Kinoplakat: Die Eiskönigin
Sehr lebendiges Animationsmärchen
Bedauerlicherweise wird gesungen
Titel Die Eiskönigin – Völlig unverfroren
(Frozen)
Drehbuch Jennifer Lee + Chris Buck + Shane Morris
nach dem Märchen „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen
Regie Chris Buck & Jennifer Lee, USA 2013
Stimmen

Kristen Bell Yvonne Greitzke, Pia Allgaier, Magdalena Haier, Valeska Gerhard, Jonathan Groff, Leonhard Mahlich, Idina Menzel, Dina Kürten, Willemijn Verkaik, Josh Gad, Hape Kerkeling, Alan Tudyk, Robert Palfrader, Robin Kahnmeyer, Manuel Straube, Chris Williams, Nik Hartmann u.a.

Genre Animation, Märchen
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
28. November 2013
Website eiskoenigin.de
Inhalt
Es waren einmal zwei Schwester, Prinzessinnen – Elsa und Anna. Sie lebten im Königreich Arendelle eine glückliche Kindheit. Anna jedenfalls. Elsa eher weniger – sie lebt heimlich mit einem Fluch, den nur sie und ihre Eltern kennen: Elsa kann … Eis werden lassen; was sie anfasst, wird zu Eis; ist sie besonders zornig, kann sie mit Eiszapfen um sich schießen.

Als sie noch Kinder waren, kannte auch Anna Elsas Geheimnis und die beiden Mädchen nutzten jede Gelegenheit, um damit zu spielen – Elsa baute Eisbahnen, Anna schoss sie auf und ab. Aber dann gab es einen Unfall und Elsas Eisstrahl traf Anna am Kopf. Sie fiel in ein Koma und erst die Trolle im Wald konnten die kleine Prinzessin retten – nahmen ihr dabei aber die Erinnerung an den Vorfall und an die Fähigkeit der Schwester. Fortan zog sich Elsa in ihr Zimmer zurück, verschloss sich vor der Welt und vor Anna aus angst, sie könne jemanden verletzten.

Bei einem Unfall starben der König und die Königin und das Königreich Arendelle versank für viele Jahre in Trauer und verschloss sich gegen die Welt draußen vor der Tür bis der Tag gekommen war, an dem Prinzessin elsa alt genug war, um zur Königin gekrönt zu werden – niemand im Königreich wusste von ihrer Fähigkeit und Elsa stand Todesängste aus, während der Zeremonie, bei der Menschen aus den Königreichen nah und fern zu Gast sein würden, ihre Kräfte nicht unter Kontrolle halten zu können.

Anna lernt auf der Krönungsparty Prinz Hans von den südlichen Inseln kennen; es ist Liebe auf den ersten Blick. Auch der Herzog von Pitzbühl ist unter den Würdenträgern, ein Adeliger eines benachbarten Königreiches, der Arendelle für den eigenen Profit ausschöpfen möchte – wo die neue Königin doch wenig Erfahrung hat. Anna stellt hans ihrer Schwester Elsa vor und bittet um deren segen für eine baldige Hochzeit mit hans. Elsa ist entsetzt, schließlich würden sich beide gerade einige Stunden kennen, und lehnt Annas Anliegen schroff ab. Das macht Anna so sauer, dass sie vor den versammelten Würdenträgern einen Streit mit ihrer Schwester vom Zaun bricht, was der eigentlich einfiele und wieso sie sich eigentlich seit Jahren so zurückzöge und jeden ausschlösse.

Es kommt zur Katastrophe. Elsa wehrt Annas verbale Attacke mit einer unbedachte Bewegung ab, die eine Eisbarriere erzeugt. Die Würdenträger, das Volk weichen erschrocken zurück. In ihrer Panik flieht Elsa in die Berge und entfesselt unabsichtlich den ewigen Winter über Arendelle. Nachdem sich Elsa damit abgefunden hat, dass ihr Geheimnis gelüftet wurde, beschwört sie sich einen riesigen Eispalast, bereitet sich glücklich auf ein einsames Leben vor, schließt mit der Vergangenheit ab und erweckt – nebenbei und aus versehen – den Schneemann aus der gemeinsamen Kindheit, Olaf, zum Leben.

Anna begibt sich auf die Suche nach ihrer Schwester mit dem Ziel, sie nach Arendelle zurückzubringen, den ewigen Winter zu beenden und ihre einst liebevolle Beziehung neu aufzubauen. Vor ihrer Abreise gibt sie die Führung von Arendelle in die Hände des Prinzen Hans. Unterwegs trifft sie auf den Eislieferanten Kristoff und sein Rentier Sven. Anna gelingt es, Kristoff zu überzeugen, sie in die nördlichen Berge zu bringen. Auf dem Weg treffen beide auf den lebendigen Schneemann Olaf, der sie direkt zu Elsas Eispalast führt.

Und Kristoff wundert sich ein bisschen, wieso Anna einen Prinzen lieben kann, den sie doch eben erst kennen gelernt hat. Während sie Elsa in deren Eispalast aufsuchen und die einen Eisgiganten erzaubert, der Anna, Kristoff, Olaf und Sven vertreiben soll, tun sich in Arendelle seltsame Dinge …

Was zu sagen wäre

Die Disney Studios haben ihre Sparten geordnet. Die vor einigen Jahren gekauften Pixar-Studios machen künftig die vergleichsweise schnell zu produzierenden Kinderfilme wie Planes (2013). Alles, was an großer Trickfilmkunst unter dem Rubrum „für die ganze Familie“ firmiert, läuft jetzt wieder einzig unter dem Disney-Label. „Die Eiskönigin“ – Executive Producer: der ehemalige Pixar-Boss John Lasseter – läuft unter dem Disney-Label und ist große Trickfilmkunst.

Großer Detailreichtum macht den Film sehr lebendig

Der Film lebt in großartigen nordischen Winterwelten in einem wunderbaren Detailreichtum. Die Gesichter, speziell das von Anna, hat es den Animatoren angetan; sie grient, blinzelt schüchtern, holpert, wirft unsichere Blicke – das ist eine wahre Freude. An Elsa der Eiskönigin haben sie mal gezeigt, wie sie aus einem hübschen Mädel in wenigen Momenten einen coolen Vamp machen können, der künftig seinen eigenen Eisalast bewohnt; die Szene der Verwandlung Elsas in die einsame Eiskönigin ist … toll. Und bei all dem geht Disney mit der Zeit. Wir haben uns seit Pocahontas‘ Zeiten (1995) daran gewöhnt, dass die Prinzessinnen in den Trickfilmen auch von Disney nicht mehr schmachtende Großaugen in androgynem Körper sind, sondern – siehe auch Rapunzel – Neu verföhnt (2010) – längst den Prügel selbst in die Hand nehmende Großaugen in weiblichem Körper, die den meist etwas einfältigen Prinzen zeigen, wo der Barthel den Most holt. Dass Elsa dadurch, dass sie den Winter über ihr Königreich bringt, zwar Leid bringt, aber eben ihre Schwester auch vor einer furchtbaren Dummheit bewahrt, ist so ein kleiner moralischer Sidestep, der Disney sicher gut gefallen hat

Aber heute mutet Disney seinen auch jungen Zuschauern schon Erbschleicher und Betrüger in der charmenten Pose des netten Prinzen von nebenan zu und die Bösen kommen nicht mehr, um ein Königreich zu stehlen. Im Disney-Trickfilm 2013 kommt der Schurke im Gewand eines Handelspartners daher, der seine Geschäftsbeziehungen ein wenig na sagen wir festigen möchte. Die Schurken sind nicht mehr eindeutig und erleben keine Höllenfahrt mehr – heute reicht, dass sie ins Wasser geschubst und ausgewiesen werden.

Der Schneemann Olaf hat das Zeug für eine eigene Karriere

Kein Disney-Trickfilm ohne wegweisenden comic-relief. Hier sind es Sven, das Rentier, das nicht sprechen kann (auch das ist in Disneyfilmen bemerkenswert), dessen Dialogzeilen sein Besitzer, Freund und Kumpel Kristoff für Sven mitspricht, woraus sich witzige Selbstgespräch-Diskussionen ergeben („Manchmal kann ich Dich einfach nicht leiden!“) und Olaf, der unzerstörbare Schneemann, der von einem Tag am Strand in der Sonne träumt und Kristoff mehrfach stöhnen lässt „Jemand muss es ihm sagen!“ Während Sven, obwohl er nicht spricht, einfach aufgrund seines Elchseins dauernd an das Elch-Paar aus Disneys Bärenbrüder (2003) erinnert, ist Olaf der Hit – dem Hape Kerkeling in der deutschen Version eine mitreißende, goldige Stimme gibt. Olaf hat das Zeug, in diversen Weihnachts-Specials und Special Editions mit eigenen kleinen Abenteuer als Verkaufsargument eingesetzt zu werden.

Leider wird auch gesungen; und zwar dieses Mal wieder sehr ausführlich und das ist, jedenfalls in der deutschen Version – ist man kein Musical-Fan – schwer zu ertragen. Wären die Bilder nicht so großartig, die Charaktere nicht so gelungen, die Story weniger zwingend, würde der Gesang wirklich stören. So nehme ich ihn hin als mutmaßlich für die Kinderseele notwendiges retardierendes Moment – und freue mich an der robusten Beziehung zwischen Anna und Elsa, zwischen Anna und Kristoff, zwischen Olaf und Sven und … ach: Es ist EINFACH GOLDIG!

Wertung: 6 von 7 €uro