Kinoplakat: Die Farbe Lila
Spielberg kehrt zum Drama zurück
Die Filmindustrie reagiert verschnupft
Titel Die Farbe Lila
(The Color Purple)
Drehbuch Menno Meyjes
nach dem Roman von Alice Walker
Regie Steven Spielberg, USA 1985
Darsteller Danny Glover, Whoopi Goldberg, Margaret Avery, Oprah Winfrey, Willard E. Pugh, Akosua Busi, Desreta Jackson, Adolph Caesa, Rae Dawn Chong, Dana Ive, Leonard Jackson, Bennet Guillory u.a.
Genre Drama
Filmlänge 154 Minuten
Deutschlandstart
21. August 1986
Inhalt

Die US-Südstaaten 1909: Die junge Celie wird von ihrem Stiefvater vergewaltigt. Ihre Kinder werden verkauft, sie selbst an einen jähzornigen schwarzen Farmer verschachert, den sie über Jahre nur mit „Mister” ansprechen darf. Der verhasste Ehemann prügelt ihre heißgeliebte Schwester Nettie aus dem Haus, Celie droht, zu zerbrechen, hält sich nur aufrecht durch einen heimlichen Briefkontakt zu Nettie.

Erst Misters Geliebte, die Bluessängerin Shug reißt Celie aus ihrer Lethargie. Sie findet Stärke und Halt, beginnt, ihr Leben vom Kopf auf die Füße zu stellen …

Was zu sagen wäre

Steven Spielberg kehrt nach elfjähriger Abstinenz zum ernsten Drama zurück. Seit Sugarland Express (1974) hat sich der Regisseur im Fantasy und Action-Genre ausprobiert (s.u.) und sorgt mit „Die Farbe Lila“ unter seinen Fans für Verwirrung: keine Special Effects, keine rasanten Schneidetischorgien, keine Kindheitsträume, keine Monster … „Die Farbe Lila“ ist eine Literaturverfilmung, die sich mit dem Schicksal der Afroamerikaner nach Ende der Sklaverei befasst. Er gilt als Beleg für die These des Feuilletons, Spielberg werde nun „erwachsen“ – Sugarland Express scheint vergessen.

Die Themen der Romanvorlage, zu denen lesbische Liebe, Inzest und patriarchale Gewalt gehören, bringt Spielberg erstmals auch einem Mainstream-Publikum nahe. Der Film ist kommerziell durchaus erfolgreich, sorgt jedoch für heftige Kontroversen. Vor allem männliche Farbige werfen Spielberg Rassismus vor, obwohl die Vorlage der Feministin Walker weitaus schärfer und direkter ist als der Film.

Andere werfen Spielberg vor, der in den Südstaaten der 20er Jahre spielende Film ließe die Farbigen zu wohlhabend aussehen (und nicht als wie üblich ärmlich gekleidete Opfer der Weißen). Dabei hat Alice Walker persönlich die historisch korrekte Umsetzung des Films überwacht. Ebenfalls kritisiert wird Spielbergs Ansatz, das Liebesverhältnis zwischen Shug und Celie gegenüber der Vorlage herunterzuspielen.

Die Filmkritik hat den Film positiv aufgenommen. Das Lexikon des Internationalen Films etwa hat „ein gefühlsbetontes, handwerklich hochklassiges Kinomelodram“ gesehen, „das die Probleme der Rassen- und Frauendiskriminierung vorwiegend auf der emotionalen Ebene abhandelt. Schauspielerisch bemerkenswert, in der stark schematischen Charakterzeichnung vor allem der farbigen Männer dagegen eher klischeehaft und fragwürdig“.

Der Film wurde für elf Oscars nominiert (Film, Ausstattung, Drehbuch, Hauptdarstellerin, Kamera, Kostüme, Make Up, Musik, 2x Nebendarstellerin). Nicht nominiert wurde Steven Spielberg, der Regisseur. Am Abend der (58.) Oscar-Zeremonie wurde der Film in keiner einzigen Kategorie aufgerufen.

Wertung: 9 von 9 D-Mark