Kinoplakat: Das Schwarze Loch
Dieses Loch entfaltet keinen Sog
Titel Das Schwarze Loch
(The Back Hole)
Drehbuch Jeb Rosebrook + Bob Barbash + Richard H. Landau + Gerry Day
Regie Gary Nelson, USA 1979
Darsteller

Maximilian Schell, Anthony Perkins, Robert Forster, Joseph Bottoms, Yvette Mimieux, Ernest Borgnine, Tom McLoughlin u.a.

Genre Science Fiction, Abenteuer
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
18. September 1980
Inhalt

Die Tiefen des Alls, das 22. Jahrhundert: Am Rande eines Schwarzen Lochs stößt die Crew des Forschungsschiffs „Palomino“ auf ein seit 20 Jahren verschollenes Raumschiff, die „USS Cygnus“. Nur ein Mann ist an Bord, der Wissenschaftler Dr. Reinhardt, ehedem eine Koryphäe der Astrophysik, dann verschollen geglaubt.

Außer ihm sind auf den ersten Blick nur Roboter an Bord: metallene Wach- und Kampfroboter und wie Mönche anmutende, stumme Arbeitsroboter mit schwarzen Kutten, Kapuzen und Spiegelflächen anstelle eines Gesichts; ferner Reinhardts neuester und überlegener Prototyp Maximillian, ein rotes Monster aus Stahl.

Die eigentliche Crew der Cygnus, so sagt Reinhardt, wurde wegen einer früheren schweren Beschädigung des Schiffes durch Meteoriten vor vielen Jahren evakuiert und wollte zur Erde zurückkehren; er sei daher seit vielen Jahren an Bord allein. Trotz einer erfolgreichen Reparatur habe er „für höhere wissenschaftliche Ziele“ den Heimkehrbefehl verweigert.

Reinhardt will mit der Cygnus durch das Schwarze Loch manövrieren, will unbekannte Dimensionen erforschen. Zu spät erkennt die Crew der Palomino, dass hinter Reinhardts altruistischer Haltung ein mörderischer Plan umgesetzt wird, der schon viele Menschenleben gekostet hat. Dr. Reinhardt lässt seine Kampfroboter auf die Gäste los …

Was zu sagen wäre

Gute Science Fiction schaut auf die Welt, wie sie ist und extrapoliert das Gesehene, meist wissenschaftliche Ideen oder soziale Umstände, in die Zukunft – „was wäre, wenn?“ Unterhaltsame Science Fiction schickt Raumschiffe durchs All und lässt dessen Mannschaft Abenteuer gegen Extraterrestren erleben (auch so eine Art Extrapolation). Disneys Produktion „Das schwarze Loch“ extrapoliert und lässt Raumschiffbesatzungen Abenteuer erleben, ist aber weder unterhaltsam noch gut. Dieser Film ist kindisch. Und er macht das sehr nachdrücklich schon nach wenigen Minuten deutlich.

Unterirdische Spezial-Effekte

Da schweben die Besatzungsmitglieder der Palomino durch eine Art Röhrensystem von A nach B; schwerelos soll das aussehen, aber tatsächlich sieht es nach schlechtem Spezialeffekt aus: Die einzelnen Elemente, Personen und Hintergünde, passen weder von der Bewegung noch von den Lichtverhältnissen zueinander, die Ränder um jedes einzelne ins Bild kopierte Element sind deutlich sichtbar. Effekte, als habe es nicht zwei Jahre vorher den Krieg der Sterne gegeben, der den FX-Standard nach oben geschraubt hat. Erstaunlich ist, dass die Disney-Studio das im Vergleich zur Star-Wars-Produktion weit bessere SFX-Kameraequipment hatten.

Die Messlatte für Spezialeffekte lag nach Krieg der Sterne sehr hoch. Für „Das schwarze Loch“ wollte man deshalb von ILM das erste computergesteuerte Kamerasystem Dykstraflex ausleihen. Das scheiterte am Geld. Also baute man kurzerhand ein eigenes System namens A.C.E.S. (Automated Camera Effects System); das konnte auch vor Matte-Bildern mit beweglicher Kamera arbeiten. Geholfen hat es nicht – im Gegenteil.

Glutaugen und behauptete Göttlichkeit

Das Drehbuch versucht, den Schwarzen Löchern eine philosophische Meta-Ebene zu verleihen, ein göttliches Rätsel. Da sagt dann Maximilian Schell mit fremdartig-österreichischem Akzent ein bisschen was dazu und ab da schwebt dann dieses Loch halt ab und an am Bildrand als die latente Bedrohung entlang, während davor ein bisschen Saloon-Schlägerei und Laser-Schießereien gefilmt werden. Menschen und Roboter kann man dabei nicht immer so genau auseinanderhalten.

Schell als Herrscher über ein Heer rätselhafter Roboter absolviert seinen Part, indem er die meiste Zeit glutäugig guckt; als Schauspieler tritt er nicht in Erscheinung. Anthony Perkins spielt, was er immer spielt, den ambivalenten Charakter, bei dem lange offen bleibt, auf welcher Seite er nun landen wird; weil aber die Geschichte reinen Stillstand erzählt – das bisschen an treibender Handlung hätte sich in zehn Filmminuten vermitteln lassen – ist es egal, wo Perkins landen wird. Nur Ernest Borgnine ist nett … irgendwie („Convoy“ – 1978; Die Höllenfahrt der Poseidon – 1972; „The Wild Bunch“ – 1969; Eisstation Zebra – 1968; „Das dreckige Dutzend“ – 1967; Der Flug des Phoenix – 1965; Die Wikinger – 1958; „Die Gladiatoren“ – 1954; „Verdammt in alle Ewigkeit“ – 1953). Er gibt halt den jovialen älteren Onkel, herzensgut – das sieht man gerne. Seine Rolle? Crewmitglied halt, ohne tiefere Bedeutung.

Die Roboter in der zeitgenössischen Science Fiction

Und dann sind da noch die Roboter und seit George Lucas vorgeführt hat, wie man Roboter so in einen Film integriert, dass die nicht nur die ersten zehn Minuten ganz allein vor der Kamera agieren, sondern auch noch zu Publikumslieblingen avancieren und der dazugehörige Film der bis dato erfolgreichste aller Zeiten wurde, gehören Roboter zum Science-Fiction-Film wie die unendlichen Weiten und die Raumschiffe. Dabei tauchten die ersten Maschinenmenschen als Sympathieträger – von Fritz Langs Maschinen-Maria aus „Metropolis“ mal abgsehen – schon in „Forbidden Planet – Alarm im Weltall“ auf, der 1956 in die Kinos kam; Robby, der Roboter sorgt dort für Herzenswärme. In Silent Running (1972) ließ Douglas Trumbull die Roboter Hewy und Dewey Gartenarbeit verrichten und beim Pokern mit Bruce Dern schummeln.

Aber erst seit C-3PO und R2-D2 entwickeln sich Roboter zu eigenständigen Handlungselementen. Prompt gibt es in „The Black Hole“ einen Darth-Vader-artigen Groß-Androiden in rot, der auf den Namen Maximilian hört und offenbar eine mörderische Agenda verfolgt. Und es gibt lustige, verbeulte kleine Tonnen mit aufgemalten Augen, die V.I.N.CENT und B.O.B. heißen und mehr menschliche Wärme verbreiten, als die Menschen und das will bei Robo-Charakteren, die auf Micky-Maus-Niveau agieren, was heißen. Der unglückselige V.I.N.CENT wurde für einzelne Szene an Fäden aufgehängt. Das schränkte aber die Bewegungsfreiheit des in ihm steckenden Schauspielers ein und im fertigen Film sind dann die Fäden in mehreren Szenen auch noch sichtbar.

„Das Schwarze Loch“ verkauft sich als ambitionierte große Science Fiction zwischen Kubricks 2001 (1968) Star Wars (1977), landet aber als aufgepumpter Wiedergänger des Star Crash (1978).

Kinoplakat: Das Schwarze Loch

Wertung: 3 von 9 D-Mark