Kinoplakat: Die Bestimmung – Divergent

Teenage-Fantasy-Drama
nach Reißbrett-Muster

Titel Die Bestimmung – Divergent
(Divergent)
Drehbuch Evan Daugherty + Vanessa Taylor
nach dem gleichnamigen Roman von Veronica Roth
Regie Neil Burger, USA 2014
Darsteller Shailene Woodley, Theo James, Ashley Judd, Jai Courtney, Ray Stevenson, Zoë Kravitz, Miles Teller, Tony Goldwyn, Ansel Elgort, Maggie Q, Mekhi Phifer, Kate Winslet, Ben Lloyd-Hughes, Christian Madsen, Amy Newbold u.a.
Genre Abenteuer, Fantasy
Filmlänge 139 Minuten
Deutschlandstart
10.April 2014
Website divergent-derfilm.de
Inhalt

Die Zukunft. Chicago. Vor vielen Jahren hatte der große Krieg die Welt verwüstet. Die Menschen in Chicago schützen ihre Stadt mit einem gigantischen Zaun. Drinnen haben die Bewohner die Gesellschaft in fünf Untergesellschaften aufgeteilt.

  • die Altruan (die Selbstlosen)
  • die Ferox (die Furchtlosen)
  • die Ken (die Gelehrten)
  • die Candor (die Freimütigen)
  • die Amite (die Freundlichen und Friedfertigen)

Wer in welcher Gruppe lebt, entscheiden Persönlichkeitsmerkmale, Vorlieben und ein Test, den die Bewohner absolvieren müssen, wenn sie 16 Jahre alt werden. Die Entscheidung kann nur einmal im Leben getroffen und dann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Es gilt das Prinzip „Fraktion vor Blut“. Das bedeutet für diejenigen, die sich nicht für die Fraktion entscheiden, in der sie aufgewachsen sind, dass sie ihr Elternhaus und bisheriges Leben hinter sich zurücklassen müssen. Ein Test, dem alle Jugendlichen unterzogen werden, soll über deren innere Bestimmung Auskunft geben und ihnen helfen, die Fraktion zu finden, die am besten zu ihrer Persönlichkeit passt.

Beatrice Prior, die bei den Altruan aufgewachsen ist, fühlt sich stark zu den Ferox hingezogen, aber sie ist sich unsicher. Ihr Test hat kein klares Bild ergeben. das ist außergewöhnlich – und gefährlich: „Unbestimmte“ gelten als Gefahr, werden gejagt und getötet. Beatrice verschließt das Geheimnis tief in sich – und geht zu den Ferox, die in der Chicagoer Welt die Polizeiaufgaben übernehmen. Das Leben in dieser Truppe ist hart, Angst wird nicht akzeptiert, Feigheit bestraft. Wer die Aufnahmeprüfung nicht besteht, wird ausgeschlossen und landet im namenlosen Heer der Fraktionslosen; Menschen ohne Heimat, die nirgendwo hingehören.

Bei den Ferox trifft sie auf Four, der sie und die anderen Fraktionswechsler durch die Phasen der Initiation begleitet. Immer wieder wird sie damit konfrontiert, dass sie eine Unbestimmte ist, fühlt sich aber auch immer mehr den Ferox zugehörig. In der letzten Phase muss sie sich ihren größten Ängsten stellen, doch könnte ihr das zum Verhängnis werden. Four hilft ihr. Nicht nur hat er sich in die junge Frau verliebt, er hat auch herausgefunden, dass sie anders ist.

Außerdem sucht Four eine Verbündete: Er hat entdckt, dass die Ken große Mengen an Transmitter zu den Ferox lagern. In normalen Dosen helfen sie beim Training gegen die größten Ängste, die Mengen aber, die hier gelagert werden, könnten dafür sorgen, die Ferox in einer willenlose Armee zu verwandeln und ganz Chicago zu überrollen.

Tris und Four kommen einer Verschwörung auf die Spur, an deren Ende die geordneten Verhältnisse der fünf Gemeinschaften in Chicago zerbrochen und durch die Diktatur ersetzt wäre …

Was zu sagen wäre

Willkommen im nächsten Kinoprojekt, dass die junge Shailene Woodley zum markttauglichen Star entwickeln soll.
Willkommen in der Welt der Teenager, die an der Schwelle zum erwachsen Werden stehen, an der sie ihren Platz suchen und sich noch verloren und unverstanden fühlen.
Willkommen in einer dieser Roman- und Kinoserien, die dieses Thema in eine Fantasy-Welt übertragen, in der sich das Fremd-fühlen einfacher und abenteuerlicher erzählen lässt. „Twilight“ ist so eine Serie, die Tribute von Panem ist so eine Serie, selbst Harry Potter passt in dieses Schema, in einigen Wochen startet Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth, wo es schon im Trailer über den Protagonisten heißt: „Du bist anders“. Darum geht es immer.

The same old Story

Ein junger Mensch in einer auffallend sauber geordneten Welt mit klar definierten Grenzen und Feinden, in der er so recht in keine der handelnden Gruppen passt, statt dessen offenbar über Fähigkeiten verfügt, die ihn über die anderen erheben. Die anderen lehnen den Helden aus diesen Gründen ab oder feiern/bedrängen ihn als Messias. „Was Dich unterscheidet, macht Dich gefährlich“ raunt das Kinoplakat. Und tatsächlich: Die Unbestimmten (The Divergent) sind gefährlich, weil sie sich „nicht so leicht lenken“ lassen, wie die breite Masse. Es hat etwas Ironisches, dass die Filme mit ihrer Reißbrett-Dramaturgie und ihrem Rundum-Marketing auf allen Kanälen aber genau diese Massenkompatibilität des zahlenden Teenagers in der breiten Masse anpeilt.

Weder die jeweils zugrunde liegenden Romane – gerne als Trilogie – noch die buchstabengetreuen Verfilmungen richten sich an Ü-20-Zuschauer. Euphemistisch ausgedrückt sollen diese Geschichten Heranwachsenden dabei helfen, sich zurecht zu finden, eigene Gedanken zu entwickeln. Die „Bestimmung“-Serie steht mustergültig für die Zutaten: Junge Menschen, Abenteuer, Schwarz & Weiß und ein Schuss Romantik. Was soll ich dagegen sagen?

Kinofilme, dramaturgisch gebaut wie eine TV-Serie

Nichts! Solche Geschichten gehen mich nichts (mehr) an, das erwachsen Werden habe ich hinter mir. Trotzdem darf ich mich fragen, warum die Verfilmungen – die Romanvorlagen kenne ich nicht – so belanglos sein müssen. Sie wirken wie ein paar aneinander geklebte Teile einer TV-Serie mit vielen kleinen Spannungsbögen innerhalb der einzelnen Folgen und zwischen den Werbeblöcken. Der Regisseur, Neil Burger (Ohne Limit – 2011), hinterlässt keine eigene Handschrift. Und irgendwo ist dann Schluss und wird im nächsten Jahr in der Fortsetzung weiter erzählt; den dritten Teil der Romantrilogie gibt es dann als Zweiteiler – das ist seit Harry Potter 7.2 bewährter Brauch fürs bessere Kassenergebnis.

In „Bestimmung – Divergent“ sieht das so aus, dass wir erst der jungen Tris dabei zusehen, wie sie sich kurzweilig durch die ersten Schritte in ihr neues Leben kämpft, dann in schüchterner Romantik zu ihrem Gruppenführer erglimmt („Ich kann das nicht so schnell“ seufzt sie küssend) und dann eine Verschwörung aufdeckt und bekämpft, die zuvor in klug platzierten Halbsätzen angedeutet wurde. Man kann zwischendurch aufs Klo gehen oder sich neue Nachos besorgen. Wenn man zurück kommt hat man nichts Wesentliches versäumt. Wer andererseits im Kinosessel sitzen bleibt, wird auch nicht mit komplizierten Überraschungen gestört, während er via Smartphone seine Kontakte draußen pflegt. Das ist der einzige Unterschied zu den Vorgänger-Serien: Gegen „Die Bestimmung“ wirken Harry Potter, „Twilight“ oder die Tribute von Panem wie komplexe, doppelbödige Abenteuer.

Shailene Woodley – Die neue Hoffnung am Kinohimmel

Auf der Haben-Seite hat der Film seine Hauptdarstellerin Shailene Woodley (Wie ein weißer Vogel im Schneesturm – 2014; The Spectacular Now – 2013; The Descendants – 2011), die seit drei Jahren sukzessive zum Star aufgebaut wird. Sie ist jung, attraktiv und sie beherrscht ihren Job. Beherrschte sie den Job nicht, würde sie nicht auf Kommando weinen können und würde sie nicht mindestens drei Emotionen darstellen können, würden ihr auch ihre irritierend schönen Augen nicht helfen; schöne, attraktive Frauen gibt es in Hollywood wie Sand am Pazifikstrand. Also: Miss Woodley ist ein Gewinn fürs Kino, verfügt über die gewisse Ausstrahlung, die es braucht, um in Großaufnahme auf Leinwand zu bestehen. Ihr gegenüber steht Kate Winslet (Labor Day – 2013; Contagion – 2011; Der Gott des Gemetzels – 2011) als kühle Blonde auf dem Präsidentinnen-Thron. Auch ein Hingucker: So kalt und glatt habe ich sie noch nicht gesehen.

Im Grunde genommen sind solche Serien angelegt, dass der Fan sie über die vier Jahre (vier Teile, vier Jahre) sammeln und dann per Binge-Watching weg gucken kann – da würde es sogar nicht auffallen, dass die Serie ohne eine innere Spannung auskommt. Das Problem ist nur, dass die Fans, die bei Teil 1 die Zielgruppe waren, bei Teil 3.2 schon gerade nur noch aus alter Verbundenheit zuschauen.

Wertung: 4 von 8 €uro