Plakatmotiv: Verborgene Schönheit
Wortlastiges Drama
dem die Bilder fehlen
Titel Verborgene Schönheit
(Collateral Beauty)
Drehbuch Allan Loeb
Regie David Frankel, USA 2016
Darsteller
Will Smith, Edward Norton, Kate Winslet, Michael Peña, Helen Mirren, Naomie Harris, Keira Knightley, Jacob Latimore, Ann Dowd, Liza Colón-Zayas, Natalie Gold, Kylie Rogers, Shirley Rumierk, Alyssa Cheatham, Benjamin Snyder u.a.
Genre Drama
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
19. Januar 2017
Website collateralbeauty-movie.com
Inhalt

Howard Inlet hat eigentlich alles wovon er immer geträumt hat. Als er seine geliebte Tochter durch eine unheilbare Krankheit verliert, verfällt der New Yorker in eine tiefe Depression und sein Leben gerät immer mehr aus den Fugen. Schließlich fängt Howard sogar an, Briefe zu schreiben – an die Liebe, die Zeit und den Tod.

Wenigstens hat der Werbefachmann Mitarbeiter und Freunde, die sich um ihn sorgen und gar nicht daran denken, ihren Chef seiner Trauer zu überlassen. Sie engagieren drei Schauspieler, die sich Howard nähern sollen – als Liebe, als Zeit, als Tod, die Post von ihm erhalten haben. Sie lösen allerlei aus – zunächst weniger bei Howard, dafür mehr bei ihren Auftraggebern und bei sich selbst …

Was zu sagen wäre
David Frankel („Der Teufel trägt Prada“ – 2006) erzählt eine schöne, ans Herz gehende Geschichte und weiß die bei seinem All-Star-Cast (Will Smith, Edward Norton, Keira Knightley, Michael Peña, Naomie Harris, Jacob Latimore, Kate Winslet und Helen Mirren) gut aufgehoben. Es gibt aber nur Dialog und Schauspieler, jede Menge Wort – dem das Bild nicht auf die Leinwand hilft. Wir sehen weihnachtliches Manhattan, schöne Menschen, hippe Locations – je nach emotionaler Situation der Szene bei Tag oder bei Nacht. Wir sehen Will Smith (Suicide Squad – 2016; Focus – 2015; Hancock – 2008; Hitch – Der Date Doktor – 2005; I, Robot – 2004; Die Legende von Bagger Vance – 2000; Der Staatsfeind Nr. 1 – 1998; Men in Black – 1997; Independence Day – 1996; Bad Boys – Harte Jungs – 1995) als trauernde Leerstelle, seinen Partner, Edward Norton (Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) – 2014; Grand Budapest Hotel – 2014; Das Bourne Vermächtnis – 2012; Moonrise Kingdom – 2012; Der unglaubliche Hulk – 2008; Königreich der Himmel – 2005; The Italian Job – Jagd auf Millionen – 2003; Roter Drache – 2002; Glauben ist alles! – 2000; Fight Club – 1999; American History X – 1998; Larry Flynt – Die nackte Wahrheit – 1996; Alle sagen: I love you – 1996;Zwielicht – 1996), dessen Tochter zwar lebt, aber seit der Scheidung ähnlich unerreichbar scheint, wir hören virtuose Dialoge und sehen Bilder wie aus dem Agenturkatalog. Sehr fordernd, weil Kino ein Bil-der-Me-Di-um ist.
 
Mit der Zeit stellt sich heraus, dass gar nicht Will Smith so sehr die Anleitung von Tod, Zeit und Liebe braucht, sondern seine drei Partner, was dann einen eigenen Spannungsbogen schafft: Wer braucht wen? Und auch die engagierten Schauspieler sind nicht ohne doppelten Boden, sie haben ihre Eitelkeiten. So bleibt ein Drehbuchfilm: eine intelligente, witzige, überraschende, wendungs- wie wortreiche, von großen Spielern getragene Geschichte, nur mühsam in äquivalente Bilder gesetzt. Auch hier fehlen die – mittlerweile offenbar aus dem Filmstudio regelmäßig georderten – Kameraflüge über die nächtliche Stadt, lotrechte Vogelperspektiven nicht, es gibt schöne Dialoge, manche Erkenntnis, manche auch nur auf Kalenderniveau, aber es fehlen dieser collateral Beauty die kollateral Beauty shots.
 
Statt dessen ist ein Schauspielerfilm, in dem die hochkarätigen Schauspieler Sachen performen dürfen wie „The Play is dead after all this. But You never know: Nothing is really dead, if You look at it right.“ – „Das Stück ist gestorben. Aber man weiß ja nie: Nichts ist im Grunde wirklich tot, wenn man genau hinsieht.“ Die größte Strahlkraft entfaltet Naomi Harris („Moonlight“ – 2016; James Bond 007 – Spectre – 2015; James Bond 007 – Skyfall – 2012; Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt – 2007; Miami Vice – 2006; Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2 – 2006; „After the Sunset“ – 2004; 28 Days Later – 2004), die als Sozialhelferin dem abgekapselten Howard die richtige Mischung aus Sanftheit und Robustheit entgegenstellt und die einem Film, der wie dieser on the Edge of Kitsch balanciert, die nötige Erdung gibt.
Wertung: 5 von 8 €uro