Kinoplakat: Der Adler ist gelandet
Großer Abenteuer-Action-Unsinn mit
edlen Kriegern und kernigen Kerlen
Titel Der Adler ist gelandet
(The Eagle Has Landed)
Drehbuch Tom Mankiewicz
nach dem Roman von Jack Higgins
Regie John Sturges, UK 1976
Darsteller
Michael Caine, Donald Sutherland, Robert Duvall, Jenny Agutter, Donald Pleasence, Anthony Quayle, Jean Marsh, Sven-Bertil Taube, John Standing, Judy Geeson, Treat Williams, Larry Hagman, Alexei Jawdokimov, Richard Wren, Michael Byrne u.a.
Genre Abenteuer, Krieg, Thriller
Filmlänge 135 Minuten
Deutschlandstart
24. Februar 1977
Inhalt

Als am 6. November 1943 Reichsführer Heinrich Himmler die Nachricht „Der Adler ist gelandet“ erreicht, weiß er, dass sein Himmelfahrtskommando sicher auf englischem Boden gelandet ist: Sechzehn deutsche Fallschirmjäger mit dem Auftrag, den englischen Premierminister Winston Churchill zu entführen.

Unter dem Kommando von Oberst Kurt Steiner schlagen sich die deutschen Soldaten in Richtung Norfolk durch, wo Churchill ein ruhiges Wochenende in einem Landhaus verbringen wollte. Die Geheim-Operation ist fast zum Scheitern verurteilt, wäre da nicht Oberst Steiner …

Was zu sagen wäre

Großes Action-Abenteuer für große Jungs. Mit edlen Kriegern, kernigen Männern und in die Knie sinkenden Frauen. Dieser Film ist ein großer Quatsch – ein schöner Quatsch, aber eben Quatsch. Er sieht sich in der Tradition solcher Klassiker wie Die Kanonen von Navarone (1961) oder Agenten sterben einsam (1968) – Kommandounternehmen, die einen unmöglichen Auftrag erfüllen sollen – scheitert aber schon an der Prämisse. In einem britischen Film sollen deutsche Soldaten Großbritanniens geliebten Kriegspremier Winston Churchill entführen? Das muss ja schief gehen.

Namhafte britische und amerikanische Schauspieler schlüpfen da in deutsche Uniformen, um das ganze irgendwie glaubwürdiger zu machen. Aber das klappt halt nicht. Während die Kanonen am Ende zuverlässig in die Luft fliegen, die einsam sterbenden Agenten ihren Auftrag über sieben Ecken herum zuverlässig trotzdem erfüllen, geht das Unternehmen hier zuverlässig schief. Das heißt: Wir sehen einer Geschichte zwei Stunden beim Sterben zu. Das aber tut sie aufwändig. Zentraler Schauplatz ist ein südenglisches Dorf voller guter Menschen und einem freundlichen Pfarrer, durch das im Laufe des Films die Panzer rollen, Panzerfäuste krachen, Schüsse peitschen und Jeeps explodierend in den Bach krachen. Ich kann dem Film jedenfalls keine visuelle Langeweile unterstellen.

Kinoplakat (US): The Eagle has LandedJohn Sturges hat ordentlich in die Geldschatulle greifen dürfen und alles aufgefahren, was so ein metallenes Kriegsspektakel braucht – Originalschauplätze mit wunderbaren Totalen, teure Longshots mit Kamerakränen, jede Menge Fuhrpark aus den Militärmuseen, Fallschirmspringer – und die Erkenntnis, dass auch die deutsche Armee unter Adolf Hitler aus lauter feinen Menschen bestand; nur die Waffen-SS, Heinrich Himmler und Hitler selbst waren böse.

Michael Caine („Der Mann, der König sein wollte“ – 1975; „Mord mit kleinen Fehlern“ – 1972) schützt bei seinem ersten Auftritt als Kurt Steiner, hochdekorierter Offizier für besondere Aufgaben, eine Jüdin vor der Reise in die Gaskammern, woraufhin ihn die Waffen-SS aller Ehren und Dienstgrade beraubt und in die Strafkolonie schickt, wo er von einem anderen edlen deutschen Offizier, Robert Duvall mit Augeklappe (Network – 1976; Der Pate – 1972; THX 1138 – 1971), für das Kommandounternehmen rekrutiert wird, von dem ein dritter edler Deutscher – kein Geringerer als Admiral Canaris, gespielt vom alt gewordenen Kanonen-Haudegen Anthony Quayle – nichts wissen darf, weil der Admiral von plumpem Mord im Kriegsspiel nichts hält.

Dazu gesellen sich unterbelichtete US-Soldaten, denen TV-Star Larry Hagman als im Karriererad hängen gebliebener Schreibtischkrieger eine komische Note gibt, ein züchtiges, minderjähriges Mädchen namens Molly, das sich auf der Stelle in den windigen Fremden verknallt, der ihr mit Donald Sutherlands Gesicht schöne Augen macht und trockene Briten, die stets wissen, was zu tun ist – und das, wenn es sein muss, auch schon drei Tage vorher. Ein Machofilm, wie die meisten dieser Kriegs- oder Kommandofilme („Die Luftschlacht um England“ – 1969; „Die Brücke von Remagen“ – 1969), die sich mit den Katastrophenfilmen (Airport – 1970; The Poseidon Adventure – 1972; Flammendes Inferno – 1974) im Kino abwechseln und alternden Haudegen nochmal die Chance auf verkniffene Blicke und bellende Drehbuchsätze bieten und die Krieg als Angelegenheit ehrenhafter und ritterlicher Männer ausgeben. Ein aufwändiger Film, der schon zu seiner Erstaufführung altmodisch wirkt, angefüllt mit markigen Ereignissen und Personen.

John Sturges zeigte sich in Interviews von der Stimmung unter seinen Stars begeistert. Bei den Dreharbeiten habe es keine Reibereien gegeben, das habe sich auf den Film übertragen. Sturges sagt, man könne „The Eagle has landed“ nicht als reinen Kriegsfilm bewerten, sondern als ein Abenteuerfilm über die Ideale von Männerfreundschaften. Wenn man ihn einfach so über sich ergehen lässt ohne nachzudenken, dann kann man(n) – Frau eher nicht so – entspannten Spaß dabei haben – auch wenn man ahnt, wie es ausgeht.

Immerhin: Man kann den Film auch gucken, wenn man Jack Higgins‘ Roman vorher gelesen hat. Der Film weicht in so vielen Stellen vom Buch ab, dass man meinen könnte, eine andere Geschichte über eine andere Churchill-Entführung zu sehen.

Wertung: 4 von 9 D-Mark