Kinoplakat: Die Bestimmung – Insurgent

Fein getrickstes, bombastisches
Abenteuer für die Zielgruppe

Titel Die Bestimmung – Insurgent
(Insurgent)
Drehbuch Brian Duffield + Akiva Goldsman + Mark Bomback
nach dem gleichnamigen Roman von Veronica Roth
Regie Robert Schwentke, USA 2015
Darsteller
Shailene Woodley, Theo James, Kate Winslet, Jai Courtney, Miles Teller, Mekhi Phifer, Maggie Q, Ansel Elgort, Naomi Watts, Cynthia Barrett, Justice Leak, Lyndsi LaRose, Suki Waterhouse, Charlie Bodin, Octavia Spencer, Zoë Kravitz, Ben Lloyd-Hughes, Tony Goldwyn u.a.
Genre Abenteuer, Fantasy
Filmlänge 139 Minuten
Deutschlandstart
19. März 2015
Website TheDivergentSeries/#insurgent
Inhalt

Tris und ihr Freund Four sind auf der Flucht, verfolgt von Jeanine, der Anführerin der machthungrigen KEN. Gemeinsam mit Four, ihrem Bruder Caleb und dem Ferox Peter flüchtet sie zu der Fraktion Amite. Aber auch hier tauchen die KEN sowie die abtrünnigen Ferox auf und durchsuchen das Lager. Peter verrät die Freunde und sie müssen fliehen. Im Wettlauf gegen die Zeit müssen sie herausfinden, warum sie gejagt werden und welches Geheimnis Tris' Eltern schützen wollten und dafür mit ihrem Leben bezahlten.

Sie können sich in einen Zug nach Chicago retten, indem sie auf die Fraktionslosen treffen, von denen sie in deren Lager gebracht werden, nachdem Four seine Identität als Tobias Eaton aufgeklärt hat. Seine Mutter Evelyn ist die Anführerin der Fraktionslosen und möchte einen Krieg gegen Jeanine anzetteln. Die Konsequenzen längst vergangener Entscheidungen verfolgen Tris.

Mit Four an ihrer Seite muss sie sich zahlreichen Aufgaben und Gefahren stellen, um die Wahrheit über die Vergangenheit ihrer Welt zu entschlüsseln und damit letztendlich deren Zukunft zu sichern …

Was zu sagen wäre

Die Welt ist feindlich, fremd und sich in ihr zurechtzufinden nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Aber wenn Du konsequent Deinen Weg gehst, nicht den der Erwachsenen, dann wird alles gut. Es ist die immer gleich Struktur, die Filmen wie diesem zugrunde liegen. Deshalb lesen Heranwachsende die Bücher, die zuerst da waren, so gerne. Sie werden Bestseller. Deshalb verfilmt Hollywood sie so gerne. Manchmal werden die Verfilmungen erfolgreich, wie etwa die Tribute-von-Panem-Serie.

Auch „Insurgent“ wurde ein Erfolg: Die 110-Millionen-Dollar-Produktion spielte weltweit 295,2 Millionen Dollar ein. Daraufhin entschied das Studio, auch das dritte Buch der Reihe zu verfilmen und kam auf die innovative Idee, das letzte Kapitel in zwei Teilen zu verfilmen, die im Frühjahr 2016 und 2017 ins Kino kommen sollen. So wie bei Harry Potter. So wie bei der Twilight-Serie. So wie bei den Tributen von Panem. Diese Produktentwicklung (inklusive Marketing-Chi-Chi) zielt so durchsichtig nur auf die Portemonnaies der Teenager, dass bei diesen Filmen nicht mehr von einem künstlerischen Anspruch ausgegangen werden kann. Die Inszenierung muss Popcorn-flott sein, die Schauspieler Starschnitt-tauglich und der Soundtrack ein paar ordentliche Hits für den mp3-Player enthalten.

Der Film ist so beliebig, wie die Plakatmotive, die der Verleih dazu in die Schaukästen des Internets gehängt hat. Junge Menschen suchen ihren Platz in der Welt. Dass sie im Kino dann immer gleich diese Welt retten, liegt in der Natur solcher Effektschleudern. Das Kalkül der Macher hinter dieser Kinoserie ist die moralische Unangreifbarkeit. Weltenretter und Weltenzerstörer sind jeweils Frauen, die Männer sind lediglich Anhängsel, die ihr Fähnchen in den gerade passenden Wind hängen. Ferox Peter, dem Miles Teller („Two Night Stand“ – 2014; Whiplash – 2014; The Spectacular Now – 2013) gewohnt gleichgültige Mine leiht, wechselt zweimal ungestraft die Seiten und bekommt dafür nicht mal eine gescheuert. Rache ist in diesem Film verpönt; Rache tut man nicht. Da droht die Dunkle Seite der Macht.

Der Lover der jungen Heldin Tris, der schmucke, brummbassige Four, jongliert ein paar Mal am Rande dieser dunklen Seite, ist aber für das juvenile Publikum, das in Zeiten, in denen sich in der Schule lauter Eltern scheiden lassen, nach funktionierenden Bindungen giert, zu wichtig – dieser Anakin wird der Hellen Seite erhalten bleiben. Gleichzeitig ist die Beziehung zwischen Tris und Four aber hochanständig. Wie Brüderchen und Schwesterchen kuscheln die beiden in Löffelchen-Stellung auf dem Nachtlager, züchtig bekleidet. Und als es schließlich zum Kuss kommt und einem Reißverschluss, der geöffnet wird, kommt gleich anschließend die aus den 1950er Jahren gerettete Wischblende-am-nächsten-Morgen; es ist zu und zu schön!

Shailene Woodley (Das Schicksal ist ein mieser Verräter – 2014; Wie ein weißer Vogel im Schneesturm – 2014; The Spectacular Now – 2013; The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten – 2011) überspielt die oberflächliche Gefühlswelt ihrer Tris souverän und trägt den Film mit all seinen Abziehbildhelden fast allein, prügelt, schießt und trauert sich durch die absurde Handlung, an deren Höhepunkt eine alberne Weltenerklärung steht. Und die große Kate Winslet (Die Gärtnerin von Versailles – 2015; Labor Day – 2013; Contagion – 2011; Der Gott des Gemetzels – 2011; „Zeiten des Aufruhrs“ – 2008; Das Spiel der Macht – 2006)? Wenn Regisseur Robert Schwendtke (R.E.D.: Älter. Härter. Besser. – 2010; „Flightplan – Ohne jede Spur“ – 2005) ihr nicht gerade eine Großaufnahme gönnt, tut sie wenig mehr, als in einem blauen, unvorteilhaft geschnittenen Kleid in der Green-Box zu stehen; in den Großaufnahmen lässt sie ihre Lust am Diabolischen aufblitzen.

Unterm Strich sehen wir ein Kommerzprodukt, das hält, was es verspricht: Bombast-Kino mit schicken Digital-Effekten, schönen Menschen und Action. Und am Ende ziehen die Menschen in den Sonnenaufgang über der befreiten Stadt und aus allen Rohren bläst der aus einschlägigen Werken zusammenkopierte Soundtrack.

Der Film funktioniert. Man wird sich an ihn erinnern – irgendwie – wenn die Fortsetzungen kommen. Und in fünf Jahren irren dann andere Jugendliche durch andere kaputte Welten auf der Suche nach sich selbst und ihrer Bestimmung. Die vorliegende Bestimmung verstaubt dann längst vergessen im Blu-ray-Regal.

Wertung: 3 von 8 €uro