Kinoplakat: Die Legende von Bagger Vance

Ein Gewinnerfilm. Mythisch. Elegant.
Robert Redford versteht das Kino

Titel Die Legende von Bagger Vance
(The Legend of Bagger Vance)
Drehbuch Jeremy Leven
nach einem Roman von Steven Pressfield
Regie Robert Redford, USA 2000
Darsteller Will Smith, Matt Damon, Charlize Theron, Bruce McGill, Joel Gretsch, J. Michael Moncrief, Peter Gerety, Lane Smith, Michael O'Neill, Thomas Jay Ryan, Trip Hamilton, Dermot Crowley, Harve Presnell, Danny Nelson, Bob Penny u.a.
Genre Drama
Filmlänge 126 Minuten
Deutschlandstart
1. Februar 2001
Inhalt
Einst war Rannulph Junuh der Goldjunge der Gesellschaft von Savannah, Georgia. Mit seinen außerordentlichen Golfkünsten begeisterte er die Menschen, mit seiner bildschönen Verlobten Adele Invergordon an der Seite war er der Mittelpunkt jeder Party. Doch die Schatten des Ersten Weltkriegs fangen auch Junuh ein. Aus der Bahn geworfen trinkt und spielt er und führt das Leben eines Einsiedlers.

Zwölf Jahre später steht Adele wieder vor seiner Tür: Um den Golfplatz ihres verstorbenen Vaters vor den Kredithaien der Stadt zu retten, veranstaltet sie ein Golfturnier, in dem Junuh gegen die zwei besten Golfspieler ihrer Zeit antreten soll. Junuh willigt ein, doch seit dem Krieg scheint er das Spiel, das er so sehr liebte, verlernt zu haben.

Unvermittelt taucht der mysteriöse Caddy Bagger Vance auf. Er weiß, dass Junnuh sich erst den eigenen Dämonen stellen muss und er weiß auch, dass nur einer Rannulph Junuh aus dem Tal der Tränen helfen kann: Rannulph Junuh selbst …

Was zu sagen wäre

Wollen Sie raten, wie der Film endet? Natürlich nicht. Nach seinen Erfolgen „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ und Der Pferdeflüsterer (1998) wendet sich Robert Redford einem mythischen amerikanischen Filmstoff zu. Er ist der richtiuge für diesen Job. Redford taucht diese Americana in glühende Farben und warmherzige Menschen. Auf den ersten Blick wirkt das bstets kurios, das ausgerechnet Redford, dem das Hollywood-System so unangenehm ist, derart kommerziell erzählt. Dabei ist das, erstens, kein Widerspruch. Zweitens war sich Redford nie zu schade, auch glatten Oberflächenfiguren seinen speziellen Charme aufzurauen (Aus nächster Nähe – 1996; Sneakers – Die Lautlosen – 1992; Havanna – 1990; Staatsanwälte küsst man nicht – 1986; Der elektrische Reiter – 1979; Die Unbestechlichen – 1976; Die drei Tage des Condor – 1975; Der große Gatsby – 1974; Der Clou – 1973; Jeremiah Johnson – 1972; Butch Cassidy und Sundance Kid – 1969).

Redfords gebrochener Held, Rannulph Junuh, kommt aus dem Krieg. Der Krieg in Europa hat ihn traumatisiert, an den Erfahrungen dort hat er hart zu beißen. Oliver Stone macht aus solchem Stoff hart zu erarbeitendes Bombastkino und bekommt die Oscars. Redford geht den anderen Weg, verpackt seine scharfe Anklage gegen Krieg und bornierte Beamte in Zuckerwatte und Candy – und rührt zu Tränen. Will Smith als der mystische Titelheld gibt eine superbe Vorstellung seinesd Könnens. Der in den vergangenen fünf Jahren in den Superstar-Status katapultierte Schauspieler (Der Staatsfeind Nr. 1 – 1998; Men in Black – 1997; Independence Day – 1996; Bad Boys - Harte Jungs – 1995) nimmt sich als Mentor des angeknachsten Mentors ganz zurück. Sein Spiel braucht nicht viel Aktion, um unter die Haut zu gehen. Meist sprechen nur seine Augen.

Matt Damon als Golftalent unterstreicht seinen Status als moderner (sanfter) Mann mit dem nicht greifbaren Etwas und dem eisenharten Willen (Der talentierte Mr. Ripley – 1999; Dogma – 1999; Der Soldat James Ryan – 1998; Good Will Hunting – 1997; Der Regenmacher – 1997; Chasing Amy – 1997; Mut zur Wahrheit – 1996). Es ist überhaupt nicht überraschend, dass die schöne Adele Invergordon nicht aufgibt, ihren alten Freund und Liebhaber von dessen Traumata zu heilen – die Südafrikanerin Charlize Theron ist als Southern Belle die perfekte Besetzung (Men of Honor – 2000; The Yards – Im Hinterhof der Macht – 2000; Wild Christmas – 2000; Gottes Werk & Teufels Beitrag – 1999; „The Astronaut's Wife“ – 1999: Mein großer Freund Joe – 1998; Celebrity – Schön, reich, berühmt – 1998; Im Auftrag des Teufels – 1997; 2 Tage in L.A. – 1996). Damons Figur könnte leicht in Klischees ersaufen – Kriegsheld, gebrochen, Golftalent … da hört man die Fanfaren schon beim Lesen dieser Zeilen. Unter Redfords behutsamer Regie bleiben die Fanfaren einfach aus. Redford und Damon tun der Figur des Gebrochenen nicht den Gefallen einfacher (filmischer) Lösungen; sie lassen diesen Rannulph Junuh jeden Schritt, den er braucht, auch machen. Und weil es kein europäisches Drama ist, sondern amerikanisches Kino, ist dieser schwierige Weg nicht schwerblütig inszeniert. Dafür sorgt ein Europäer – Michael Ballhaus überwacht die Arbeit an der Kamera (Good Vibrations – 2000; Mit aller Macht – 1998; Air Force One – 1997; Outbreak – Lautlose Killer – 1995; Bram Stokers Dracula – 1992; GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia – 1990; Die Farbe des Geldes – 1986).

Robert Redford nimmt sein Metier ernst. Das merkt man diesem schwelgerischen Film an.

Wertung: 5 von 6 €uro