Kinoplakat: Die Schöne und das Biest
Große Operette, große Bilder,
große Romanze, großes Geschirr
Titel Die Schöne und das Biest
(Beauty and the Beast)
Drehbuch Linda Woolverton + Roger Allers + Brenda Chapman + Burny Mattinson + Brian Pimental + Joe Ranft + Kelly Asbury + Chris Sanders + Kevin Harkey + Bruce Woodside + Robert Lence
frei nach „„Die Schöne und das Biest“ in der Version von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont
Regie Gary Trousdale & Kirk Wise, USA 1991
Stimmen

Paige O'Hara, Jana Werner, Robby Benson, Matthias Freihof, Rex Everhart, Alexander Herzog, Richard White, Engelbert von Nordhausen, Peter Edelmann, Jesse Corti, Santiago Ziesmer, Tony Jay, Klaus Miedel, Alvin Epstein, Helmut Heyne, Friedrich Schoenfelder, Jerry Orbach, Joachim Kemmer, David Ogden Stiers, Manfred Lichtenfeld, Angela Lansbury, Ingeborg Wellmann, Bradley Michael Pierce, Timo Plümicke, Joanne Worley, Christel Merian, Kimmy Robertson, Dorette Hugo, Brian Cummings, Tilo Schmitz u.a.

(aufgeführt sind die Original- und die deutschen Synchronstimmen)

Genre Zeichentrick
Filmlänge 84 Minuten
Deutschlandstart
26. November 1992
Inhalt

Belle, dem Mädchen aus dem kleinen französischen Städtchen geht die engstirnige Provinzialität ihrer Nachbarn auf die Nerven. Es ist nicht Belles vornehmster Wunsch, zu heiraten und Kinder zu kriegen. Sie liest gerne, träumt davon, die weite Welt zu entdecken. Hier daheim gibt es nur Gaston.

Gaston ist ein Schnösel. Hochangesehen im Ort. Er findet ja, Frauen sollten nicht lesen; wozu sollen die das brauchen? Aber Belles Vater Maurice, der glücklose Erfinder, den Belle so über alles liebt und den die Nachbarn für verrückt halten, wünscht sich so sehr, dass Belle Gaston Werben erhört und seine Frau wird. Ihrem Vater kann Belle so schwer einen wunsch abschlagen.

Aber ihr Vater ist verschwunden. Er war auf dem Weg zum Markt in die nächste Stadt, verirrte sich im dunklen Wald und hat Zuflucht gefunden in einem düsteren Schloss. Dort macht er Bekanntschaft mit verzauberten Schlossbewohnern, lebenden Gegenständen, die sich aber äußerst zuvorkommend um ihn bemühen, so dass er seine Scheu verliert. Bis ..., ja, bis der hausherr in der Tür steht, ein jähzorniges Biest, das sich auf ihn stürzt und in den Kerker wirft.

Kinoplakat: Die Schöne und das Biest

Belle erfährt davon, weil Maurices Pferd ohne Maurice zurück kommt. Sie macht sich auf die suche und kommt ebenfalls zu dem Schloss und findet den kranken Maurice im Kerker, der sie inständig bittet, sofort zu fliehen. Sie fleht das furchtbar erscheinende Biest an, ihren Vater frei zu lassen, und bietet sich zum Tausch an. Sie verspricht, für immer im Schloss zu bleiben, wenn das Biest ihren Vater gehen lässt.

Maurice sucht Hilfe bei den Bauern im Wirtshaus, aber die lachen ihn ob seiner abstrusen Geschichte nur aus. Gaston allerdings, der düpierte Snob, hat eine Idee, wie er Belle doch noch zu seiner Frau machen kann.

Im Schloss sind die verzauberten Bewohner in heller Aufregung; sie sehen in Belle das Mädchen, das den Fluch brechen könnte, den über dem Biest hängt. Wenn sie sich nur in ihn verlieben würde und der Hausherr nicht so jähzornig …

Was zu sagen wäre

Es fängt so klassisch Disney an, dass man sich im falschen Jahrzehnt wähnt. Ein Mädchen (Belle) geht durch die Straßen des Städtchens und besingt ihre Andersartigkeit und die einwohner des Städtchens singen, dass sie schon komisch sei „innen drin“ und wir erfahren, dass sie Bücher auch dreimal liest und der schöne Prinz „erst in Kapitel 3“ auftaucht. Das alles sieht aus, als wäre Disneys „Schneewittchen“ wieder auferstanden – genauso alt, genauso hausbacken.

In dieser Anfangsszene, in der sich Belle auch den Nachstellungen des attraktiven und strunzdummen Gaston widersetzen muss, wirkt sie so gouvernantenhaft Deborah-Kerr-mäßig in „The King and I“ (1956). Dann kommt Knuddel-Papa Maurice ins Spiel und Disney der Neuzeit gewinnt die Oberhand.

Ein klassischer Disney-Stoff als Disney-Film. „Beauty and the Beast“ vereint Märchen, Abenteuer und die große Romantik … und verdreht Geschlechtsklischees. Diesmal muss der Prinz durch den Kuss der Liebe erlöst werden, diesmal ist das Mädchen gar nicht so scharf auf Kirche, Küche, Kinder. Das ist bezaubernd.

Die Heldin ist schlagfertig, der Schnösel zum Hassen eitel. Die Bewohner des Schlosses sind ganz wunderbar lebendiges und fürsorgliches Geschirr, des Biestes Schicksal herzergreifend furchtbar und durch eine welkende Rose eingängig dramatisiert. Selbst der Gesang stört, abgesehen von „Unsere Stadt“, dem erwähnten ersten Song, nicht – singende Teekannen und Kronleuchter mit französischem Akzent hören sich leichter, als in Baumwipfeln schmachtende Mädchen. Aber vor allem anderen sind die Songs elegant und detailreich bebildert.  „Sei hier Gast“, wenn das Schlosspersonal der armen Belle auffährt, was die Küche zu bieten hat, ist ein Kracher – optisch, musikalisch, szenisch. Die Musik von Alan Menken und der Song „Beauty and the Beast“ wurden jeweils mit dem Oscar ausgezeichnet.

Im Zentrum des Films gibt es eine Tanzszene. La Belle et la bête, nach einem dramatischen Kampf gegen Wölfe im nächtlichen Wald zunehmend zueinander hingezogen, tanzen in einem imposanten Ballsaal. Da schwebt die (imaginäre) Kamera von der Decke auf Gesichtshöhe herunter und umkreist die Tanzenden, lässt sich vom romantischen Schwung der Szene mitreißen und explodiert in tausend Farben. Hier haben Gary Trousdale und Kirk Wise eine Disney-Szene geschaffen, die für immer bleiben wird. Sie wirkt, als hätten sie den großen Tanz im Ballsaal des Schlosses aus Cinderella (1950) nochmal – und jetzt richtig – designen wollen – ohne diese lästigen Begrenzungen durch die damalige, analoge Bildtechnik. „Beauty and the Beast“ ist überhaupt so ein Best-of-Disney-Classics. Mrs Potts und ihr Junge Chip sind zum Beispiel eine Hommage an die tanzenden Teekannen aus Alice im Wunderland (1951).

Herausragend auch der Prolog in Form von Bleiglasfenstern, in denen der Fluch des jungen, schnöseligen Prinzen erzählt wird, der ihn zum Biest macht. Die welkende Rose mit ihrem hängenden Kopf unter Glas ist ein leuchtender Traum in Melancholie; wenn ihr letztes Blatt fällt und niemand sich in Biest verliebt, muss der verwunschene Prinz das Biest für immer bleiben. Dass er sich dann am Ende in einen veritablen blonden Sigfried verwandelt, ist dem Zeitgeist des Hollywoodkinos geschuldeet und sicher keine schmalzige Absicht.

„Die Schöne und das Biest“ gerät zum zeitlosen Klassiker im Disney-Universum. Da wäre man gerne länger Gast:

It is with deepest pride and greatest pleasure that we welcome you tonight.
And now we invite you to relax, let us pull up a chair as the dining room proudly presents - your dinner!

Wertung: 10 von 10 D-Mark