Sergei M. Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ (1925). Aber zitieren alleine funktioniert ja nicht im modernen Kino. Diese Bahnhofsszene ist ein elegantes Ballett mit Kamera, Schnitt, Musik und Schauspielern. Hut ab!

Vorher haben unsere Helden das stickige Chicago auch mal verlassen und gegen die Weiter der Prairie getauscht. Sie folgen der Spur eines großen Alkohol-Deals (denn um den geht es die ganze Zeit, wir sind ja in den Jahren der Prohibition). Wir treffen sie an der kanadischen Grenze, wo Capones Leute eine Ladung kanadischen Whiskeys übernehmen wollen. Was dann folgt ist Cowboy und Indianer mit Fedora-Hut und dreiteilgem Anzug – hoch zu Ross! Auch hier wieder: Bild, Schnitt, Musik, Timing … besser geht es nicht!

Die Werbung versucht, „Die Unbestechlichen“ als „Besten Film seit Der Pate“ zu verkaufen. Da ist Quatsch. Francis Ford Coppolas Der Pate spielt in einer anderen Liga – nicht einer höheren oder einer niederen, in einer anderen Liga. Coppolas Mafia ist Oper. De Palmas Mafia ist Kino.

Wertung: 10 von 10 D-Mark