Kinoplakat: Die dunkle Seite des Mondes
Schöne Bilder aus dem Taunus und
geraunte Drohungen aus dem Auto
Titel Die dunkle Seite des Mondes
Drehbuch Stephan Rick + Catharina Junk + David Marconi
nach dem gleichnamige Roman von Martin Suter
Regie Stephan Rick, Deutschland, Luxemburg 2015
Darsteller
Moritz Bleibtreu, Nora von Waldstätten, Jürgen Prochnow, André Hennicke, Ian T. Dickinson, Marco Lorenzini, Doris Schretzmayer, Yves Robert Schaaf, Sabine Rossbach, Luc Feit, Germain Wagner, Nino Porzio, Eugenie Anselin, Bartosch Lewandowski, Al Ginter u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
14. Januar 2016
Website dsdm-film.de
Inhalt

Wirtschaftsanwalt Urs Blank ist der unangefochtene Star auf seinem Gebiet. Er ist erfolgreich, hat Geld und die für ihn perfekte Frau. Als sich ein Geschäftspartner aufgrund seiner harten Verhandlungstaktik in seinem Büro umbringt, fängt Urs an, sein bisheriges Leben in Frage zu stellen. Vielleicht auch deshalb fühlt er sich so zu Lucille hingezogen, die ihm mit ihrem alternativen Lebensstil eine ganz neue Welt eröffnet – und ihn zu einem Trip mit halluzinogenen Pilzen verführt. Mit schweren Folgen für Blank.

Nach dem Trip verändert sich seine Persönlichkeit und bringt seine dunkle Seite zum Vorschein: Der zivilisierte Anwalt wird zu einem instinktgetriebenen Individuum und unberechenbaren Mörder. Zutiefst verunsichert von seiner Wandlung flüchtet sich Blank aus seinem alten Leben in den Wald, um dort nach einem Gegenmittel für den missglückten Pilztrip zu suchen. Doch für seinen skrupellosen Mandanten Pius Ott ist der unberechenbare Blank eine tickende Zeitbombe geworden, denn er droht dessen größten Fusions-Deal zu gefährden. Und Ott sorgt gerne für Ordnung in seinem Gehege …

Was zu sagen wäre
Der Mensch ist des Menschen Wolf, das gilt insbesondere in der Hochfinanz und im Speziellen in der Pharmabranche, wo mit der Krankheit des Menschen Milliarden verdient werden. Martin Suters Pilztrip ist eine schöne Geschichte, der im Kino alsbald Bilder und Dramaturgie verloren gehen. Man sieht diesem von ARD/Degeto produzierten Film geradezu an, dass Drehbuch und Regie in das 100-Minuten-Fernsehabend-Konzept gezwungen wurden. Kaum etwas passt, kaum etwas baut aufeinander auf.

Der smarte Frankfurter Anwalt, der stilgerecht in stahlblauer Großstadtkulisse seinen Wolfjobs nachgeht und auf Laufbahn an seiner Fitness arbeitet, wird aus der Bahn geworfen, weil sich ein ehemaliger Geschäftspartner in seinem Büro in den Kopf schießt. Ja, das kann man verstehen; aber es ist nicht glaubwürdig, dass der alle Eventualitäten abzuchecken gewohnte Anwalt die verletzliche Seite des Suizidalen nicht kannte. Dann taucht Lucille in seinem Leben auf (und bereitet ein Rendezvous mit der bezaubernd kühlen Nora von Waldstätten) und spielt nach dem Pilztrip, zu dem sie ihn mitnimmt, keine entscheidende Rolle mehr – aber sie trägt das T-Shirt mit dem Filmtitelgebenden Pink-Floyd-Album – „Von Pink Floyd zum Maßanzug. Wie kriegt man das denn hin, ohne rot zu werden?“

Dann taucht wie Kai aus der Kiste ein Dokument auf, das den eben abgeschlossenen Deal sowie den nächsten, noch viel größeren und für des Anwalts Mandanten Pius Ott eigentlich entscheidenden Deal zunichte machen könnte – und wird vom zunehmend verstörten Anwalt im Wald vergraben; der taucht, während er eigentlich nur noch im Wald nach Pilzen robbt, immer mal in den kaltblauen Frankfurter Glastürmen auf und droht seinen Mitarbeitern, die irgendwie seine ehemaligen Mitarbeiter sind, aber ohne ihn auch nicht so richtig weiter kommen.

Es taucht auch noch eine Herbergsmutter im Wald auf, die dem suchenden Anwalt das entscheidende Pilzbuch zusteckt, nachdem der in zahllosen Pilzbüchern nicht den einen Pilz gefunden hat, der ihm angeblich das Leben versaut hat – immerhin hat er zwischenzeitlich zwei Menschenleben auf dem Gewissen, von mindestens einem weiß auch Pius Ott, der weißhaarige Pharmariese, der den Anwalt jedoch deckt, um ihn, de Anwalt so bei der Stange zu halten; als der ihm, Ott, aber af die ase haut, geht Ott einfach – „Kommen Sie mir nicht in die Quere, Blank!“ – aus dem Bild … und dann kommt das nächste Kapitel. Es ist irgendwie alles egal und schließlich sind es auch offenbar gar nicht die Pilze, die Blank (Nomen est omen) zum Wolf gemacht haben, sondern … irgendwas halt. Hauptsache, am Ende gibt es eine hübsch fotografierte Jagd durch den herbstlichen Taunus im Nebel.

Moritz Bleibtreu kann nichts dafür, dass seine Rolle kaum mehr hergibt, außer den Tausch Anzug gegen Outdoor-Klamotten; er hätte die Rolle allerdings ablehnen können. Jürgen Prochnow als alter Pharmaunternehmer ist platt. Ich hätte ihm nach seinen Meine-Narben-machen-mich-zum-personifizierten-Schurken-Rollen aus den späten 1980er Jahren kaum noch weniger zugetraut, aber als Pius Ott steht (oder sitzt) er vor der Filmkamera herum und raunt Sätze.

Das Fremdenverkehrsamt der Stadt Frankfurt darf sich freuen. Die beiden Kameraleute haben der Stadt ein paar wirklich vorteilhafte Postkartenaufnahmen verschafft, die sich gut im nächsten PR-Film machen werden. Auch gibt es Aufnahmen aus dem herbstlichen Wald, da möchte ich den Projektor stoppen. Aber die machen den Film dann auch nicht mehr gut.

Wertung: 2 von 8 €uro