DVD-Cover: Death Race 2050
Verwehte Erinnerungen an Roger Corman
Dieses Rennen ist ein dummer Quatsch
Titel Death Race 2050
(Death Race 2050)
Drehbuch G.J. Echternkamp + Matt Yamashita
Regie G.J. Echternkamp, USA 2017
Darsteller Manu Bennett, Malcolm McDowell, Marci Miller, Burt Grinstead, Folake Olowofoyeku, Anessa Ramsey, Yancy Butler, Charlie Farrell, Shanna Olson, D.C. Douglas, Sebastian Llosa, Emilio Montero, Pablo Zapata, Mark Doran, Jonathan Fisher, Pierre Paolo Goya Kobashigawa u.a.
Genre Trash, Action, Comedy
Filmlänge 90 Minuten
Deutschlandstart
16. Februar 2017 (DVD/Blu-ray-Premiere)
Inhalt

Die USA 2015: Die United States gibt es nicht mehr. Es gibt jetzt die UCA, die United Corporations of America – regiert von den großen Konzernen regiert. Um ein mögliches Aufbegehren der zu 98 Prozent arbeitslosen Bevölkerung im Keim zu ersticken, werden die Bewohner des Landes mit Virtual-Reality-Unterhaltung gefügig gemacht.

Höhepunkt dieser ruhigstellenden Prozedur ist das alljährliche Todesrennen – bei dem es nicht nur auf die Geschwindigkeit ankommt, sondern auch auf die Skrupellosigkeit der Teilnehmer. Es gibt nämlich Bonuspunkte für die Teams, wenn sie unschuldige Passanten überfahren und töten. Kleine Kinder und alter Menschen bringen zusätzliche Punkte. Denn die arbeitslose Bevölkerung, die nichts weiter zu tun hat, vermehrt sich unkontrolliert – alte Menschen kosten knappe Ressourcen, Babies können nicht arbeiten, so die krude These des Präsidenten der UCA.

Auch der amtierende und gefeierte Sieger Frankenstein tritt wieder in die Pedale. Dabei ahnt die Mensch-Maschine nicht, dass sein Co-Pilot ein Spion ist. Dieser Widerstandskämpfer will der martialischen Tradition ein Ende setzen …

Was zu sagen wäre

Produziert hat diesen Film Low-Budget-Legende Roger Corman (Der Android – 1982; Planet des Schreckens – 1981; Sador – Herrscher im Weltall – 1980; Piranhas – 1978; Der Mann mit den Röntgenaugen – 1963; Der Rabe – Duell der Zauberer – 1963), daher sei ein wenig verziehen, wie ab-so-lut bescheuert dieser Film ist. Zwei Joints, drei Schnaps, mit zwei Litern Gewürz Traminer nachspülen – dann ist der Kopf bereit, den Film hinzunehmen.

Ob Roger Corman kurzfristig hat nachdrehen lassen? Donald Trump wurde am 9. November 2016 mit seinem Slogan „Make America Great again“ sowie der Parole „America first“ zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Cormans Death Race kam im Januar 2017 auf den Markt. Und er wirkt ein wenig so, als habe ein wild gewordener, nun ja, Künstler versucht, das Wesen Trumps und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaftauf der Zukunft zu extrapolieren. Demnach wäre die die Corporate USA in ein paar Jahren ungefähr so kaputt, wie in diesem Film: 98 Prozent Arbeitslosigkeit, ein paar zynische Großindustrielle, die sich allen Besitz teilen und Brot & Spiele für den Rest – Freiheit, Gleichheit, Brutalität.

Roger Corman wird im April 2017 91 Jahre alt und macht seit Mitte der Fünfziger Jahre Filme, sehr billig, schnell und böse, also immer am Puls der Zeit. Inzwischen allerdings ist das Tempo, mit dem Amerika sich verändert, so irre, dass selbst Corman von der Zeit überholt wird. 1975 produzierte er „Death Race 2000“ („Frankensteins Todesrennen“), mit David Carradine und Sylvester Stallone, in dem Amerika eine faschistische Diktatur ist, deren Bevölkerung durch brutale Showexzesse bei Laune gehalten wird: ein Autorennen quer durch den Kontinent, in dem niedergefahrene Passanten starke Zusatzpunkte geben. Der Film wurde einer von Cormans größten Erfolgen.

Jetzt also „Death Race 2050“: Wieder gibt es monströs getrimmte Autos und Fahrer – aber ein Schocker, wie der Film von 1975, ist das in Zeiten von Lady Gaga, NineEleven oder den Tributen von Panem nicht mehr. Effektiv schockiert die Katastrophe nur, wenn sie als Groteske durchgeht. Aber was bedeutet heute schon grotesk? Nach einer halben Stunde zieht der Driver Frankenstein seine Killer-Maske ab und reflektiert sein trauriges Heldendasein. Das ist grotesk.

Wertung: 1 von 9 €uro