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Plakatmotiv: Der Knochenjäger (1999)
Solider Thriller aus der
düsteren Großstadt
Titel Der Knochenjäger
(The Bone Collector)
Drehbuch Jeremy Iacone
nach dem Roman „Die Assistentin“ von Jeffery Deaver
Regie Phillip Noyce, USA, Kanada 1999
Darsteller Denzel Washington, Angelina Jolie, Queen Latifah, Michael Rooker, Michael McGlone, Luis Guzmán, Leland Orser, John Benjamin Hickey, Bobby Cannavale, Ed O'Neill, Richard Zeman, Olivia Birkelund, Gary Swanson, James Bulleit, Frank Fontaine u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
20. Januar 2000
Inhalt
Bis vor vier Jahren war Lincoln Rhyme als Experte für Spurensicherung das Superhirn des New Yorker Morddezernats. Doch dann machte ihn ein schwerer Arbeitsunfall zu einem körperlichen und seelischen Wrack.

Mit Ausnahme von Gesicht und Zeigefinger bewegungsunfähig ans Bett gefesselt, hat Rhyme jeden Lebensmut verloren. Lediglich durch seine selbstbewusste, loyale Pflegerin Thelma und seinen Computer, den er über seinen bewegungsfähig gebliebenen Zeigefinger steuern kann, hält er eine Verbindung zur Aussenwelt aufrecht.

Bis die junge Streifenpolizistin Amelia durch ihre Entschlossenheit am Tatort eines Mordes seine Leidenschaft für den Beruf wiedererweckt. Durch einen Zufall ist die mit Schlagfertigkeit und Selbstbewusstsein in eine Männerdomäne eingebrochene Streifenpolizistin zuerst am Tatort und sichert wertvolle Beweise.

Lincoln Rhyme, der von seinen ratlosen Ex-Kollegen um Mithilfe in der Klärung des Mordes gebeten wird, holt Amelia in sein Team. Inspiriert von ihrer Entschlossenheit, ihrem offensichtlich ähnlich arbeitenden Verstand und motiviert von der Aussicht, mit Amelias Hilfe wieder Tatorte unverfälscht erforschen zu können, gewinnt Rhyme Lebensmut zurück.

Während der sadistische Serienmörder immer grausamere Szenarien für seine Opfer entwirft, gelingt es Rhyme mit Hilfe von Amelia, die ihm in der Aussenwelt bald Augen, Ohren und Beine ersetzt, entscheidende Spuren zu entdecken und die mysteriösen Hinweise des Killers zu deuten. Jeder weitere Mord führt das Duo näher an die Pläne des intelligenten Psychopathen heran.

Doch keiner von beiden ahnt das eigentliche Ziel seines diabolischen Machtspiels …

Was zu sagen wäre

Drei ultimative Wahrheiten vorweg:

  1. Das Buch ist besser als der Film.
  2. Den grusligeren Serienkiller hatte David Finchers Sieben.
  3. Die Mutter aller Serienkillerthriller ist und bleibt Jonathan Demmes Das Schweigen der Lämmer.

Alles richtig. Aber wollen wir jetzt im Leben nur noch diese beiden Filme gucken, wenn wir einen Thriller mit Serienkiller sehen wollen? Dieser hier ist sattsam spannend gewoirden. Kein großer Wurf, dafür ein kleiner mit wenigstens großer Besetzung. Seine Geheimwaffe lautet Angelina Jolie. Sie spielt die junge Polizistin, die dem erfahrenen, ans Bett nahezu bewegungslosen Spurenleser Lincoln Rhyme die Beweglichkeit gibt, die der für seine Arbeit eigentlich braucht. Und da profitiert Regisseur Philip Noyce natürlich vom Gesicht, von der Physiognomie Angelina Jolies („Turbulenzen – und andere Katastrophen“ – 1999; Leben und lieben in L.A. – 1998; Hackers – 1995).

Jolie spielt dier Polizeischülerin. Die sich schubsen lassen muss vom unbeweglichen Hauptdarsteller; und weil sie aussieht wie sie aussieht, freuen wir im Kinosessel uns mit ihr, wenn sie etwas richtig macht. Und sie macht alles richtig.

Lincoln Rhymes Behinderung ist keine, mit der Hollywood Geld verdienen könnte, deshalb gibt es die attraktive Assistentin. Diese Rolle hätten auch Nicole Kidman, Carrie-Ann Moss, Julia Stiles, Natalie Portman, Rachel Weisz oder, oder, oder übernehmen können, aber Angelina Jolie hat die passende Augenpartie für diese Rolle – gleichzeitig anfängerhaft-verletzlich und selbstbestimmt. Ja, es wirkt sexistisch, aber Jolie liefert perfekt Denzel Washingtons Augen und Beine.

Washington (Ausnahmezustand – 1998; Mut zur Wahrheit – 1996; Crimson Tide – 1995) steht es ganz gut, dass er sich als Lincoln Rhyme kaum bewegen darf; sein ausdrucksloses Spiel kommt so besser zur Geltung – und wenn er seine unfreiwillige Assistentin durch unappetitliche Crime Scenes führen darf, bietet er dem Film ein paar ordentliche Magic Moments. Und Jolie verkörpert gut diesen rüden Quatsch-mich-bloß-nicht-blöd-von-der-Seite-an-Charakter, der schon Jeffrey Deavers' Buchvorlage belebte.

Der Film selbst ist solides Thriller-Handwerk mit düsterem Grusel, ekligen Morden und der Rettung aus höchster Not in letzter Sekunde – als Zuckerl gibt die vollschlanke Rapperin Queen Latifah den comic relief als resolute Krankenpflegerin, die sich nichts vormachen lässt. Dass man drauf kommen kann, wer am Ende der Killer ist, ist verzeihbar und kann ja auch als Hurra-richtig-kombiniert zu den Akten gelegt werden.

Phillip Noyce (The Saint – 1997; Das Kartell – 1994; Die Stunde der Patrioten – 1992) schafft einen ordentlichen Großstadt-Thriller.

Wertung: 6 von 11 D-Mark
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