Kinoplakat: Die Tribute von Panem – Mockingjay, Teil 1

Die Revolution entdeckt die Macht des TV.
Eine zähflüssige Bestseller-Verfilmung

Titel Die Tribute von Panem: Mockingjay, Teil 1
(The Hunger Games: Mockingjay - Part 1)
Drehbuch Peter Craig + Danny Strong
nach dem Roman „Mockingjay“ von Suzanne Collins
Regie Francis Lawrence, USA 2014
Darsteller

Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Donald Sutherland, Philip Seymour Hoffman, Julianne Moore, Willow Shields, Sam Claflin, Elizabeth Banks, Mahershala Ali, Jena Malone, Jeffrey Wright, Paula Malcomson, Stanley Tucci u.a.

Genre Abenteuer
Filmlänge 123 Minuten
Deutschlandstart
20. November 2014
Website thehungergamesexclusive.com
Inhalt

Katniss fürchtet um das Leben ihres geliebten Freundes Peeta, der mit anderen Tributen gefangen genommen wurde. So lässt sie sich nur schweren Herzens darauf ein, sich von der Präsidentin von Distrikt 13 zu einem Symbol der Rebellion aufbauen zu lassen.

Mit Gale und einem mutigen Filmteam an ihrer Seite nimmt sie Clips in Kriegsgebieten auf, die den Menschen von Panem den Mut zu eigenen Aktionen gegen das Regime geben. Doch Snow antwortet mit noch grausameren Angriffen und instrumentalisiert Peeta für seine Zwecke …

Was zu sagen wäre

Die Revolution der Katniss Everdeen wird zur TV-Show. Die Revolutionäre haben erkannt, welche Macht das Fernsehen bietet und setzen das sehr pragmatisch ein. Katniss wandelt immer mehr von der Akteurin ihres eigenen Lebens zur Marionette unterschiedlicher Interessen. Damit ist sie der Prototyp des Revolutionärs: engagiert, zielbewusst, persönlich motiviert, während die anderen lediglich ihre Machtspiele ausleben.

Der Film ist zäh. Das liegt zum einen daran, dass auch dieser „dritte Teil“ in zwei Teilen verfilmt wird – man darf auch sagen, er wird verhackstückt. Brav wird Buchseite um Buchseite abgefilmt und dem zahlenden Fan auf der Leinwand vorgesetzt. Die Gralshüter unter ihnen sind froh, dass nichts weggelassen wurde, alle übrigen, weil es doch ihr Lieblingsbuch ist/war.

Seit im Fernsehen die Serien so erfolgreich sind, gehen die Macher solcher Kommerzprodukte wie etwa „Bestsellerverfilmungen“ schamlos dazu über, deren Dramaturgie zu übernehmen; weil Serien quasi nie endende Geschichten sind, können sich die TV-Produzenten (oder müssen das auch) gewisse Längen im Erzählbogen erlauben. Das Kino kann das eigentlich nicht. Damit der Zuschauer zwei, zweieinhalb Stunden für teures Geld auf seinem Kinosessel sitzen bleibt, braucht ein Film, auch wenn er Teil einer Serie ist, innere Spannung, einen Plot. Bei „Mockingjay, Teil 1“ ist da kaum was zu spüren. Die Handlung plätschert vor sich hin, bietet ordentlich Schauwerte, große Ruinen und schöne Menschen mit verrusten Gesichtern bei angemessener Leidensmine. Das neue Erzählkino legt keinen Wert mehr auf die Erzählkunst. Es überwältigt mit Schauwerten, Symbolen und Wow-Effekten.

Wenn der Vorhang zu ist, hat man die Hälfte schon wieder vergessen und ärgert sich über die andere Hälfte, in der kampferprobte Kinder auf dem Höhepunkt der Zerstörung Lichtspiele mit ihrem Kater spielen und erwachsene Männer Kalendersprüche zum besten geben: „Wie hälst Du das aus, Finnick?“ „Ich quäle mich aus düsteren Träumen und sehe, dass Aufwachen keine Erleichterung bringt. Aber man muss dagegen ankämpfen. Es dauert zehnmal so lange, sich wieder zusammenzufügen, wie es dauert zu zerbrechen.“

Hat der Film denn gar nichts Gutes? Doch: das professionelle Handwerk der Filmtechniker, Ausstatter und Kostümbildner. Und Jennifer Lawrence.

Wertung: 3 von 8 €uro