Kinoplakat: Die Gärtnerin von Versailles
Gute Schauspieler, schöne Kulisse
ein aus dem Ruder laufender Film
Titel Die Gärtnerin von Versailles
(A Little Chaos)
Drehbuch Jeremy Brock + Alison Dekan + Alan Rickman
Regie Alan Rickman, UK 2014
Darsteller
Kate Winslet, Matthias Schoenaerts, Alan Rickman, Stanley Tucci, Hope Hancock, Isabella Steinbarth, Thomas Allam, Hal Hewetson, Carolina Valdés, Eleanor Montgomery, Danny Webb, Cathy Belton, Steven Waddington, Adrian Scarborough, Adrian Schiller, Ben Fox u.a.
Genre Drama, Romantik
Filmlänge 117 Minuten
Deutschlandstart
30. April 2015
Inhalt

Als ihr Monsieur Le Nôtre die frohe Kunde überbringt, dass er sie als Landschaftsgärtnerin für den Schlosspark von Versailles ausgewählt hat, ist Sabine De Barra mehr als überrascht, denn sie war der festen Überzeugung, dass ihr Vorstellungsgespräch ein ziemliches Debakel war. Zudem hat der Sonnenkönig Ludwig XIV. ganz genaue Vorstellungen zu dem Projekt: Einen Park wie diesen soll es noch nicht gegeben haben, er soll ein extravagantes, verspieltes barockes Meisterwerk werden und am besten auch schon früher als später fertig sein.

Kinoplakat: Die Gärtnerin von VersaillesDie Witwe macht sich daher bald ans Werk und trotz einiger Rückschläge lässt sie sich nicht unterkriegen. So gewinnt sie allmählich nicht nur den Respekt des Königs, sondern auch Le Nôtres Herz. Doch der ist verheiratet und zu allem Überfluss überschattet auch noch eine Tragödie aus Sabines Vergangenheit ihr neu aufkeimendes Glück …

Was zu sagen wäre

In ihrer letzten Einstellung schwebt die Kamera ganz weit nach oben und gibt den Blick auf den prachtvollen Park von Versailles frei, auf die strengen Linien, die exakten Fluchten. Unversehens gibt diese Einstellung den Blick frei auf das, was dem Film fehlt: eine Verortung.

Das Amphitheater, das die gute Witwe entwirft, schwebt orientierungslos im Raum, hat keinen Bezug zu irgendetwas in der Nachbarschaft – und das bei einem Garten, der weltberühmt ist für seine kluge Architektur. Ich kann natürlich nur bewerten, was auch produziert worden ist und ein Kinobesuch ist auch kein Wunschkonzert, aber hier hätte ich mir doch klarere Orientierung an der Gartenarchitektur gewünscht, anstatt den ausschweifend in Szene gesetzten, sinnenden Blicken der Titelheldin zu folgen.

Anders gesagt, der Film löst nicht einmal das little chaos aus, das der Originaltitel verspricht, sondern arbeitet brav die Unerlässlichkeiten solcher Filme ab; da gibt es ein überraschendes und dann sehr nettes tête-à-tête mit dem König, es gibt Techtelmechteldialoge der Witwe mit dem charmanten Le Nôtre, dessen Ehe vom ersten Frame an das Scheitern nahegelegt wird und es gibt den Rückschlag, der die Erfüllung des Auftrags in Gefahr bringt ... bringen soll. Wie anders war etwa der thematisch ähnliche Vatel (2000) mit Gérard Dépardieu als Zeremonienmeister einer gigantischen Gartenparty zu Versailles angelegt; trotz des schrecklichen Dramas im Zentrum blieb der Ort des Geschehens immer Mittelpunkt des Films.

Das ist alles nicht zwingend, aber am Ende ist dann der Garten fertig, die Herzen verteilt und der Abspann beginnt. Alan Rickman wollte seinen Schauspieler-Kollegen eine Plattform bieten und die nutzen sie bereitwillig, aber über die minutenlange Leere im Script können auch sie nicht hinweg spielen.

Wertung: 3 von 8 €uro