Kinoplakat: Die Legende von Aang
Verrauchtes 3D-Bild,
verschnarchte Darsteller
Titel Die Legende von Aang
(The Last Airbender)
Drehbuch M. Night Shyamalan
Regie M. Night Shyamalan, USA 2010
Darsteller

Noah Ringer, Dev Patel, Nicola Peltz, Jackson Rathbone, Shaun Toub, Aasif Mandvi, Cliff Curtis, Seychelle Gabriel, Katharine Houghton, Francis Guinan, Damon Gupton, Summer Bishii, Randall Duk Kim, John D'Alonzo, Keong Sim u.a.

Genre Fantasy
Filmlänge 103 Minuten
Deutschlandstart
19. August 2010
Inhalt

Die Welt der vier Elemente – Wasser, Erde, Feuer und Luft. Eine Welt in vier Kontinenten, mit vier Nationen. Die Feuernation hat einen brutalen Krieg über die Welt gebracht, hat Wasser-, Erde- und Luftnation immer wieder angegriffen und es gibt kein Mittel gegen die Beherrscher des Feuers. Nur der Avatar könnte das Gleichgewicht herstellen – das einzige Wesen, das alle vier Elemente beherrscht. Aber der Avatar ist vor 100 Jahren verschwunden. Bis heute.

In der Nation der Wasserbändiger befreien die vierzehnjährige Wasserbändigerin Katara und ihr Bruder Sokka einen kleinen Jungen mit seinem Himmelsbison aus dem Eis. Er heißt Aang. Die Befreiung setzt Energien frei, die weit entfernt auf dem Meer die Aufmerksamkeit eines Prinzen der Feuernation, Zuko, erregt. Zuko war vor Jahren von seinem Vater, Feuerlord Ozai, verbannt worden, weil es Zuko an Respekt fehlen ließ. Zuko ist auf der Suche nach dem geheimnisvollen Avatar. Nur, wenn er ihn findet, darf Zuko ins heimische Königreich zurückkehren; er ist überzeugt, dass die frei gesetzten Energien vom Avatar persönlich stammen müssen. Er zieht mit seinem Kampfverband zum Dorf Kataras und bringt den Jungen in seine Gewalt.

Kinoplakat: Die Legende von AangKatara und ihr Bruder befreien Aang aus Zukos Gewalt und begleiten ihn auf dem fliegenden Bison, Appa, zum Südlichen Lufttempel – Aangs Heimat, die die Feuerbändiger auf ihrer Jagd nach dem mutmaßlichen Avatar vor 100 Jahren ausgelöscht hatten. Erst jetzt beginnt Aang zu erkennen, dass er über 100 Jahre lang eingefroren gewesen war und seine Freunde alle längst durch die Hand der Feuernationssoldaten getötet wurden.

Von dieser Erkenntnis übermannt, tritt Aang in den Avatar-Zustand ein und gibt damit der Welt preis, dass er der aktuelle Avatar ist. Aber er ist ein Avatar zur Ausbildung, denn er beherrscht aktuell nur die Kunst des Luftbändigens – das Bändigen der anderen Elemente muss er erst noch lernen. Auf einer uralten Karte finden sie Geheimnisse der unterschiedlichen Elemente.

Gemeinsam versuchen Katara und Aang, die Schritte, die die Karte offenbart, zu erlernen, doch schon bald wird ihnen klar, dass Aang einen echten Lehrer braucht. Aus diesem Grund reist die Gruppe zum Nordpol.

Auch Zhao, ein General der Feuernation, ist auf dem Weg dorthin: Er will den Mondgeist umbringen und somit den Wasserbändigern die Grundlage ihres Bändigens entziehen. Mit ihm reisen auch Zuko und sein Onkel Iroh, die Zhaos Mission skeptisch gegenüber stehen und noch immer nach Aang Ausschau halten, den sie außer Gefecht setzen wollen …

Was zu sagen wäre

Diese Fantasy-Variation verliert sich in ihrer Struktur. „Die Legende von Aang“ basiert auf der ersten Staffel der TV-Trickserie „Avatar – Der Herr der Elemente“. In dieser ersten Staffel – 23 Folgen à 20 Minuten – steckt so viel Stoff, so viel Geisterbeschwörung, soviel Elemente-Gebändige, dass das jeden Kinofilm, der mit 100 Minuten auskommen muss, sprengt. Die den bunten 2D-Welten aufgepfropfte 3D-Technik verwandelt die CGI-Bilder in verrauchte Schmutzflecken, die zentralen Darsteller stehen sich selbst im Weg mit hölzernen Dialogen, die nach Exposition klingen („Da du ja meine Schwester bist, weisst du …“); die erste Hälfte dieses ersten Teils ist eine einzige Exposition. Das ist schon besser, als bei Filmen wie Green Lantern (2011), in denen die Exposition zu Weltraumdias aus dem Off aufgesagt wird; aber auch nicht viel besser. Hier sind es Talking Heads von Katara, Sokka und beider Großmutter, die die Welt erklären müssen:

Talking Heads, um die Handlung zu erklären

Großmutter: „Die Geisterwelt ist kein Ort mit Dingen, die man greifen kann. Aber: Es gibt sie dennoch. Sie ist voll von verblüffenden Formen. Von sagenhaften Wesen, die sich in exotischen Tälern und Gebirgen aufhalten. Und jedes von diesen Wesen dort ist ein Geist. Sie wachen über uns, seit Anbeginn. Sie leiten uns. Und allein der Avatar kann mit ihnen sprechen.“
Katara: „Sind jetzt keine bei uns?“
Großmutter: „Doch! Es gibt einige Geister, die versteckt in unserer Mitte leben und sicher sehr traurig sind über das, was sie sehen. Die Feuernation hat sich dem Einfluss der Geister völlig entzogen. Deshalb haben sie vor einer möglichen Rückkehr des Avatars solche Angst.“
Sokka: „Was könnte er tun?“
Großmutter: „Durch die Beherrschung der vier Elemente wird er die Herzen verändern! Und das Herz ist der Ort, an dem alle Kriege gewonnen werden. Jetzt geht und helft diesem Jungen.“

Das ist so edel gedacht wie langweilig umgesetzt in einem 3D-Kino, das von phantastischen Welten und Wesen erzählen will. Nach diesen 14 Minuten, die inklusive der großmütterlichen Erklärung vergangen sind, habe ich noch keinen Moment echte Spannung erlebt, dafür eine nicht gut getrickste Befreiung aus dem Eis, die keine Lust auf Mehr macht (dabei ist das Design der Landschaften superb). Es geht dann weiter mit den ganz bösen Bösen der Feuerwelt, bei der wir lernen, dass es Böse gibt (Zuko) und böse Böse (Feuerlord Ozai und seine Tochter); und der (nur einmal) Böse, Prinz Suko, wird vom grundgütigen Dev Patel (Slumdog Millionär – 2008) gespielt, also müssen wir nur warten auf seine Wandlung zum Guten.

Schlechte Tricks und und komische Moves

Nun kann man natürlich sagen „Wer kennt schon Dev Patel?“ und, dass das Publikum solche Überlegungen nicht anstellt. Dann bleibt als weiterer Pferdefuß, der der spannungsarmen Handlung im Weg steht, dass ich zum einen die Geschichte aus der TV-Serie kenne und – neugierig, wie M. Night Shyamalan (The Village – 2004; Signs – Zeichen – 2002; Unbreakable – 2000; Sixth Sense – 1999) das in CGI und Realbild umsetzt – zum anderen von dem schlechten Bild und den überraschend schlechten Spezial-Effekten enttäuscht werde. Der 150 Millionen Dollar teure Film richtet sich aber nicht an Kinder, die die Trickfilm-Serie kennen, sondern an ein Kinopublikum, das gern phantastische Stories sieht. Und da haben die Produzenten wohl übersehen, dass diese Kinobesucher mehr wollen, als eine Die-Bösen-gegen-die-Guten-Struktur, in der die Bösen schrill-rotes Feuer werfen und die Guten mit sanft blauem Wasser antworten.

Kinoplakat: Die Legende von AangEin weiterer Pferde-Klumpfuß sind die tanz-kämpfenden Asiaten. Die Kunst des fernöstlichen Kampfsportes zelebriert das Kino seit Anfang der 1970er Jahre und hat es da zu grandiosen Opern gebracht. Bei Shyamalan nun tanzen und steppen und bändigen die Fighter mit ihren jeweiligen Elementen, was beeindruckend aussieht, mir aber die Frage nicht beantwortet, was in aller Welt die Kämpfer mit ihren Moves eigentlich erreichen wollen Und dann endlich gibt es einen realen Fight von Feuernationalen und dem Avatar und was passiert? Der kämpft mit Lanze und Speer und Kicks. Klar, wir haben mitbekommen, dass er das Bändigen der verschiedenen Elemente erst noch erlernen muss, aber … das war`s jetzt? Die schärfste Waffe ist die Drohung, dass der Avatar sterben könnte – „Dann wird er wiedergeboren!“???

Der Film berührt nicht

Der Film endet völlig berührungslos und geht ebenso an mir vorbei. Kein Held, keine Identifikationsfigur und eine Erlösergeschichte, die keinen Raum lässt, die zu Erlösenden kennenzulernen. Die Story hat Platz in der langen TV-Serie, in der sie über ihre größeren Hürden auch größere Tiefe erreicht - aber das lässt sich in 105 Minuten eben nicht simulieren.

Am Ende gibt es einen ordentlichen Cliffhanger, der wohl nicht mehr aufgelöst werden wird. Der vorliegende Film gilt mit einem weltweiten Boxoffice von 320 Millionen US-Dollar als Flop. M. Night Shyamalan ließ vorsichtig wissen, er habe an einer Fortsetzung nun doch nicht mehr so viel Interesse. Es sei spannend gewesen, die Zeichentrick-Geschichte, auf die ihn seine Tochter aufmerksam gemacht hatte, für die Leinwand zu probieren. aber nun wolle er doch lieber etwas weniger Aufwändiges machen.

Wertung: 3 von 7 €uro