Kinoplakat: Die 3 Tage des Condor

Ein stilles Meisterwerk über das
Doppelleben der Geheimdienste

Titel Die 3 Tage des Condor
(Three Days of the Condor)
Drehbuch Lorenzo Semple Jr. + David Rayfiel
nach dem Roman „Six Days of the Condor“ von James Grady
Regie Sydney Pollack, USA 1975
Darsteller Robert Redford, Faye Dunaway, Cliff Robertson, Max von Sydow, John Houseman, Addison Powell, Walter McGinn, Tina Chen, Michael Kane, Don McHenry, Michael B. Miller, Jess Osuna, Dino Narizzano, Helen Stenborg, Patrick Gorman u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 117 Minuten
Deutschlandstart
19. Dezember 1975
Inhalt

Als Joe Turner mit den Sandwiches für die Kollegen zurück ins Büro kommt, findet er dort nur noch Tote; alle erschossen. Turner und seine Kollegen lesen Bücher, den ganzen Tag, das war ihr Job; sie arbeiten für die CIA, sollen aus Büchern Methoden herausfiltern, verschlüsselte Ideen, die angewandt wurden und angewendet werden können im realen Agentenleben.

Turner hat das Massaker zufällig überlebt, steht aber jetzt auf der Abschussliste der Killer – die offensichtlich im Zentrum der CIA selbst sitzen, die eigenen leute also, und Turner hat keine Ahnung, warum. Er sucht Deckung, muss irgendwohin, wo ihn niemand vermutet.

Auf offener Straße kidnapped er Kathy Hale und zwingt sie mit vorgehaltener Waffe, ihn in ihrer Wohnung zu verstecken. Dort sucht Turner einen Ausweg aus dem komplott, bei dem er am Ende nicht tot ist …

Was zu sagen wäre

Ein Film aus der Sparte „Paranoia“, wie sie Hollywoods B-Film-Regisseure in den schwarz-weißen 1960er Jahren so glänzend beherrschten. Was machen eigentlich die Geheimdienste? Wer kontrolliert sie? Sidney Pollacks Film erzählt von einem Geheimdienst innerhalb des Geheimdienstes und er erzählt das so verschwiegen, wie das Objekt seiner Betrachtung ist. Der Film kommt mit wenig Hintergrundmusik aus, die meisten Szenen werden auf der Tonspur nur von der Atmo des jeweiligen Ortes begleitet. Als seine Kollegen tot sind, hat Joe Turner auch erst einmal nicht mehr viel Dialog. Dieser Thriller aus der Geheimniswelt kommt als Stummfilm mit Tonstörungen daher.

Im Mittelpunkt spielt ein ratlos-dynamischer Robert Redford, dessen Figur präzise gezeichnet ist, geradezu ökonomisch. Ein Büchwurm, sicher, aber einer, der im Vorleben bei einer Telefongesellschaft gearbeitet hat und in Vietnam bei einer Kommunikationseinheit; damit beherrscht er das Instrumentarium der Geheimdienste und kann es glaubhaft gegen sie einsetzen. Über sein Privatleben werden wir nicht weiter informiert, wichtig ist allein, dass er gerne Menschen vertraut; das ist erst einmal alles, was wir erfahren. Mehr brauchen wir nicht zu wissen, das wäre nur Ballast. Ein belesener, kluger Beobachter auf der Sonnenseite des Lebens

DVD-Cover: Die 3 Tage des CondorIhm gegenüber steht Faye Dunaway (Flammendes Inferno – 1974; „Chinatown“ – 1974; Little Big Man – 1970; Thomas Crown ist nicht zu fassen – 1968) als Kathy Hale, eine alleinstehende Frau mit gelegentlichem Männerkontakt, die als Fotografin arbeitet und ihrer Wohnung Schwarz-Weiß-Fotografien einsamer Ort hängen hat. Sie ist abweisend, zugeknöpft, beobachtend statt handelnd. Da treffen sich Yin und Yang und tragen diesen Film traumwandlerisch durch die mörderischen Geheimdienste, denen zwei Männer Gesicht und Stimme geben – Turners Vorgesetzter Higgins, dem Cliff Robertsons kantige Geichtszüge schneidende Kälte verleihen und Max von Sydow (Der Exorzist – 1973) als feingeistiger, die europäische Kultur feiernder Killer, der seinen Job pragmatisch und unberührt wie einen durchschnittlichen Bürojob betreibt.

Sydney Pollack behält seine komplizierten Fäden straff in der Hand. Man muss den Film vielleicht zweimal gucken, weil seine irritierende Ruhe beim ersten Blick leicht mit Konzept-, oder Lustlosigkeit verwechselt werden kann. Es gibt aber nichts Überflüssiges, jeder Satz, jede Sequenz bietet Informationen, baut auf dem Vorhergehenden auf und liefert die Basis für das, was kommt.

Die Kamera verkneift sich Mäzchen, bleibt nah am Geschehen und liefert höchstens mal die Großaufnahme eines Gesichts; aber Setting, Kulisse, Farben könnten auch zu einem profanen Krimi, sogar zu einer etwas unterkühlten Romanze gehören. Erst die auffallende Stille auf der Tonspur macht diesen wunderbar schlüssig und ökonomisch erzählten Film zu dem besonderen Film.

Wertung: 8 von 9 D-Mark